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Kinderbücher jenseits der Rollenklischees

Oktober 24, 2015

… sind leider immer noch selten. In vielen Büchern bleibt alles am vorgesehenen Platz: Es gibt Bauarbeiter, Feuerwehrmänner und Wissenschaftler, beziehungsweise Krankenschwestern, Kindergärtnerinnen und Verkäuferinnen. Alle Menschen sind weiß, die Hauptcharaktere sind weiterhin meist Jungen, Mädchen sind daran zu erkennen, dass sie eine rosa Schleife im Haar tragen, die Mutter steht in der Küche, der Vater liest Zeitung und so weiter.

Deswegen gibt es erfreulicher Weise verschiedene Listen mit alternativen Kinderbüchern. Auf eine relativ neue Liste bin ich kürzlich bei ‚Mama Notes‚ gestossen. Sie stellt dort knapp und gut 10 Diversity-Kinderbücher vor, die auch Rassismus, Heterosexismus und Abelismus berücksichtigen: ‚König und König‘, ‚Luzie Libero und der süße Onkel‘, ‚Paul und die Puppen‘, ‚Jakob ist kein armer Vogel‘, ‚So bin ich und wie bist Du‘, ‚Alle da‘, ‚echte Kerle‘, ‚Ein kleines bisschen anders‘, ‚Traum-Berufe‘ und ‚Lila. Oder was ist Intersexualität?‘ Ausserdem gibt es dort einige Hintergrundinformationen und viele Links zu anderen Listen, beispielsweise derjenigen von Pinkstinks für Kinder ab 3 Jahren.

Ein Klassiker unter den Listen ist die Gender-Kinderbuch-Sammlung der Alice-Salomon Hochschule, die mittlerweile vor 6 Jahren veröffentlicht wurde.

Es gibt allerdings ein Problem an den Listen: man muss die Kinderbücher darauf ganz bewusst auswählen und kaufen. Der Großteil unseres Kunderbuch-Bestands entwickelte sich dagegen auf irgendwie unorganisierte, unausgewählte und eher unbewusste Art und Weise. Bleibt also die Frage, was mit den vielen angesammelten Kinderbüchern zu tun ist – seien sie vererbt, geschenkt, gefunden, in Eile in der Bahnhofsbuchhandlung gekauft oder gar (manchmal, nun ja, am fatalsten) vom Kind selbst ausgesucht. Suse von ‚Femily Affair‘ hat hier zumindest für Geschlechterrollen einen Vorschlag, in ihrem Text ‚Der Genderwahn der bösen Wölfin‚ schlägt sie eine Art Gender-Hacking vor:

Aus Tino wird Tina, aus Berti Bär – Berta. Am Anfang habe ich einfach beim Lesen immer weibliche statt männlicher Namen eingesetzt oder den Papa, statt der Mama das Essen kochen lassen und die Mama dafür ins Büro gehen etc.. Aber mit der Zeit wurde das anstrengend, ich vergaß die Namen oder verhaspelte mich, wenn ich abends schon müde war beim Vorlesen. Dann hab ich angefangen zu basteln. In unseren Büchern sind die Figuren einige Klebezettelchen und Umbeschriftungen später, Lebewesen_Menschen_Tiere, mit dem Pronomen sieSie erlebt die Abenteuer,  eine sie spielt die Hauptrolle, sie ist die Aktive. Dabei wird sie von anderen Figuren mit dem Pronomen sie oder er unterstützt werden, lieb gehabt, für ihren Mut bewundert usw..

Auch eine Möglichkeit, mit etwas mehr Mühe aber für weniger Geld.

3 Kommentare leave one →
  1. Oktober 24, 2015 5:42 pm

    Das finde ich gut und mache das auch so. Und richtig: Kinderbücher mit Vielfalt muß man suchen, finden, kaufen, sich kümmern. (Hier ist es auch eine sehr eklektizistische Auswahl.): Bei Vorlesebüchern ist das ok, aber Bilderbücher sind halt leider etwas eindeutiger.

  2. Oktober 26, 2015 4:08 pm

    Ja, ein superwichtiges Thema! Das Jüdische Museum Berlin hat dazu eine kliene Broschüre zusammengestellt, sie ist hier downloadbar: http://www.jmberlin.de/ksl/literatur/vielseitig_broschuere_DE.php. Darin geht es um Kinder- aber auch Jugendbücher, die alle möglichen Formen von Diversität behandeln, bzw, eben nicht behandeln, sondern integrieren.

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