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Birgit Kelle, Links und Liebe

September 8, 2014

Die katholische Publizistin Birgit Kelle vertritt streckenweise ein sehr problematisches Weltbild. Sie spricht sich beispielsweise dafür aus, reproduktive Rechte von Frauen einzuschränken, indem sie gegen den breiten Zugang zu Abtreibungen eintritt. Vor allem aber ist sie eine explizite Gegnerin der Gleichberechtigung von in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften lebenden Menschen. Zwei empfehlenswerte Links zu ihren publizistischen und öffentlichen Tätigkeiten:  „Auf Zehenspitzen“ hat bereits einige wichtige Dinge zu Frau Kelle aufgeschrieben, unter dem sprechenden Titel „Ich will mich nicht mit Birgit Kelle beschäftigen, aber ich muss„. Auch die „taz“ hat einige Informationen zu Kelle recherchiert, etwa über ihren dubios wirkenden Dachverband (nirgendwo namentlich aufgeführter) europäischer Frauengruppen oder ihre Nähe zur erzkonservativen Bruderschaft der Legionäre Christi.

Besorgt sollten auch Kelles eigene Aussagen stimmen, die sie unter anderem auf ‚VERS1-Zeitung für Christen‘ veröffentlicht (die Seite ist mittlerweile aus dem Internet verschwunden, kann aber mit der Wayback-Machine gelesen werden – ihre Aussahen haben sich seitdem allerdings sowieso kaum gewandelt.) Dort schrieb sie 2006 etwa: „Familie, liebe Freunde von der Grünen Partei, ist nicht „da, wo Kinder sind“, wie es Claudia Roth einmal formuliert hat. Familie ist da, wo Mann und Frau und Kinder sind, vielleicht sogar noch die ältere Generation mit dabei.  Der Versuch einer Gleichstellung der traditionellen Ehe, als der Kernzelle unserer Gesellschaft, mit gleichgeschlechtlichen Partner-schaften ist inakzeptabel.“ Sie verglich in dem Textbuch die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche mit Verkehrstoten und setzte damit Embryonen, die außerhalb des schwangeren Körpers nicht existieren können, mit geborenen, erwachsenen, erfahrungs- und kognitionsfähigen Menschen gleich. Oder sie schlug vor:

Ich bin dagegen, neue christliche Parteien zu gründen. Aber ich bin dafür, ein großes Bündnis zu schließen, in dem Christen und Lebensrechtler, Familienverbände, Konservative, Menschenrechtler und Kinderschützer gemeinsam zu einer gesellschaftlichen Kraft werden. In den USA entscheiden Christen inzwischen Präsidentschaftswahlen – weil sie an einem Strang ziehen. Wir brauchen eine Große Koalition der Liebe und des Glaubens.

Die christliche Liebe, um die es hier geht, scheint sich keinesfalls auf alle Menschen zu erstrecken. Mit Menschenrechten, Kinderschutz und der Unterstützung von Familien hat sie jedenfalls wenig zu tun. Es ist eine totalitäre Form der Liebe, die manchen Kindern beispielsweise das Recht auf ihre Familie anspricht. Oder Frauen, das Recht, selbst über ihren Körper zu bestimmen. Oder queeren Menschen das volle Recht auf ihre Liebe. Die Liebe solch einer „Koalition der Liebe und des Glaubens“ ist also eher eine Liebe zum fürchten. Besorgt sollte auch stimmen, dass Birgit Kelle weiterhin in deutsche TV-Talkshows eingeladen wird, so dass Aussagen, die auf mich stark wie christlicher Fundamentalismus wirken, weiterhin ein breites öffentliches Forum erhalten.

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