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Zur mentalen Belastung

September 1, 2018

An Kinderarzt-Termine denken, den Haushalt organisieren, Sich-Nahrungsmittel-Allergien-anderer-Kinder-merken, Elternsprechstunden-und-Schulprüfungen erinnern oder Geschenkideen-für-Kindergeburtstage-kaufen: Sorge-Arbeit hat auch eine kognitive Dimension, die sich „mental Load“ nennt.

Die französische Cartoonistin Emma hat ein Comic dazu gezeichnet, das relativ bekannt geworden ist. Es ist mittlerweile auf Englisch übersetzt und trägt den Titel „You should have asked.“

Das tolle DasNuf hat sich in zwei wichtigen Blogposts ebenfalls mit mentaler Arbeit beschäftigt. Sie gehen auf einen Vortrag zurück, die sie auf dem ‚Female Future Force Day‘ gehalten hat. Im ersten („Aufgaben richtig gerecht verteilen„) schlägt sie unter anderem eine Auflistung von Aufgaben vor:

Setzt euch in einem Kick-off zusammen und schreibt kleinstteilig auf, was alles gemacht wird. Dabei geht es erstmal ums Grundsätzliche – nicht um eine konkrete Planung. Einige meiner LeserInnen kennen die Liste schon:

Wer putzt das Klo?
Wer putzt die Fenster?
Wer wäscht die Wäsche?
Wer hängt sie auf?
Wer faltet sie?
Wer räumt sie in den Schrank?
Wer bügelt?
Wer steht am Wochenende mit den Kindern auf?
Wer überzieht die Betten?
Wer macht die Einkaufsliste?
Wer plant was gegessen wird?
Wer gießt die Blumen?
Wer näht kaputte Kleidungsstücke?
2016 habe ich eine solche Liste erstellt und es empörten sich v.a. Männer, dass ich elementare Aufgaben vergessen hatte. So z.B.
Wer bringt das Auto zum TÜV?
Wer programmiert den neuen Fernseher?
Wer repariert das Fahrrad?
Wer tauscht die Batterien im Feuermelder?
Wer macht die Steuererklärung?
Wer recherchiert, ob der Mobilfunkvertrag noch zeitgemäß ist?
Stimmt. Ich hatte kaum Aufgaben dieser Art in der Liste. Beim näheren Nachdenken fiel mir dann aber ein Detail auf: Wie oft fährt man eigentlich zum TÜV? Äh und wie oft wechselt man Windeln im Vergleich?
Also: Vergesst diese Punkte in eurer Bestandsaufnahme nicht. Dafür sitzt man ja zusammen. Schreibt alles auf!
(Ich muss leider etwas zwanghaft erwähnen: Bis auf den TÜV sind das Dinge, die ich auch mache. Ich hatte sie eben wegen der Seltenheit vergessen.)
Schreibt dann dahinter wie lange die einzelne Aufgabe dauert und wie oft man sie in der Woche macht (ihr könnt natürlich auch aufs Jahr rechnen oder eben Dinge, die nur alle 2 Jahre auftreten entsprechend runterrechnen. Wichtig ist es eine Relation von Aufwänden zu schaffen.)
Jetzt markiert wer was macht.
Gebt euch einen imaginären Stundenlohn und schreibt hinter Aufgaben und Aufwände eine Summe in Euro. Diese Summe rechnet ihr dann pro Person zusammen.
Im zweiten Blogpost, der sehr viel mehr als ein „Nachtrag“ ist, kommen einige gute Vorschläge, wie auf das Argument des ‚Erfahrungsmangels‘ (z.B. ‚Person xy macht immer diese Aufgabe, weil sie mehr Erfahrung hat und es schneller geht‘) reagiert werden kann:

Wenn ihr also irgendwann die Zeit findet eine Mental Load Bestandsaufnahme zu machen, dann identifiziert doch mal die Dinge, die ihr vielleicht sogar dauerhaft oder einen Zeitraum X abgeben wollt. Erst dann ist man vom Mental Load entlastet. Alles andere spart Arbeit, lässt aber die Verantwortung in der Regel bei einer Person.

Ich kann auch empfehlen am Erfahrungsmangel zu arbeiten. Lasst den Mann „häßliche“ Schuhe kaufen und recherchiert dafür welche fernsteuerbaren Rauchmelder im Moment die besten am Markt sind. Tauscht also auch mal Aufgaben. Dann lernt jeder Partner was und macht Erfahrungen, die oft sehr erleuchtend sind. So erscheint die Aufgabe „Mach einen U-Termin beim Kinderarzt aus“ lächerlich einfach, so lange man das noch nie gemacht hat. Wenn man dann aber vier Tage hintereinander, sieben mal am Tag während der Arbeitszeit versucht bei der Kinderarztpraxis überhaupt durchzukommen, naja, dann versteht man, was das für eine be****** Aufgabe ist.

Ein weiterer Vorteil vom Durchtauschen der Aufgaben: Ihr lebt euren Kindern nicht die gängigen Klischees vor. Wenn der Vater loszieht, um Geschenke für Kindergeburtstage zu kaufen und Stunden recherchiert, wie denn nun die Einschulungstorte aussehen soll, während die Mutter die Geräteupdates macht und sich überlegt wie man redundante Backups automatisiert, dann lernen die Kinder: Es hängt nicht an der Chromosomenausstattung wer welche Aufgabe übernimmt.

Gute Vorschläge, von denen wir mehr brauchen.

(Und wenn Ihr nach mehr sucht: Es gibt z.B. das Buch ‚Papa kann auch Stillen‚, in dem einige Anregungen zu einer gerechten Aufteilung von Sorgearbeit und dem ‚Mental Load‘ zu finden sind.)

 

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