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Illouz und Frederici

November 26, 2015

In jüngster Zeit gab es zwei angenehm zu lesende Artikel zu den beiden feministischen Theoretikerinnen Eva Illouz und Silvia Federici.

Illouz sagt in einem Interview mit der Baselerlandschaftlichen Zeitung gewohnt schöne Dinge, wie z.B.:

Wir haben eine Kultur, in der Liebe und Sexualität ständig propagiert werden – aber nur so lange sie ein Vorwand zum Konsumieren sind. Wenn es darum geht, Familienleben zu organisieren, tut derselbe Kapitalismus so, als ob es so etwas wie Familien, um die man sich kümmern sollte, nicht gäbe. Kinder interessieren den Kapitalismus nur als Konsumenten.

(…) Unsere Firmen sollten sich bemühen, etwas weniger Geld zu machen, dafür mehr zum Wohl der Gesellschaft beizutragen. Denn es ist schlecht für die Gesellschaft, wenn Menschen den grössten Teil ihrer Energie der Arbeit opfern und nicht denjenigen geben, die sie lieben: ihren Angehörigen.

Fredericis wichtigste Arbeiten – die Aufsatzsammlung ‚Aufstand aus der Küche‘ und das Buch ‚Caliban und die Hexe‘ – werden übersichtlich und doch ausführlich auf ‚beziehungsweise – weiterdenken‘ vorgestellt. Ebenfalls ein Ausschnitt:

Für Silvia Federici ist Lohnabhängigkeit nichts Erstrebenswertes. (…). So vertritt sie implizit die Vorstellung, dass Menschen ein Recht auf eine materielle Existenzsicherung haben, weil sie ein Recht haben auf Leben. Man könnte sagen, dass so, wie (frei lebende) Tiere kein Eigentum kennen, sondern sich einfach nehmen, was sie brauchen, (aber auch nicht mehr!) so müssten auch Menschen Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen haben, um daraus alles das zu produzieren, was zum Leben notwendig ist. Warum soll erst eine durch Einhegung verursachte Lohnabhängigkeit Zugang verschaffen zu den zum Leben benötigten Mitteln? Und warum sollen manche Menschen für ihre Tätigkeiten entlohnt werden und andere nicht?

Wie kann Widerstand organisiert werden gegen diese lebensfeindliche wirtschaftliche System und gegen die spezifische Ausbeutung der Frauen?

„Sie nennen es Liebe. Wir nennen es unbezahlte Arbeit.
Sie nennen es Frigidität. Wir nennen es Schwänzen. (…)“

2 Kommentare leave one →
  1. Dezember 5, 2015 1:25 pm

    Nun ja, die Arbeitsteilung, die es erst ermöglicht, viele Güter herzustellen, bedingt eine „Lohnabhängigkeit“, da keine Einzelne mal eben eine Fabrik hinstellen kann…

  2. Sebastian permalink
    Januar 22, 2016 1:31 pm

    „So vertritt sie implizit die Vorstellung, dass Menschen ein Recht auf eine materielle Existenzsicherung haben, weil sie ein Recht haben auf Leben.“

    Das ist eine idealistische Kopfgeburt und sonst Nichts. Auch wenn ich die Idee sympathisch finde. Damit die Dinge, mit denen heute (wir sind ja Universalisten) 7 Mrd. plus x Menschen einfach nur leben können immer bereitstehen ist jede Menge Arbeit notwendig, Selbst wenn man nicht den Standard einer modernen Industriegesellschaft für ein „normales“ Leben ansetzt!

    Der Hinweis von Claudia trifft zudem zu und viel viel mehr gäbe es zu sagen. Lohnarbeit ist nicht perfekt und bringt Probleme mit sich, aber sie gewährt auch (jede Menge) Vorteile! Und eine Institution oder eine Menge von Institutionen, die die Funktionalität von geregelter Lohnarbeit, die selbst eingehegt ist (Rechte, Pflichten, Freihzügigkeiten etc. – natürlich nur in Staaten mit diesen Voraussetzungen! [das ist ein echtes Problem von Lohnarbeit in der dritten Welt oder in Staaten ohne ausreichende defacto Arbeitsrechte usw. !]) ersetzt/ersetzen ist nicht einfach da und kann nicht aus dem Nichts geschaffen werden. Aber für solche Erkenntnisse braucht es mehr als Idealismus, dafür benötigt es Wissen über Institutionen, Genese, Voraussetzungen usw.
    Ich bin frroh, dass diese Leute, die mit simplen ideen wie etwas doch bitte zu sein hat konstruktivistische Kopfgeburten in die Welt setzen (z.b. die Sowjetrevolutionäre oder Mao), es in dieser Welt schwer haben und von den Massen nicht einfach hofiert werden, von den meisten Leuten mit zumindest Detailintellektualität ganz zu schweigen.
    Das angesprochene Wissen man natürlich erwerben, aber dazu bedarf es

    1) Anstrengungen
    2) Unvoreingenommenheit (man muss auch Leute lesen, die man verabscheut wie z.b. Hayek, Smith und auch Leute die weniger populär und radikal sind als Marx)
    3) Nicht nur Wollen sondern Realismus

    Kann man machen; man kann aber auch einfach das selbe Spiel immer und immer weiter spielen in seinen Blasen.

    Viel Spass noch.

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