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Stillen als Möglichkeit

März 24, 2015
(Collage: Fuckermothers)

(Collage: Fuckermothers)

Stillen ist von vielerlei Zwängen umgeben – sei es der Druck, sein Kind für dessen Gesundheit unbedingt stillen zu müssen, sei es das Verbot, nicht in der Öffentlichkeit stillen zu dürfen oder die Vorgabe, nicht zu lang zu stillen. Das war in diesem Blog ja bereits mehrfach Thema.

Eine Legitmation für den oft empfundenen Zwang zum Stillen liefern scheinbar klare emprische Evidenzen aus der Wissenschaft, die bei näherem Hinsehen allerdings nicht mehr ganz so klar sind. Ein gutes Update dazu kommt von ‚aufZehenspitzen‘. Sie setzt sich kritisch mit einer neuen Studie auseinander, die jüngst viel durch die Medien geisterte – nämlich mit der brasilianischen Langzeit-Still-Studie (Horta), deren Kernaussage war, dass Stillen Kinder intelligenter mache. Sie nennt einige Fehlschlüsse sowie in diesbezüglichen Artikeln vergessene Punkte, die sehr lesenswert sind.

Wer sich – unabhängig von solch eher zweifelhaften wissenschaftlichen Vorgaben – entscheidet, zu stillen, muss diese Tätigkeit vielleicht nicht immer unbedingt als Zwang betrachten, sondern kann sie auch als Möglichkeit nutzen. Beispielsweise für Kunst. Oder etwa für Freundschaft und soziale Mutterschaft. Etwa handelt ein langer Artikel im ‚Guardian‚ davon, wie eine Frau ihr eigenes und das Kind ihrer Freundin stillte. Gemeinsames Stillen wird mitunter auch von lesbischen Müttern praktiziert. Zudem hat das Ammenwesen schließlich eine sehr lange Geschichte. In der Schweiz gingen die letzten beruflichen Ammen wohl in den 1950ern in den Ruhestand. Ein bio-kapitalistisches Update erfährt das Ammenwesen aktuell durch einige pharamzeutische Firmen, die für das ‚weiße Plasma‘ relativ viel Geld bezahlen – eine Entwicklung, die sehr kontrovers diskutiert wird.

Zugleich wäre es sicherlich auch falsch, nun wiederum das Stillen mit dem Anspruch auf unendliche Möglichkeiten, auf Kreativität, Soziales-Beziehungs-Stiften oder Alles-Anders- bzw. Wie-Früher-Machen zu überfrachten. Manche Leute stillen, andere nicht. Und die, die stillen, sollten es auf die Art und Weise und an den Orten tun, die gut für sie sind. Ohne Zwang, eben.

2 Kommentare leave one →
  1. März 25, 2015 9:03 am

    Danke für die Verlinkung🙂 „Manche Leute stillen, andere nicht.“ Damit sollte eigentlich alles gesagt sein.

  2. April 18, 2015 12:41 am

    Vor allem ist es auch interessant, das man oft verurteil wird wenn man sagt man möchte mal nicht stillen. Die Leute reagieren da so als würde man Kippe rauchend erzählen, dass man seit der Schwangerschafft weniger kifft aber ab und zu noch ein Glas Vino trinkt während man mit vollem Babybauch vor denen chillt.
    Also ob dem Kind was antun würde. Finde das ist einfach ne private Entscheidung von jeder Frau.

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