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Nancy Fraser und universelle Sorge-Arbeit

September 20, 2014

Der Schlüssel zur Verwirklichung der vollen Gleichheit der Geschlechter in einem postindustriellen Wohlfahrtsstaat liegt (…) darin, die gegenwärtigen Lebensmuster von Frauen zum Standard und zur Norm für alle zu machen (…). Wir könnten eine solche Vision das Modell der „universellen Betreuungsarbeit“ nennen. Wie würde so ein Wohlfahrtsstaat aussehen? (…) Alle Arbeitsplätze würden für Arbeitnehmer zur Verfügung stehen, die auch Betreuungsaufgaben haben. Alle wären mit einer kürzeren Wochenarbeitszeit verbunden (…). Die informelle Betreuungsarbeit würde einesteils staatlich unterstützt und wie die Erwerbsarbeit in ein einheitliches Sozialsystem integriert werden. Anderenteils würde sie in den Haushalten von Verwandten und Freunden geleistet werden. (Nancy Fraser 2001, 101)

Das Zitat stammt aus dem Einleitung zum Band ‚Feminismus revisited‘ der Freiburger Geschlechterstudien, die als pdf heruntergeladen werden kann (S. 23). Wie der Text weiter ausführt, verlangt die US-amerikanische Politikwissenschaftlerin und Feministin Nancy Fraser das Aufgeben der „Liebschaft mit dem Neoliberalismus und eine gewissenhafte Allianz mit den Kräften der sozialen Absicherung“ (ebd.). Feministinnen sollten wieder in großen Maßstäben denken und erneut ihre Kritik am Androzentrismus aufnehmen, um „für eine Lebensform zu kämpfen, die den Status bezahlter Arbeit mindert, unbezahlte Leistungen … hingegen schützt und stützt“ (ebd.).

Hanafi El Siofi, M., Moos, J., & Muth, L. (2010). Feminismus revisited: Einleitung. Freiburger Geschlechter Studien, 16(24), 13-46.

Fraser, N. (2009). Feminismus, Kapitalismus und die List der Geschichte: Emanzipation oder Backlash. Blätter für deutsche und internationale Politik, 8(43-57).

Fraser, N. (2010). „Die Krise des Kapitalismus: Markt, soziale Absicherung, Emanzipation.“ Übersetzt aus dem Amerikanischen von Moritz Ganzen, Vortrag vom 11.04.2010. unveröffentlichtes Vortragsmanuskript. Theater Freiburg i. Br.

2 Kommentare leave one →
  1. September 22, 2014 7:24 pm

    Danke für den Hinweis und das Zitat. — Ich mein‘, so etwas, oder so etwas Ähnliches wird immer wieder in der einen oder anderen (verschärften oder sanfteren) Art gefordert. Sei es die Wertschätzung der Sorgearbeit, eine anständige Bezahlung, Firmenkitas oder wie auch immer. Mir fällt aber auf, auch und gerade in der Arbeitswelt, wie meilenweit ‚wir‘ von einer Mentalität der Sorge entfernt sind. Selbst wenn eine Firma, wie die, für die ich arbeite, nett zu den Arbeitnehmer_innen ist, ihnen bei Kinderkrankheit klaglos frei gibt, die Sorge um die Zahlen ist allemal größer als die Sorge um die Sorge.
    Diese Firma stellt in der Kundenbetreuung bewusst nur junge, ledige Frauen ein, die keine Kinder haben. Von Studierenden erwartet man geradezu Teilzeitmodelle (von dem Wissen profitiert dann ja auch die Firma), aber von Familienvätern und -müttern nicht.

    Insgesamt: auch mental die Arbeit in einer Firma (oder Behörde) mit dem Wohl der Angehörigen zu verbinden liegt wohl noch den allermeisten Personalverantwortlichen fern. Um so wichtiger finde ich es, immer wieder und wieder an diesem Punkt (öffentlich) rumzubohren.

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