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Geburt & Feminismus

März 5, 2017

Selbstbestimmung bei der Geburt wird wieder zu einem wichtigen Thema in feministischen Debatten. Ein Grund dafür ist, dass sich die geburtshilfliche Versorgung in Deutschland stark verschlechtert hat: Personalmangel, immer weniger freiberufliche Hebammen (z.B. hat zwischen 2009 und 2013 jede sechste Hebamme die außerklinische Geburtshilfe aufgegeben), das Schließen von hebammengeleiteten Geburtseinrichtungen und die laufende Krankenhausstrukturreformen sind einige Gründe dafür. Aus diesem Grund hat sich 2015 der Verein ‚Mother-Hood‚ gegründet. Seine Ziele sind,

 dass Frauen und Kinder auch in Zukunft eine unbeschwerte und sichere Schwangerschaft, eine optimal begleitete Geburt und eine gute Betreuung danach erleben können.

Die Bundeselterninitiative Mother Hood e. V. setzt sich ein für

  • das Recht auf eine stressfreie und gesunde Schwangerschaft,
  • eine sichere und selbstbestimmte Geburt mit der freien Wahl des Geburtsortes
  • ein gesundes Aufwachsen der Kinder im 1. Lebensjahr

Zum Thema selbstbestimmte Geburt gehört, dass es eben nicht die eine ‚richtige Geburt‘ gibt, die für alle Menschen gelten muss. Das bedeutet auch, die ’natürliche Geburt‘ nicht zu idealisieren – wie es in einigen Debatten immer wieder passiert, in denen die Schulmedizin dann pauschal als ‚das Böse‘ erscheint. Das ist nicht nur wegen des wenig reflektieren Naturbegriffs problematisch, sondern auch wegen des normativen Drucks, der dadurch oft entsteht.

Diesen Druck erwähnt Brigitte Theissl in ihrem Artikel ‚Was Selbstbestimmung bei einer Geburt bedeuten kann‚ auf DieStandard. Dort zitiert sie eine Kerstin Pirker vom Frauengesundheitszentrum Graz sowie die ‚FeministMum‚ Bloggerin Antonia Wenzl:

Ein wichtiges Thema für viele Schwangere ist auch der Druck, der mit dem Wunsch nach einer „natürlichen“ Geburt verbunden ist. Während einige Frauen auf eigenen Wunsch per Kaiserschnitt entbinden wollen, ist der Eingriff für andere mit einem Leistungsanspruch verknüpft. „Ich habe versagt“ hört Pirker immer wieder von Frauen, die ihr Kind nicht vaginal, sondern per Kaiserschnitt entbunden haben. Auch auf Mütter-Blogs und in einschlägigen Foren finden sich unzählige Beiträge zur „natürlichen“ Geburt, die möglichst ohne medizinische Interventionen stattfinden soll. Wer vom eigenen Kaiserschnitt erzählt, wird schnell mit Aussagen wie „Dann hast du dich nicht gut genug vorbereitet“ konfrontiert, erzählt auch Antonia Wenzl.

„Dass Geburt heute Teil eines Leistungsdiskurses ist, ist eigentlich absurd“, sagt die feministische Bloggerin.

Mit einem erweiterten Begriff der Selbstbestimmung beschäftigt sich dagegen das englischsprachige Blog tynanrhea. Es ist angetreten, ganzheitliche gesundheit zu queeren – und dazu gehört auch die Geburtshilfe.

Birth workers and mommy groups are all too often hyper gendered and use language that can make it seem like families only occur in heterosexual nuclear configurations shown on 1950’s ads… or most modern ads. We know better by now, don’t we? 

Families have always formed from all sorts of parts! Single-parent families, trans-parent families, extended families, polyamours families, married couples, unwed common-law couples, queer families, straight families, families of colour, interracial families, families formed from friendships, arranged marriages, families within families– with all of this variety, why do we keep using such limited language? Who do we serve by cutting “others” out of the family portrait?

Entsprechend lehnt Tynan Rhea ab, Schwangere oder Gebärende als ‚Frauen‘ oder ‚Mütter‘ zu bezeichnen. Stattdessen werden acht genderneutrale Begriff wie „birthing person“ oder „parent“ vorgeschlagen – viele der Vorschläge liessen sich sicherlich ins Deutsche übertragen, Begriffe wie ‚gebärende Person‘ und ‚Eltern‘ dürften schließlich ziemlich problemlos in die Sprache rund um Geburten integrieren zu sein. Der wichtigste Vorschlag dabei ist aber wohl, die betroffene Person schlicht nach ihren Wünschen zu fragen. Denn die passende Ansprache ist ganz sicher ein zentraler Teil der Selbstbestimmung, nicht nur bei der Geburt.

 

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