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Anne-Marie Slaughter hat ihre Meinung (ein bisschen) geändert

Oktober 27, 2015

Anne-Marie Slaughter wurde hierzulande vor allem wegen ihres Artikels ‚Why women still can’t have it all‚ bekannt. In eher reaktionären Argumentationen wurde der Text oft verkürzt zitiert, um vermeintlich zu belegen, dass Frauen und insbesondere Mütter, nun ja, eben nicht alles haben können. (Und das dann gefälligst auch nicht mehr verlangen sollten.) Interessanter Weise hat Slaughter in ihrem neuen Buch ‚Unfinished Business‘ ihre Meinung etwas geändert und sieht nun die Aufwertung von Sorge-Arbeit als wichtiges Ziel. Hier ein Interview zu dem Buch.

What I’m really now talking about is the work that we do investing in other people—as mothers, as fathers, as children taking care of our own parents, as someone taking care of anybody who is disabled or ill.

That work of investing in others is actually just as important as the work we do for money. I now look at my mother’s work as a homemaker as well as her work as an artist, and I say, “Those things are equal.” I didn’t believe that three years ago.

So erfreulich diese Meinung ist, so großes Unbehagen erzeugen andere Stellen des Interviews. Zum einen präsentiert sie ihre Perspektive als neue Erkenntnis und scheint der Frauenbewegung zu unterstellen, sie hätte einheitlich dazu beigetragen, dass allein Erwerbsarbeit gewertschätzt wird.

I started thinking my way through the women’s movement and how we had come to define equality—that women are equal to men only as long as they are doing the work that men have traditionally done.

That’s not a full gender revolution. That’s saying, “Men were the ones who earned the income, and now women can be men.” When women do that, they’re equal; but women who are caring for others are still very much devalued. If you’re really going to have equality, you’ve got to value both kinds of work.

Was sie hier anzusprechen scheint, ist vor allem eine Spielart des Feminismus, der in den USA oft als ‚liberal feminism‘ bezeichnet wird – und die bereits oft kritisiert wurde, etwa von marxistischen, poslcolonialen oder queeren Feminist_innen. Die Forderung, Sorge-Arbeit aufzuwerten, existiert jedoch schon sehr lange und wurde aus verschiedensten politischen Spektren immer wieder vorgebracht.

Zum anderen scheint für sie der Ausweg aus all der Misere vor allem in der Flexibilisierung der Erwerbsarbeitszeit zu liegen – was ja mittlerweile ein Standardvorschlag ist. Wenn es ihr aber wirklich darum ginge, Sorge-Arbeit und Erwerbs-Arbeit als gleichwertig zu betrachten, wären durchaus weitreichendere Alternativen denkbar: eine Reduzierung – und nicht nur Flexibilisierung – der totalen Zeit für Erwerbstätigkeit, beispielsweise. Trotzdem: ich bin gespannt auf das Buch und verbleibe in der Hoffnung, dass sie dort eingehender auf verschiedene Positionen der Frauenbewegung eingehen wird.

PS: Corinne vom ‚Makellosmag‘ hat das Buch bereits gelesen und ausführlich rezensiert (siehe Kommentar)- sehr zu empfehlen.

4 Kommentare leave one →
  1. Oktober 31, 2015 7:20 pm

    Ich habe das Buch gelesen und auch darüber gebloggt. Es ist differenzierter als im Interview. So sieht sie einen konsequenten Wandel der Arbeitswelt als nötig an, die Anerkennung der Sorge für andere (nicht nur Kinder), die über dem Lobpreisen der Selbstverwirklichung des Individuums in Karrierekontexten stehen sollte. Also weniger neoliberal als man meinen mag. Kritik auch an Sandbergs Mantra von Lean In. Außerdem merkt man dem Buch deutlich an, dass sie die Kritik im Nachgang ihres Artikels ernst genommen hat (u.a. ihre eigene privilegierte Position reflektiert).

  2. November 4, 2015 8:19 pm

    Danke! Sehr spannend, ich habe deine Rezension jetzt verlinkt.

  3. November 14, 2015 9:57 pm

    Ich habe das Buch nicht gelesen und auch darüber gebloggt. Es ist differenzierter als euer Interview. Heult nicht, geht sterben.

  4. martin permalink
    Dezember 26, 2015 9:47 pm

    Ich habe das Buch nicht gelesen, fand aber Laurie Pennys Artikel der sich daran aufhängt gut:
    http://www.newstatesman.com/politics/feminism/2015/10/women-can-t-have-it-all-because-game-rigged

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