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Antje Schrupp zu ‚Umverteilung unter dem Deckmantel Familienpolitik‘

Februar 5, 2015

Die Arbeit, die während der Elternzeit für Kinder geleistet wird, ist in unserer Gesellschaft nicht gleich bewertet – sondern die Bewertung leitet sich daraus ab, wer diese Arbeit leistet. Wenn eine Person z.B. Babybrei kocht, die vorher im Beruf gut verdiente, bekommt sie dafür sehr viel mehr Geld als eine Person, die zuvor schlecht verdiente – obwohl beide die gleiche Tätigkeit verrichten. Der Wert der Sorge-Tätigkeit steht dadurch nicht für sich selbst, sondern ist stets abhängig von der Lohnarbeit. Das ist ungerecht.

Aus diesem Grund finde ich Antje Schrupps Gedanken zum einkommensabhängigen Elterngeld und zu dem Gerichtsurteil zu Schadensersatz wegen fehlender Kita-Plätze sehr wichtig. Antje Schrupp zu dem konkreten Urteil:

Es ist jetzt aber nicht so, dass alle Eltern dasselbe Geld bekommen hätten, sondern die Höhe des Schadensersatzes war gestaffelt nach dem Verdienstausfall der betreffenden Frauen – “2500, 4500 und 8100 Euro, je nach Einkommen.“ (…)

Die Umverteilung von Einkommen von unten nach oben unter dem Deckmantel Familienpolitik, die ich schon bei der Umstellung des Elterngelds kritisiert habe, geht also weiter. Frauen, die gut verdienen, kriegen vom Staat mehr Geld fürs Kinderbetreuen als Frauen, die wenig verdienen.

Was mich daran fast schon schockiert ist, für wie selbstverständlich diese Entwicklung inzwischen bereits gehalten wird. Sie bedeutet ja letztendlich, dass der Wert von Care-Arbeit sich nicht aus dem Wert dieser Arbeit als solchem herleitet, sondern nur über den Umweg des Verdienstausfalls der “eigentlichen” Arbeit, der Erwerbsarbeit nämlich, abgeleitet wird. (…)

Wir haben es hier mit einer Entwicklung zu tun, die das Verhältnis von Bürger_innen zum Staat nicht mehr als ein politisches Verhältnis versteht – bei dem der Staat Verpflichtungen hat, die allen gegenüber gleich sind – sondern als ein privatwirtschaftliches, wo ein Vertragsbruch eben unter Umständen bedeutet, entgangene Gewinne zu rekompensieren.

Not amused.

Ebenfalls nicht amused.

One Comment leave one →
  1. judith permalink
    Februar 6, 2015 11:37 am

    Ich kann gut nachvollziehen, dass ein Ungerechtigkeitsempfinden entsteht, wenn für die gleiche Tätigkeit (Babybreikochen) unterschiedlich hohe Elterngeldbeiträge ausgezahlt werden. Ich vermute, dass dieser Gedanke im Grundsatz schon dem Sozialgerechtsdenken entspringt. Nur eben ‚andersherum‘. Denn wer viel verdient, zahlt höhere Krankenkassenbeiträge, zahlt mehr für einen Kita-Platz, erhält keine staatlichen Förderungen usw. … Im Grunde sind das auch höhere Beiträge für die gleiche Leistung. Und es geht beim Elterngeld auch darum, den Verdienstausfall zu kompensieren. Als gut verdienende Frau frage ich mich, ob es sich überhaupt ‚lohnt‘ viel und hart zu arbeiten und im Beruf eben die Verantwortung zu übernehmen, die letzen Endes auch das höhere Gehalt rechtfertigt.

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