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Zu Alleinerziehenden und Wohnungen

August 16, 2016

Was steigende Mieten für verschiedene Familienmodelle bedeuten, macht Teresa Buecker in ihrem Text auf ‚EDITION F‚ sehr anschaulich. Dort geht es um Alleinerziehende und Einkommen, Wohnungssuche und Wahlkampf, Gentrifizierung und Berlin.

Die „Bezahlbarkeit“ wird vor allem dann deutlich, wenn man auf Alleinerziehende schaut, die eine immer größere Gruppe bilden. Denn wer vom Vermieter für eine zum Beispiel 900 Euro teure Wohnung akzeptiert werden will, sollte mindestens das dreifache Nettoeinkommen vorweisen können. Heißt: 2.700 Euro netto. Das heißt wiederum für eine alleinerziehende Frau mit Steuerklasse II: Sie sollte ein Bruttoeinkommen von über 4.500 Euro haben oder mindestens 55.000 Euro im Jahr. Das ist zum Beispiel das durchschnittliche Einkommen einer angestellten Klinikärztin mit fünf Jahren Berufserfahrung (Ärzte gehören zu den Topverdienerin in Deutschland). Laut einer Erhebung des Bundesfamilienministeriums haben jedoch nur acht Prozent der Alleinerziehenden ein Einkommen von über 2.600 Euro.

Schon für eine Wohnung, die – egal wo – 600 Euro kostet, muss eine Person ein Netto-Einkommen von 1.800 Euro vorweisen können – selbst das ist für die überwiegende Mehrheit der Alleinerziehenden absolut utopisch. Mit diesem Einkommen würde die Alleinerziehende jedoch schon locker zur Mittelschicht zählen.

Kinder getrennt groß zu ziehen, kann eine sehr gut Lösung sein. Auch diese Familien sind glücklich. Wenn das Großziehen von Kindern jedoch finanziell nur dann entspannt ist, wenn es zwei Einkommen gibt, stimmt etwas nicht.

Den WBS-Schein für Sozialwohnungen gibt es übrigens in Berlin nur, wenn eine alleinstehende Person nicht mehr als 16.800 Euro im Jahr verdient (plus 700 Euro pro Kind), eine alleinerziehende Mutter hat also nur Anspruch auf eine Sozialwohnung mit geringerer Miete, wenn sie nicht mehr als 1.400 Euro netto verdient. Verdient sie also zum Beispiel 1.600 netto, muss sie sich auf dem regulären Wohnungsmarkt umsehen und kann sich mit ihrem Einkommen realistisch nur auf Wohnungen bewerben, die nicht teurer als 530 Euro sind. Für Single-Eltern mit Kind(ern) bedeutet das: Es wird eng.

2 Kommentare leave one →
  1. August 16, 2016 3:21 pm

    Bremen schließt sich da umgehend an. Es ist ein Drama mit der Wohnungssuche. Und entweder du arbeitest sehr viel, mit der Konsequenz das sowohl dein Tag sehr lang ist und deine Kids einen Alltag haben, den du dir gern anders gewünscht hättest, oder du arbeitest weniger, bist mehr daheim, aber jedes neue Klamotten bedürfnis zwingt dich halb in die Knie.
    Steh hier ebenfalls vor der Entscheidung in eine Wohnung zu ziehen, die knapp 900 warm kostet. Oder hier zu bleiben und wie die vergangenen Jahre, mein Wohnzimmer ebenfalls als Schlafzimmer und Atelier zu nutzten. Damit die Kids wenigstens jeder ein Zimmer für sich hat.
    Ja, es ist schwierig alleine mit ihnen zu leben…..

    • August 22, 2016 9:57 am

      Ja, es ist wirklich schlimm – und leider in so ziemlich allen Städten, ist mein Eindruck. Und leider scheint die Kommunalpolitik noch keine wirksamen Strategien dagegen gefunden zu haben (oder anwenden zu wollen) – weshalb es dann zu so ärgerlich-vereinfachenden Wahlplakaten kommt.

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