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RRR: Auflehnen statt akzeptieren! Oder: Was mich an dem Begriff „Regretting Motherhood“ stört

April 13, 2016

Gastbeitrag von Iro Abendrot

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Nein! (Foto: fuckermothers)

RRR: Auflehnen statt akzeptieren!

Oder: Was mich an dem Begriff „Regretting Motherhood“ stört

von Iro Abendrot
Als feministische Mutter bekomme ich immer wieder Hinweise auf Medienbeiträge zum ach so neuen Phänomen „Regretting Motherhood“. Und alle denken, ich müsse es doch auch toll finden, dass über dieses Thema nun auch in den Mainstream-Medien diskutiert wird. Generell: ja, es ist nicht nur toll sondern hochnotwendig, dass über Themen, die Frauen und Mütter betreffen, diskutiert wird. Die Frage ist nur, wie darüber diskutiert wird, unter welchen Vorzeichen und unter welchem Titel. Der ist wichtig, denn „der Titel macht die Geschichte“ ist nicht nur ein geflügeltes Wort im Journalismus, es ist Tatsache. „Regretting Motherhood“ ist für mich ein eindeutig falscher Titel. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Der erste Grund: Der Titel „Regretting Motherhood“ enthält eine implizite Schuldzuweisung, die als Tabubruch getarnt daher kommt. Sie analysiere die Dimension eines Tabus, heißt es im Klappentext zum titelgebenden Buch der israelischen Soziologin Orna Donath1. Als hätten nicht seit jeher Mütter (wie auch Väter, Nachbar_innen, Großeltern…) darüber geklagt, dass Kinder oft eine Belastung für sie darstellen, wird hier so getan, als wäre hier durch die Autorin oder die interviewten Frauen ein Bruch mit gesellschaftlichen Tabus provoziert worden, ganz ähnlich wie wenn Nina Hagen im „Club 2“ das Masturbieren demonstriert oder Liv Tyler in einer Fernsehshow konsequent nur „Vagina“ sagt. Die schlichte Tatsache, dass Mütter sich manchmal denken, dass das Leben ohne Kinder leichter, schöner, angenehmer wäre, wird zum großen Rabenmutter-Skandal aufgebauscht: Mütter wollen keine Mütter sein, sie erleben nicht die „vorgeschriebene“ Erfüllung. Immerhin wird mit dem Einwurf „vorgeschrieben“ versinnbildlicht, dass auf den Müttern großer gesellschaftlicher Druck lastet – zumindest auf den befragten Mütter, das sind ganze 23. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Zahl äußerst gering, um damit ein Phänomen einer Generation zu beschreiben. Quasi einen kollektiven Medea-Komplex, der den Frauen zugeschrieben wird. Zwar wird immer behauptet, dass diese Frauen ihre Kinder lieben. Aber was wird ihnen unterstellt, wenn sie die Kinder manchmal weg wünschen? Warum ist das Thema ein so großes Tabu? Als Soziologin nennt Donath natürlich gesellschaftliche Kontexte als Grund dafür, bzw. tun das die von ihr befragten Frauen auch selbst. Aber aufgrund des Titels wird in der medialen Rezeption das persönliche Bereuen, das Aussprechen gegen das Mutterglück, in den Vordergrund gestellt, das individuelle Zaudern. Weil im Hinterkopf immer die Medea’sche Absicht der Kindstötung mitschwebt, auch wenn diese natürlich nur gedanklich stattfindet.

Der zweite Grund: Der Titel „Regretting Motherhood“ reduziert ein Thema auf eine Gruppe von Menschen, nämlich die Mütter. „Eines ist sicher: Regretting Motherhood betrifft viele Frauen. Dieses Buch macht sie sichtbar und zeigt ihnen: Sie sind nicht allein“, so der Klappentext des Buches „Wenn Mutter sein nicht glücklich macht“ von Christina Mundlos2, das im deutschsprachigen Raum noch vor der Übersetzung von Ornaths Studie erschien und diese auswertete. Zwar analysiert auch Mundlos, ebenfalls Soziologin, gesellschaftliche Rahmenbedingungen und diskutiert politische Lösungen. Doch angelegt (und in der Rezeption so besprochen) ist das Buch als Ratgeber für Betroffene. Für mich klingt das wie ein unbeholfener Trostspender, der besagt: Frauen, Mütter, seht her, ihr seid ein wenig psycho, wenn ihr das, was ihr euch vielleicht jahrelang so sehr gewünscht habt (oder es zumindest zugelassen habt, wenn’s ohne ausdrücklichen Wunsch passiert ist), nun bereut. Aber das ist nicht so schlimm, denn es gibt auch andere Mütter, denen es ähnlich geht….

Der dritte und wichtigste Grund: Der Titel „Regretting Motherhood“ individualisiert ein Problem, das die gesamte Gesellschaft betrifft. Ja, die gesamte Gesellschaft! Es betrifft nämlich nicht allein Mütter, sondern genau so a) kinderlose Frauen. Denen wird bei solchen Diskussionen nämlich meist implizit ihre Kinderlosigkeit vorgeworfen und dass sie sich dem Leidensdruck, den Kinderhaben durchaus zum Teil mit sich bringen kann, unsolidarisch entziehen würden3. Es betrifft b) aber genau so die Väter, die mit ein wenig Glück ihre Frauen bei der Kindererziehung unterstützen – aber sich nur in den seltensten Fällen als gleichwertig verantwortliche Erziehungsperson sehen. Die Autorin Sarah Fischer untertitelt ihr Buch „Die Mutterglück-Lüge“ mit „Warum ich lieber Vater geworden wäre“4 und bringt damit zum Ausdruck, dass sie es dann leichter habe, sich weiterhin auf ihren Beruf und ihre persönliche Erfüllung zu konzentrieren. Und sie bringt damit zum Ausdruck, die herrschenden gesellschaftlichen Normen eigentlich anzuerkennen, nur lediglich ihre Rolle innerhalb dieses Systems tauschen anstatt das System verändern zu wollen. Noch viel weniger als die beiden anderen Autorinnen macht sie den gesellschaftlichen Kontext eingespielter Rollenzuschreibungen für ihr persönliches Drama des Mutterschaftsbereuens verantwortlich, sondern verlegt sich – ganz im Stil vieler passiver Frauen, die über die Unfähigkeit der Männer lästern, anstatt diese damit zu konfrontieren – aufs Lamentieren über ihr Dasein und ihr mütterliches Unglück. Das jedoch ist kein wirkliches Kratzen am Mutterbild. Es ist ein kleiner, individueller Aufschrei, aber keine Strategie, um eingespielten Stereotypen und gesellschaftlichen Kontexten entgegen zu wirken. Nichts, das in eine Richtung wirkt, wie sie etwa die Ethnologin Marita Metz-Becker sehr eindrücklich beschreibt, wenn sie auf die Interviewfrage „Was bräuchten Mütter heute, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können“, antwortet: „Nicht nur Mütter, sondern auch Väter. Ich denke, es ist ein Generationenwechsel da, es ändert sich etwas, aber es geht sehr langsam. Die SkandinavierInnen sind da weiter. In Dänemark werden Männer, die nach Büroschluss noch arbeiten, gefragt: Wieso bist du noch hier? Hast du zu Hause keine Familienarbeit zu leisten? Dieses Umdenken ist nötig. Wir müssen dorthin kommen, dass Familienarbeit auf beide Geschlechter verteilt wird.“5 Dazu möchte ich ergänzen: das Umdenken betrifft nicht nur die Zuordnung der Familienarbeit, aber damit könnte ja mal begonnen werden. Hierzulande wäre schon viel erreicht, wenn der Begriff Familienarbeit endlich als solcher anerkannt würde. Dass dies geschieht, dafür ist jedoch nicht allein ein Umdenken im innerfamiliären Verhältnis nötig, dafür müssen Normen und Zuschreibungen hinterfragt werden, und das nicht nur von Müttern und Vätern, sondern von allen aktiven Teilnehmer_innen dieser Gesellschaft. Deshalb bin ich der Meinung, dass das Thema „Regretting Motherhood“ weit mehr Menschen als „nur“ Mütter betrifft.

Nun, nach dieser langen Einführung, aber zurück zu mir und warum mich der Begriff „Regretting Motherhood“ so stört. Vorweg: ich bereue meine Mutterschaft nicht, zumindest meistens nicht. Aber ich behaupte, dass alle Eltern, die diese kleine Einschränkung nicht machen, lügen. Ich muss dabei immer an diese großartige Werbung denken, in der sich ein Trotzphasenkind vor dem Süßigkeitenregal im Supermarkt schreiend auf dem Boden windet und die sich darum scharende Menschenmenge in diesem Fall den dazu gehörigen Vater anstarrt bis dieses Bild des Grauens mit dem Schriftzug „Use Condoms“ aufgelöst wird.6 Ungewöhnlich, dass in diesem Fall einen Vater die vorwurfsvollen bis feindschaftlichen Blicke treffen, denn Vätern wird in solchen Fällen meist eher Mitleid zu teil, der unausgesprochene aber mitgedachte Vorwurf gilt dann eher den Frauen, die ihre Männer in dieser Situation allein lassen mit der Überforderung.

Aber von solchen Extremsituationen abgesehen gibt es natürlich so Einiges, was ich im Zusammenhang mit der Mutterschaft bereue. Nur würde ich dies nie mit „Regretting Motherhood“ beschreiben, denn dies alles hat eigentlich nichts mit Mutterschaft an sich zu tun, sondern mit einer nach wie vor tendentiell antifeministischen, pro-kapitalistischen und wenig solidarischen Gesellschaft: nämlich diesen nicht selten bis zum Burnout belastenden Kreislauf an Zuschreibungen und Erwartungshaltungen7 mitgetragen zu haben, der dazu führt, dass andere Mütter die Ursachen dafür in ihrer Mutterschaft sehen und nicht, wie es eigentlich richtig wäre, in der Gesellschaft, die diese unterstützen und forcieren.

Mit Gesellschaft meine ich jedoch nicht allein das hegemoniale System, das nach wie vor nicht für eine flächendeckende Versorgung mit Kinderbetreuungsplätzen und ganztägigen Schulformen sorgen kann, schon gar nicht in Ferienzeiten. Und das es zumeist Frauen – wenn nicht den Müttern, dann den Großmüttern – überlässt, dies auszugleichen. Trotz aller offiziellen Versuche, mehr Männer in die Elternkarenz zu bringen, übernehmen nach wie vor hauptsächlich Frauen die Kinderversorgung. Und das sowohl über längere, „arbeitsfreie“ Karenz-Zeiten hinweg wie auch trotz Berufstätigkeit im Akutfall z.B. bei einer Krankheit der Kinder. Ist auch logisch, denn bei der Person, deren Verdienst durchschnittlich 25 % geringer ist, betrifft der Verlust des Arbeitsplatzes das Familieneinkommen eben wesentlich weniger. Zudem ist die Akzeptanz der Arbeitgeber_innen für ein Fehlen der Mütter im Krankheitsfall der Kinder nach wie vor wesentlich größer als wenn ein Mann deshalb zu Hause bleiben will. Tausende engagierte Väter können ein Lied davon singen, wie ihre Chefs auf ihre Anfragen dahingehend reagiert haben. Naja, ein Lied wird es aber wohl nicht werden, zumindest kein schönes.

Davon abgesehen ist es jedoch auch ein allgemein vermitteltes Mutterbild, das Frauen dazu bringt, ihren Beruf, ihre Interessen, ihre Feundschaften, ihr Sexualleben aufzugeben. Nicht selten wird es zum wahren Mutterkult verklärt – und das über alle sozialen Schichten hinweg und quer durch alle politischen Tendenzen: strammen rechten Müttern, familienorientierten konservativen Müttern, linksalternativen Kuschelmüttern, ihnen allen wird die gleiche Botschaft mitgegeben: eine Mutter, die ihre Kinder liebt, kümmert sich um diese bis zur Selbstaufgabe. Eine Mutter, die das per se nicht will, ist eine Rabenmutter. Eine Mutter, die das irgendwann nicht mehr will, weil sie ihre Bedürfnisse wieder entdeckt oder weil sie vielleicht lange versucht hat, alles unter einen Hut zu bringen und dabei völlig ausgebrannt ist: „Regretting Motherhood“.

Spätestens hier sollte nun allen klar werden, was mich an dem Begriff „Regretting Motherhood“ so stört: für das erschöpfte Aufgeben der Freude an der Mutterschaft wird hier die Schuld der Mutter zugeschrieben bzw. schlimmer noch: Sie schreibt sich die Schuld selbst zu, anstatt zu erkennen, was sie in diese Situation gebracht hat und sich laut dagegen aufzulehnen – nicht allein gegen schlechte Bedinungen durch die öffentliche Hand, sondern gegen ihr näheres Umfeld: ihren Mann, ihre Familie, nicht zuletzt gegen ihren Freundeskreis. Gegen die kinderlosen Freund_innen, die sich darüber beschweren, dass mit ihr nichts mehr anzufangen sei seit sie Kinder hat und sich mehr oder weniger von ihr abwenden, anstatt sich solidarisch zu zeigen und mal abends auf ein Bier vorbei kommen anstatt oder zum gemeinsamen Kochen. Einfach weil sie einsehen, dass es keinen Sinn macht sich darüber zu beschweren, dass sie nie mehr in der Kneipe anzutreffen ist. Die mit ihr auch einmal über etwas anderes reden als über Mutterschaft und Kinder und damit zeigen, dass sie sie nach wie vor als Person, als Freundin, mit ihren ureigensten und in den meisten Fällen sehrwohl weiter bestehenden Interessen ernst nehmen. Die, wenn sie eh nix anderes vorhaben am Abend als ein Buch zu lesen oder fernzusehen, das in ihrer Wohnung tun und dabei Babysitten, damit sie auch mal raus kann, gemeinsam mit dem Partner vielleicht, um nicht nur ihr Mutter- sondern auch ihr Beziehungsleben pflegen zu können.

Sich laut auflehnen aber und gerade auch gegen die Freund_innen, die ebenfalls Kinder haben, das vielleicht schon länger als sie. Und die ihr ein wahrhaft heroisches Eltern-Epos vorleben, das Akzeptieren der eigenen Leidensgeschichte inklusive. Nur, weil sie selbst nie fähig und in der Lage waren, Auswege daraus zu suchen. Sich mit anderen Eltern zu solidarisieren, sich gegenseitig das Leben zu erleichtern (es macht nämlich kaum einen Unterschied, mal zwei Kinder von der Schule mit nach Hause zu nehmen um der Freundin damit einen freien Nachmittag zu bescheren – ganz im Gegenteil ist es meist für alle, gerade auch für die Kinder, eine große Freude), anstatt ständig in Konkurrenz über die größte eigene Einsatzbereitschaft und den gelungensten Nachwuchs zu treten.

Würden Frauen, Mütter, sich mehr um sich und ihre Freundinnen kümmern, könnten davon auch die Partner profitieren. Dass MILF (Mother I’d Like to Fuck) einer der meistgesuchten Begriffe auf Pornoseiten ist – derzeit auf Platz fünf, direkt vor „Mom“ – sorgt immer wieder für süffisante Erheiterung8. Dabei ist es doch nicht weit hergeholt zu denken, dass diese Typen sich insgeheim wünschen, mit ihrer eigenen Frau nur annähernd sexuelle Erlebnisse zu haben, wie sie sie aus der Zeit vor den Kindern erinnern? Nur wenige können an diese Zeiten fast nahtlos anknüpfen. Denn nach Studien, die besagen, dass selbst berufstätige Frauen etwa 80 Prozent der unbezahlten Sorgearbeit übernehmen (dazu zählen Haushaltstätigkeiten ebenso wie Kochen und Kinderversorgung) wurde nun festgestellt, dass sogar Frauen, die Haupternährererin der Familie sind, einen Großteil dieser Arbeiten leisten. Nicht unbedingt, weil sie dazu gezwungen werden, sondern weil sie sich gesellschaftlich dazu gezwungen fühlen. Und darüber hinaus verteidigen die meisten von ihnen in Gesprächen das Ruhe- und Selbstverwirklichungsbedürfnis ihrer Partner noch.9

Fit und ausgeruht wie diese sind, wünschen sich die Partner also den alten Sex zurück. Der aber rückt in schier unerreichbare Ferne, weil sich die Frau, nicht selten direkt mit den Kindern, schon Stunden vor ihm aus Erschöpfung und Verzweiflung in einen halbkomatösen Schlaf geweint hat. Natürlich nicht ohne sich die Spülhände eingecremt zu haben, damit zumindest die den nächsten Tag unbeschadet überstehen. Partner, MILF-Googler (oder auch nicht), habt ihr euch mal überlegt, wie ihr mit echtem 50:50 dazu beitragen könntet, dass sich eure Frauen besser fühlen und mehr Lust auf Sex haben? Da muss etwas von euch kommen und als Selbstverständlichkeit der halben Verantwortung in einer wirklich gleichberechtigten Partnerschaft gelten und nicht als nett gemeintes Helfen. Denn, wie Jochen König10 es so schön ausdrückte: „Wenn der Vater das zehnte mal fragt, wo die Windeln seien, ist es nicht Schuld der Mutter, wenn sie genervt wieder die Windeln selbst wechselt.“

Dafür jedoch müsste Care-Arbeit, insbesondere die häusliche, unbezahlte Care-Arbeit, Familienarbeit, als Arbeit anerkannt werden. Eine Forderung, die nicht neu ist und schon seit einigen Jahrzehnten diskutiert wird11. Aber anstatt dass sich etwas tut in der Sache, wird mit zunehmender „echter“ Berufstätigkeit der Frauen alles, was Haushalt und Kinder betrifft, erst recht in die Kategorie „das macht sich doch nebenher und quasi von alleine“ ausgelagert. Und damit das auch weiter so bleibt, machen Frauen und sehr häufig gerade Feministinnen, diese Arbeiten nach wie vor ohne darüber zu reden und ohne Erschöpfung zeigen zu dürfen, weil sie dann ja nicht mehr als die starken Frauen gelten würden als die sie gelten wollen und als die sie sich auch selbst sehen. Schneller, als es ihnen bewußt wird, gehen sie dabei jedoch kaputt. Wie Maschinen, die nicht geschmiert werden. Da hilft auch kein Yoga!

DAS alles bereuen Frauen – und nicht, dass sie Mütter geworden sind! Deshalb ist es wichtig, dass das, was derzeit unter dem Titel „Regretting Motherhood“ diskutiert wird, diskutiert wird. Aber es sollte nicht unter dem Titel „Regretting Motherhood“ passieren. „Ich bereue mich nicht gegen diese scheißunsolidarische, antifeministische, kapitalistische Gesellschaft aufgelehnt zu haben“ wäre vielleicht eine Alternative. Zugegeben, ein bisschen lang und sperrig. Aber es geht auch kürzer und international verständlich, deshalb bin ich für die Einführung eines neuen Titels für diese Diskussion: „Regretting to Refuse Revolt“ – RRR.

P.S: Als Soundtrack für den Anfang empfehle ich „Let’s be bad“ von Childbirth.12


Donath, Orna: #regretting motherhood. Wenn Mütter bereuen. München – Knaus 2016

Mundlos, Christina: Wenn Mutter sein nicht glücklich macht. München – mvg 2015

U.a. dies wird sehr gut dargestellt in Diehl, Sarah: Die Uhr, die nicht tickt. Hamburg – Arche 2014. Auch Diehl lässt Frauen, in diesem Fall kinderlose Frauen, selbst zu Wort kommen, nutzt deren äußerst reflektierte Entscheidungsfindung jedoch, um die Krux der gesellschaftlichen Verhältnisse als Ursache dafür aufzuzeigen. Das Buch wird medial deshalb auch immer in diesem Kontext dargestellt.

Fischer, Sarah: Die Mutterglück-Lüge. Regretting Motherhood – Warum ich lieber Vater geworden wäre. Kiel – Ludwig 2016

Metz-Becker, Marita im Interview mit Christine Tragler: Arbeiterfrauen hatten ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber. In: http://derstandard.at/2000034109359/Ein-immerzu-schlechtes-Gewissen-den-Kindern-gegenueber

Ein emfehlenswerter Artikel hierzu ist „Non, je ne regrette rien – Abgesehen von der Mutterschaft“ von Twister (Bettina Hammer) auf http://www.heise.de/tp/artikel/47/47807/1.html

Ein amüsanter Artikel dazu ist „Komm zu Mutti“ von Alena Schröder aus der Sex-Kolumne des SZ-Magazins „Nackte Zahlen“. http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/44041/Komm-zu-Mutti . Auch Alena Schröder merkt an, dass Mütter meist zu müde sind für Sex, zieht jedoch keine weiteren Schlüsse daraus. Das ist auch nicht das Anliegen ihres Artikels. Kleiner Hinweis für Interessierte: das von ihr empfohlene Selbstgooglen kann jedoch nur mit gutem Adblocker empfohlen werden!

Ein sehr guter Radiobeitrag zur entsprechenden Studie: Kathi Grünhoff: Von Frauen, die die Brötchen verdienen und Männern, die sie schmieren. http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/kolumnen-sendungen/generator/mann-frau-geschlechterverhaeltnis-umbruch-100.html

10  Siehe: http://jochenkoenig.net/blog/ – mit diversen guten, pro-feministischen Kommentaren zum sog. „Maternal Gatekeeping“

11  Die Kritik der feministischen Bewegung der 1970er-Jahre beinhaltete u.a. die Forderung nach bezahlter Hausarbeit (u.a. Mariarosa Dalla Costa, die 1972 zusammen mit Leopoldina Fortunati, Italien, Selma James, England, Silvia Federici, USA und Brigitte Galtier, Frankreich, zeitgleich mit der Gründung des Internationalen Feministischen Kollektivs die „Lohn für Hausarbeit“-Kampagne startete), entwickelte neue Arbeitsmodelle (u.a. Frigga Haugg), und stellte, obwohl aus der Linken kommend, wiederholt heraus, dass auch Marx/Engels die Reproduktionsarbeit nur als reproduktive, aber nicht vollwertige Arbeitsleistung anerkannt haben (u.a. Silvia Federici). Als einführende Lektüre ist hierzu empfehlenswert: Federici, Silvia: Aufstand aus der Küche. Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution. Münster – edition assemblage 2012)

 

5 Kommentare leave one →
  1. Pizzicato permalink
    April 14, 2016 7:07 am

    Könnte dieser Text bitte in einem der großen Leitmedien erscheinen, die schon all die sinnfreien Artikel zu Regrettinmotherhood veröffentlicht haben? Er hat in jedem Fall mehr als die journalistische Qualität, die dafür nötig ist und benennt in klarer Analyse endlich die wahren Wurzeln dieser Debatte. Danke dafür!

  2. April 14, 2016 8:03 am

    Ich möchte den Titel des Buches gerne in Schutz nehmen. Orna Donath befasst sich in ihrem Buch mit den (wenigen) Müttern, die im Rahmen einer anderen Studie bekannt haben, dass sie sich nicht erneut für ein Leben mit Kindern entscheiden würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten (also nicht Mütter, die sich gelegentlich ihre Kinder wegwünschen). Orna Donath befragt diese daraufhin auf ihre individuellen Hintergründe für ihre Aussage. Das „Regretting Motherhood“ ist also der Ausgangspunkt für Donaths soziologische Untersuchung, nicht die Folgerung.

  3. April 14, 2016 8:59 am

    Danke für diese Gedanken!
    Mein nächster Blogeintrag soll sich auch darauf beziehen, weil mich der Begriff ebenso nervt wie dich. Ich muss nur noch stärker in das, was dahinter steht einsteigen.

  4. Agnes permalink
    Mai 22, 2016 10:23 pm

    Geil, danke!
    Bitte sag das auf der Bühne! Das sollte statt Maggy in den Kantinen stehen und viral gehen…

Trackbacks

  1. Linkschau #5 – Coincidence

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