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Lesetipps: Interviews bei Glücklichscheitern

Mai 31, 2014

Die Welt jenseits des Internets hat mich die letzten Wochen etwas sehr in Beschlag genommen, weswegen ich erst jetzt dazu kam, die Interviewreihe zu ‚Feminismus und Mutterschaft‘ zu lesen, die glücklichscheitern mittlerweile in beachtlichen 1234567 Teilen veröffentlich hat. Dafür ist es aber umso interessanter, alle Texte gleich hintereinander zu lesen. Auch wenn ich sicher nicht mit allen Autorinnen einer Meinung bin und auch wenn die meisten relativ ähnlich (in einer heterosexuellen Zweierbeziehung) leben, geben sie Beiträge doch ein sehr vielfältiges Bild dazu ab, wie verschieden Mutterschaft und Feminismus gedacht werden kann. Dabei dominiert in punkto Feminismus meist eine Perspektive, die Karriere, Bezahlung und individuelle Entscheidungen betont und die in den USA wohl eher als ‚liberal feminism‚ bezeichnet würde. Ökonomiekritische, queerfeministische oder postkoloniale Perspektiven sind bislang nicht oder kaum vertreten. Aber vielleicht kommt das bald ja noch – es handelt sich schließlich um Einsendungen und weitere Beiträge werden gesucht.

Interessant fand ich bislang etwa den Text der kinderlosen Janina:

mein partner wäre anundfürsich sehr entgegenkommend, nur sind wir beide selbstständig, ein berufliches zurückstecken wäre mit kind unumgänglich.
in gesprächen merke ich schon oft, dass man schnell verurteilt wird, nur wenn man sagt: ich will jetzt keine kinder weil ich mich selbst nicht aufgeben und/oder beruflich noch verändern oder weiterentwickeln möchte. als mann ist das nicht so.
als frau kriegt man oft mal den stempel aufgedrückt, oder wird schief angesehen, wenn man sein leben, also die jahre der kindererziehung nicht zu 100% auf sich allein nehmen mag.

Oder besonders den von Nadine:

Ich behaupte, dass die Mutterschaft für viele Frauen die erste Begegnung mit der Notwendigkeit zum Feminismus überhaupt ist.

Klar sind wir als Kinderlose alle irrsinnig moderne Frauen – und moderne Frauen sind doch automatisch emanzipiert (welch altmodisches Wort) und damit Feministinnen. Schließlich gehen wir arbeiten, und mehr als das, wir stehen im Beruf unseren Mann (eine Formulierung, die sich hartnäckig hält, als wäre die Orientierung an der Arbeit des Mannes die einzig wertige Messgröße).

(…) Und dann werden wir schwanger. (…) Und dann ist es passiert, man ist eine von diesen „Muttis“, eine von denen, wie die man nie werden wollte. (…)

Und dann wird eben nicht dafür gekämpft, dass sich etwas ändert. Nicht beim Partner, dass er mehr übernimmt, als während der zweimonatigen Elternzeit das Kinderzimmer mit Biofarbe zu streichen, nicht beim Arbeitgeber, damit er qualifizierte Arbeit zulässt und auch bezahlt, obwohl man um 13 Uhr gehen muss und vor allem nicht bei sich selbst. Denn man hat es ja so gewollt und schließlich gibt es nichts auf der Welt was einen so glücklich macht wie das eigene Kind.

Mit Feminismus hat das leider nichts zu tun, so wie es das Leben „davor“ auch nicht hatte, denn worauf man mal so stolz war, ist längst gesellschaftliche Selbstverständlichkeit.

Deshalb bedeutet Mutterschaft vielleicht zum ersten Mal, dass wir wirklich für unsere Rechte kämpfen müssen – und wenn wir das tun, dann werden wir auch etwas erreichen. Kämpfen heißt übrigens nicht unbedingt auch gewinnen. Es ist anstrengend und man wird manchmal verletzt. Trotzdem: Ich glaube fest daran, dass man Mutter sein und Mensch bleiben kann, aber von selbst geschieht das ganz sicher nicht.

Ich bin schon sehr gespannt auf die nächsten Texte!

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3 Kommentare leave one →
  1. Kleeblattmama permalink
    Mai 31, 2014 10:19 pm

    danke für den tipp. interessant, wie unterschiedlich vor allem die anderen den begriff feminismus auffassen. texterin nummer 7 zum beispiel empfindet sich ja gar nicht als in traditioneller rollenverteilung lebend, dabei ist ist sie meiner meinung nach genau das.
    mit einem partner, der sich morgens und abends je eine stunde um das gemeinsame kind kümmert und das total schade findet, aber nunmal in einer führungsposition ist und wenig zeit hat; mit sich selber als mutter, die 25 stunden/woche arbeitet.
    sich als frau in erster linie als zuständig für das kind zu begreifen, während der vater des kindes nur das sahnehäubchen liefert, ist für mich der klassiker schlechthin!
    liebe grüße, kleeblattmama

  2. Anna permalink
    Juni 1, 2014 12:08 pm

    in dem text von nadine kann ich mich selbst sehr gut wiederfinden. ich wurde auch erst wirklich richtig feministisch nach der geburt meiner kinder. davor hatte ich ja kein grund dazu. ich war ja total gleichberechtigt. und das sogar in einem traditonellen männerberuf. die welt ist schön und gleichberechtigt. nur nicht für mütter.

    • Kleeblattmama permalink
      Juni 1, 2014 7:44 pm

      kann ich so nicht bestätigen. ich war schon vor dem muttersein feministin und fand/finde, dass es dafür sehr viele gründe gab und gibt. wenn man die genderstereotypen, die unfrei machen, erst als mutter bemerkt, hat man halt vorher nicht so genau hingeschaut.
      aber sie sind definitiv auch für nicht-mütter vorhanden und entfalten ihre wirkung.
      oder anders gesagt: feminismus ist nicht nur was für mütter.

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