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trans*parent – „Neuauflage“/“Limited Edition“/Erweiterte Version

März 12, 2015

E findet in der ‚öffentlichkeit’/sichtbarkeit meistens nicht die ‚richtigen‘ worte oder wird nicht angehört oder gesehen, daher hat E irgendwann 2014 eine mutig-wütende bildbeschreibung von dem selbstbild als trans* und elternteil entworfen.

keine rechtfertigung, sondern überwindung der sprachlosigkeit.

ich bin trans*parent.

ich bin trans* und elternteil (parent) für mein kind = trans*parent.

ich habe das bedürfnis über mich zu schreiben, weil ich selber keine menschen mit ähnlichen lebensumständen kenne.

wenn ich mich skizzieren würde, hätte ich zuallererst

meinen selbstfindungsprozess im zusammenhang mit meiner geschlechtsidentität, meinem körper und meiner verortung in meiner eltern-kind- und freund_innen-beziehungen vor augen. dazu kämen noch sämtliche selbstbestimmte, fremdbestimmte, konstruierte, positionierende zuordnungen, die sich kreuz und que(e)r in dieses bild einschreiben. ein kompliziertes bild. ein bild, was ich hier nicht vollständig wiedergeben will und kann, mir aber in diesem moment während ich schreibe nicht aus dem kopf_körper gehen wird. ein wirres, queeres bild.

trans*

definiere ich mich nun als trans*gender genderqueer? ich will mich nicht festlegen – vor allem nicht für immer und ewig. das ist einer von vielen gründen, warum es mir schwer fällt mich zu ‚outen‘. ich habe angst, ein für allemal mit diesem label und den entsprechenden klischees von meinem umfeld versehen zu werden („umtausch und definitionsmacht ausgeschlossen!“), einen platz in ihrem kopf-katalog zu erhalten und ihre blicke mal mitleidig, mal angst-, mal hasserfüllt, mal verstört ertragen zu müssen. aber auch bezüglich der menschen, denen gegenüber ich mich schon geoutet habe, verursacht mir diese angst kopfschmerzen. schmerzen, die aus der angst rühren, dass andere mich durch ihre ansozialisierte trans*feindliche brille sehen könnten, die ich auch manchmal trage, wenn ich mich selbst betrachte. ich habe gelernt, dass menschen wie ich „eklig“ – und vieles mehr, was ich aufgrund triggernder effekte hier nicht nennen will – sind. manchmal lebe ich in einer phase des verdrängens, aber eigentlich ist das unmöglich. und manchmal taucht ‚trans*‘ in jedem meiner gedanken, in jeder sekunde meines alltags auf. jeden tag karussell-denke ich dann darüber nach, wer ich bin. dabei kann ich auch schon mal durchdrehen, z.B. indem ich meinen ganzen oberkörper mit schwarzer acrylfarbe anmale oder auf meine arme groß „wer bin ich?“ schreibe.

trans*parent

tja und dann bin ich jetzt seit etwa einem jahr elternteil. der teil der eltern, der das kind „zur welt gebracht“ hat – eine eher verniedlichende beschreibung für die arbeit und die schmerzen, die ich erlebt habe. andere würden „mama“ sagen, aber ich nenne mich bei meinem namen.

ich bin sehr glücklich mit meinem kind, das ich sehr liebe. ich bin glücklich mit meinem besten freund, andere würden sagen „fester freund“, dem „papa“ von unserem kind, den ich sehr liebe. Ich bin auch glücklich mit meinen freund_innen und der hünd_in, die für mich zur familie gehören und die ich sehr liebe. (das hier ist keine hierarchische aufzählung.)

aber gerade das eltern-sein bringt für mich, in meinem trans*-sein und körperempfinden, widersprüche und schwere auseinandersetzungen mit sich. so habe ich z.b. stillen, aufgrund der gesellschaftlichen perspektive auf geschlecht, einem (wortwörtlichen) blick auf geschlechts_körper, als besonders bedrängende momente erlebt. stillen bedeutet für mich brüste zu entblößen (ich habe keine worte dafür, was das für mich bedeutet!) und es bedeutet ein erzwungenes abhängigkeitsverhältnis für mich und alle in unserer familie. stillen stellt für mich einen immer wiederkehrenden trigger effekt aufgrund der gesellschaftlich-gemachten und unhinterfragten (und dadurch leider nahezu untrennbaren) assoziation von brüsten mit weiblichkeit dar. ich habe also abgestillt, wofür ich mich aber in dieser gesellschaft ständig (!) rechtfertigen musste und muss. Seit ich elternteil bin, glauben nämlich eine menge menschen, sie hätten das recht, nein sogar die pflicht und verantwortung sich einzumischen. und es gibt so viel mehr aspekte im kontext von eltern-sein, bei denen meine vorstellungen von geschlecht mit gesellschaftlichen vorstellungen zusammenstoßen. schließlich sehe ich auch ein problem bei der prä- und postnatalen geschlechtlichen zuordnung meines kindes. beschränke ich mein kind nicht in ’seinen‘ entfaltungsmöglichkeiten, wenn ich dieser zuordnung folgend von ‚ihm‘ als ‚männlich‘ ausgehe? Die welt da draußen würde ‚ihn‘ aber, wenn ich ‚ihn‘ nach meinem verständnis von geschlecht wider einer heteronormativen welt ‚erziehen‘ würde, kaputt machen – so wie sie auch mich kaputt macht. ich laufe also bei dieser erzwungenen geschlechter ordnung gegen wände an.

trotzdem finden sich manchmal wände, die ich einbrechen kann, wände, die andere vor mir eingebrochen haben und (schutz-)wände, die ich mir selber gebaut habe – wege, lücken oder kompromisse.

transparent trans*parent

was ich von meinem bild zeigen will, ist eigentlich meine entscheidung. und doch hat solch eine entscheidung weitreichende konsequenzen für mein kind, mich, unsere familie.

bis ich elternteil geworden bin, kam ich nie wirklich auf den gedanken, dass ich mal geoutet leben würde oder könnte oder müsste. ich kann mir ehrlich gesagt gar nicht vorstellen in dieser gesellschaft offen zu leben; wieviel schmerz und wie wenig verständnis und anerkennung das nach sich ziehen würde, wird. zu viel angst vor dem was andere denken.

aber ich kann nicht ‚versteckt‘ leben, wenn ich meinem kind nicht beibringen will, dass das, was ich bin gerechtfertigterweise diskriminiert wird. ich will nicht, dass ‚er‘ lernt, dass trans*sein allen grund dazu hat ein geheimnis zu sein. ich will durch meine entscheidung und reaktion auf diese gesellschaft nicht ihre annahmen bestätigen. ich will, dass ‚er‘ versteht, dass das, was ich tue ein kampf um/für ihn und mich und uns ist. ich will ihm all das handwerkszeug mit auf den weg geben, dass ‚er‘ braucht, um selber entscheiden und reflektieren zu können, wer er ist.

und ja, ich habe angst, dass meine entscheidung (die ich vor allem auch für ihn treffe), offener zu leben, weitere unkontrollierbare kreise zieht, dass ihm anerkennung verwehrt und er diskriminiert wird. wenn ich meine vorstellungen von welt und werten in unsere beziehung mit einfließen lasse, werden wir vermutlich erst recht von allen seiten misstrauisch beäugt. aber diese übermütigen vorwürfe, denen ich mich gegenüber sehe, machen mich mutig wütend: ist es etwa keine manipulation ein kind isoliert in einer geschlechterkategorie durch entsprechend zugeschriebene eigenschaften, verhalten und wünsche zu begrenzen?

ich gehe davon aus, dass es viel schwieriger wäre, meinem kind trans*sein aus meiner perspektive zu erklären, wenn ein versteckspiel nur die vorurteile und das denken der allgemeinheit bestätigen würde. vor ‚ihm‘ kann ich keine fassade aufbauen, wenn ich nicht seine liebe und sein vertrauen riskieren will, wenn ich ihm all das mitgeben will, was er braucht um selbstbestimmt zu leben. Vor der welt kann ich keine fassade aufrecht erhalten, wenn das bedeuten würde, dass er mitspielen und meine schwere behindernde last, mit welcher die gesellschaftlichen normvorstellungen mich versehen haben, mittragen müsste.

es bleibt mir also nicht viel übrig als geoutet zu leben, mich offen darzulegen, transparent zu sein. die reichweite bestimme ich zusammen mit meinem kind, mit meiner familie.

outen bedeutet angriffsfläche bieten. bedeutet für mich aber auch gegen diejenigen, die uns das recht zu leben und lieben verwehren wollen, und für diejenigen, die ich liebe, zu kämpfen.

ich lebe trans*parent.

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