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Nicht lustig

März 27, 2017

Ein Vater beschrieb in der Nido, eine für ihn wertvolle Bonding-Erfahrung mit seiner  Tochter: gemeinsam lästerten sie über eine ‚Dicke‘. Seine Aussage bekam zu Recht viel Gegenwind, weil ‚Fat-Shaming‘ erstens nicht lustig ist und weil zweitens auch daraus resultierende Bonding-Erfahrungen wohl aus pädadogischer Sicht eher problematisch sind. Die zwei wichtigsten Artikel dazu: 1) Die tolle Rike Drust:

Ich kenn das selber, wie sich das anfühlt, als Kind gesagt zu bekommen, ganz schön „stramme Beine“ zu haben und für diese bestimmte Klamotte viel zu dick ist. Das ist nicht lustig und das kann Selbstbewusstsein und Mut und Zeit nehmen, in der Kinder sich andere, tolle Gedanken machen könnten.

Seinem Kind mit auf den Weg zu geben, dass es eine gute, bindungsfördernde Idee ist, sich auf angeblicher Unfehlbarkeiten Kosten anderer besser zu fühlen, finde ich nicht erstrebenswert. Deshalb heisst es bei uns Zuhause auch „Alle sind, wie sie sind, weil wir wir auch so sein wollen, wie wir sind“ und nicht HAHAHA, lass mal einen Text veröffentlichen, in dem über Dicke gelästert wird, wenn sich jemand aufregt, können wir ja immer noch eine Stellungnahme machen, in der steht, upsi, aber hey, wir sind nicht perfekt. A propos, lasst das nicht den Vater hören, dass ihr nicht perfekt seid, sonst setzt der sich wieder mit seiner Tochter zusammen und die zwei schmeissen die Bindungslästermaschine wieder an.

2) Das Missy Magazine:

Mich erinnerte das Verhalten des Autors an meine eigenen Eltern. Leider. (…) Die Bindung zwischen mir und meinen Eltern festigte das gemeinsame Lästern nicht, das Gegenteil war der Fall. Ehrlich gesagt nervte mich schon damals – da war ich vielleicht 10 oder 11 Jahre alt –, wie fies meine Eltern über Menschen sprachen, die sie überhaupt nicht kannten. Ich war zu diesem Zeitpunkt nämlich selbst von Mobbing in der Schule betroffen: Eine Gruppe Mädchen hatte mich als dumm und hässlich auserkoren und grenzte mich aus, auch mit fiesen Sprüchen über mein Aussehen. Ich war furchtbar unglücklich in dieser Zeit. Ich hatte den Eindruck, dass ich meinen Eltern nicht vertrauen konnte, dass auch sie zu denjenigen gehörten, die sich willkürlich aufgrund von Äußerlichkeiten über andere erheben.

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2 Kommentare leave one →
  1. pitz permalink
    März 27, 2017 9:27 am

    Interessanterweise ist es das Gleiche, wenn man explizit gelobt wird („Du mit Deinen Beinen, DU kannst sowas ja tragen“). Das ist beschämend, und die Schere zwischen sanktionierten und nicht sanktionierten Körperbildern sieht man ja trotzdem, und ahnt, dass man irgendwann auch auf der falschen Seite stehen könnte.

  2. Christine Braunersreuther permalink
    März 27, 2017 9:57 am

    Natürlich ist es wichtig und richtig, diesen Text zu kritisieren. Aber ich finde trotzdem, dass er ziemlich gut einen Grundzug unserer Gesellschaft beschreibt: asoziale Menschen (und ich meine hier asozial um wahrsten Wortsinn als das Gegenteil von sozial) bestärken sich gegenseitig durch ihr asoziales Verhalten und finden so Zusammenhalt (siehe AfD, Pegida…). Soziale Menschen dagegen, die nicht nur aufeinander, sondern auch auf Vieles andere achten, zerstreiten sich wegen Nuancen der Uneinigkeit, anstatt das zwar zu diskutieren, aber trotzdem an einem Strang zu ziehen.

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