Skip to content

Vier letzte-Minute-Buch-Geschenke für feministische Festlichkeit

Dezember 20, 2014

Öde! Die ersten beiden Buchempfehlungen sind für wohlinformierte Leser_innen feministischer Blogs wenig überraschend. Für alle anderen kommen die einschlägigen Bücher trotzdem – nämlich, weil sie sich gut als Geschenke für latent-feminismus-interessierte-aber-sich-damit-trotzdem-wenig-auskennende Personen eignen. Und eben jener Personenkreis tummelt sich oft im Umfeld von Weihnachtsfeierlichkeiten, etwa in Form von Verwandtschaft oder alter Schulfreund_innenschaft. Diese Bücher könnten feiertägliche Diskussionen vereinfachen, vielleicht sogar verbessern: IMG_0097 Wizorek, Anne (2014). Weil ein #Aufschrei nicht reicht: Für einen Feminismus für heute. Frankfurt am Main: Fischer. Das Buch ist eine gute Einführung in aktuelle feministische Debatten und leicht zu lesen. Die vielen Witze sind meist geistreich und unterhaltsam – manchmal aber auch überaus zahlreich und dann ein wenig Geschmacksache. Hier ein Ausschnitt aus dem Kapitel zu Care-Arbeit, dem in vielen Punkten durchaus zuzustimmen ist:

Sonst heißt es bei jedem kleinen Furz ‚Denkt denn niemand an die Kinder?‘, aber ausgerechnet, wenn es um Familienpolitik geht, wird genau das nicht getan. Es steht nicht im Mittelpunkt, was das beste fürs Kind wäre – alles dreht sich um Vorteile für die Ehe zwischen Mann und Frau, wobei die männliche Seite als Versorger der Familie gesehen wird. Von der Politik werden Familien ausschließlich in Form heterosexueller Ehen gesehen und gefördert, und das bedeutet entsprechende Probleme für alle, die nicht in diese Schublade passen: weil sie beruftstätig, nicht verheiratet, in einer gleichgeschlechtlichen Partner_innenschaft leben oder alleinerziehend sind. Belohnt wird nach wie vor das Lebensmodell, in dem der_die Partner_in dem_der anderen Partner_in den Rücken freihält. In den meisten Fällen ist das immer noch die Frau (…). (S. 135)

Diehl, Sarah (2014). Die Uhr, die nicht tickt. Zürich, Hamburg: Arche. Sarah Diehl ist zu Recht sehr bekannt, etwa durch die von ihr herausgegebenen Bücher ‚Brüste kriegen‚ und ‚Deproduktion‚ oder ihren Roman ‚Eskimo Limon 9‚. Ihr neuestes Buch über gewollt kinderlose Frauen ist nicht nur wichtig, sondern auch intelligent und gut geschrieben. Ein Ausschnitt aus der Einleitung:

Es ist nicht weiter überraschend, gegen wen sich die Kritik vornehmlich richtet: gegen Frauen, ganz egal, welche Entscheidung sie treffen. Sind sie ’nur Mutter‘, passt es nicht, klagen sie über Vereinbarkeitsprobleme, ist es auch nicht recht, und haben sie gar keine Kinder, ist sowieso alles verloren. (S. 11)

Die anderen beiden Bücher gehören zur Belletristik. Holmström, J. (2014). Asphaltengel. Berlin: Ullstein. Bei diesem bin ich mir ziemlich unsicher, ob es tatsächlich gut ist. Eine Freundin hatte mir das Buch mit eher zurückhaltender Empfehlung gegeben. Ich habe es dann ohne irgendeine (bzw. wenn dann mit negativer) Erwartung im Urlaub gelesen und es kam mir sehr spannend und überraschend differenziert vor. Vielleicht war das aber auch ein Artefakt aus Sonne, Trash-Erwartung und gelegentlichem Alkohol. Was ich von der Handlung erinnere: Britney Spears, Pubertät, Liebe, ein möglicher Mordversuch, Probleme zwischen Müttern und Töchtern, Yalla, Schnee, Rassismus, muslimischer Feminismus und finnische Skinheads. Zugleich habe ich mich beim Lesen doch immer wieder gefragt, ob das Buch nicht zugleich ziemlich massiv einige Klischees über den Islam reproduziert, die es eigentlich kritisieren möchte (und einige der „Pressestimmen“ auf der Verlagsseite fördern diesen Verdacht eher, wenn die von „Parallelwelten“ sprechen). Diese Frage stellt sich mir dennoch weiterhin, für eine Antwort fühle ich mich tatsächlich nicht ganz in der Lage. Deswegen möchte ich die Frage hiermit an potentiell besser informierte Leser_innen weitergeben und hoffe auf durchaus kritische Rezensionen des Buches. Scholl, S. (2013). Wir sind die Früchte des Zorns. Zürich: Secession. Bei diesem Buch bin ich mir dafür umso sicherer. Ich habe ich schon letztes Jahr empfohlen und bleibe nachdrücklich dabei.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: