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Interview: der Kapitalismus ist Schuld

April 5, 2016

Dieses Interview habe ich gern gelesen (auch wenn es schon einige Monate alt ist). Es wurde in der SZ mit der Wiener Scheidungsanwältin Helene Klaar geführt und macht einige Probleme deutlich, die sich aus der Ehe mit Kindern ergeben. Schön fand ich unter anderem, dass Klaar  einmal ganz andere als die üblichen’Beziehungstipps‘ gibt, indem sie gemeinsame Kapitalismuskritik einschliesst (auch wenn sich das in der Alltagspaxis dann sicherlich doch nicht ganz einfach umsetzen lässt):

Sie sind noch mit dem Vater der schreienden Bälger verheiratet. Was ist Ihnen gelungen, was anderen nicht gelingt?
Wir haben nie geglaubt, dass uns das pure Glück erwartet. Wir haben nicht an die Fernsehwerbung geglaubt, die einem vormacht, wenn man den Kindern nur die richtige Windel umschnallt, tanzen sie Cancan, schreien nie, und man kann wunderbar kochen und hübsch sein und aufregenden Sex haben. Außerdem haben mein Mann und ich feste politische Überzeugungen und sind der Meinung, dass an allem wirklich Schlechten der Kapitalismus schuld ist. Daher lassen wir uns nicht gegeneinander hetzen.

Guter Trick. 
Ich bin überzeugt, dass die 40-Stunden-Woche viel dazu beiträgt, dass die Menschen unzufrieden sind. Man kann nicht 40 Stunden arbeiten und daneben einen Haushalt führen und die Kinder unterhalten.

(…)

Sie reden, als wären vor allem die Frauen die Leidtragenden. 
Sind sie meistens auch. Weil sie nicht die Macht haben. Weil sie nicht das Geld haben. Ich kann Ihnen tausend Beispiele nennen. Die Frau, die gekocht und geputzt und die Kinder betreut und gearbeitet und gespart und sich gefreut hat auf die Zeit, in der sie zusammen die Rente genießen, die dann erfährt, dass er sich in eine andere, jüngere verliebt hat. (…)

In Deutschland wurde 2008 das Unterhaltsrecht geändert: Der Anspruch auf Betreuungsunterhalt der Person, bei der die Kinder leben, wurde auf drei Jahre reduziert. Damit Mütter der Arbeitswelt nicht so lange fernbleiben. 
Zu sagen, wir wollen, dass die Frauen schnell wieder arbeiten, darum nehmen wir ihnen den Unterhalt, schiebt der Frau das Risiko zu, wieder einen Job zu finden. Wenn man wirklich wollte, dass Frauen dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben, müsste man die Unterhaltsansprüche erhöhen und nicht abschaffen.

Zwei zentrale Probleme werden im Interview (erneut, wie so oft) deutlich: die 40-Stunden-Woche sowie die mangelnde ökonomische Absicherung für diejenige Person, die die Haus- und Erziehungsarbeit übernimmt. Es wird Zeit, dass sich endlich etwas ändert.

4 Kommentare leave one →
  1. April 5, 2016 10:24 am

    die ist wirklich sehr super!
    hier noch ein (sehr altes) Interview, wo sie gut auf das „bei der Scheidung sind doch die abgezockten Männer die Armen“-Narrativ antwortet: http://www.profil.at/home/scheidung-den-adonis-77674 (insgesamt ist die Interviewführung sehr antifeministisch und lässt kein Klischee der bösen Frau und Mutter aus, wie beim Profil durchaus bekannt; aber ich find’s schön, wie sich Klaar nicht beirren lässt)

  2. April 5, 2016 10:34 am

    Ja,… Danke für deinen beitrag, der duft nach wiederstand liegt in der luft, immer wieder, immer öfter, nehme ich ihn wahr, das beflügelt, macht lust zu tanzen, lust auf bewegung und vernetzung…
    Hier ein paar düfte…

    Eine möglichkeit vorderungen durchzusetzen:

    https://lovisraeubermutter.wordpress.com/2016/01/23/was-passiert-wenn-frauen-nichts-mehr-tunfrauen-streik-das-letzte-mittel-gegen-gats-claudia-von-werlhof/

    Meine gedanken dazu:

    https://lovisraeubermutter.wordpress.com/2016/01/29/toechter-egalias-was-wir-fordern-sollten/

    Ein netzwerk/-treffen um die verhältnisse zu ändern:

    http://care-revolution.org/

    http://care-revolution.org/termine/

    Ich, ich freue mich über austausch und kontakte dazu, gerne würde ich auch ein feministisches mutter_schaftstreffen in berlin organisieren,:

    https://lovisraeubermutter.wordpress.com/

    Noch mehr Frühlingsschreie:

    http://2kinderkuechebadbalkon.com/2016/04/04/ruecksichtlosigkeitsschreien-rant-fsk-18/

    Lovis

  3. April 5, 2016 8:02 pm

    Ich finde das Interview auch sehr gut, habe es vor Mobaten schon gelesen und jetzt wieder. Mir hängt die Sache mit dem Ehevertrag nach, dass (wir) jungen, gut ausgebildeten Frauen vor Ehe und Kindern nie damit rechnen, mal in die Abhängigkeit zu geraten. Und dann passiert es doch, ganz leicht und schwubs sind 3,4,5 Jahre vergangen und eine weiß schon gar nicht mehr, was sie kann und der diskriminierende Arbeitsmarkt tut den Rest… Aber wie sich befreien vom kapitalistischen System?! – ich denke & denke…

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  1. Was ist denn eigentlich überhaupt feministisch? | Ceiberweiber

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