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„Dann hätte ich ein Kind gezeugt und könnte trotzdem genauso skaten wie davor.“ – Interview mit Anna Groß in der TAZ

April 3, 2014

Ich fand ein Interview mit der Skaterin Anna Groß (geführt von Juliane Schumacher) aus verschiedenen Gründen interessant. Einmal, wegen der Aussagen darüber, wie Sexismus in vielen Sub- und Jugendkulturen funktioniert; aber auch weil ihre Biografie zeigt, dass für sie Sorge-Arbeiten (Au Pair, Mutter-Sein, eine eigene Skater_innen-Szene unterstützen) teilweise mit dem Skaten in Konflikt traten, es teilweise aber auch überhaupt erst ermöglichten.

Den Weg aufs Board haben Sie aber doch noch gefunden.

Nach dem Abitur bin ich für ein Jahr in die USA gegangen und habe als Au-pair-Mädchen in Washington gearbeitet. Da war für mich klar: Das ist das Land des Skateboardens, da muss ich einfach skaten. Und es kannte mich niemand – es konnte gar nicht peinlich werden. Ich habe angefangen und konnte gar nicht mehr aufhören. In dem Jahr dort bin ich fast jeden Tag geskatet, ich habe Skate-Parks in den ganzen USA abgeklappert.

Wie haben Sie in der fremden Stadt andere Skater kennengelernt?

Das war in den Anfangszeiten des Internets, es gab schon Foren. Da habe ich reingeschrieben, dass ich Skater suche. Und da haben sich auch gleich zwei sehr nette Typen gemeldet. Sie wurden meine Clique, wir waren zu dritt, manchmal zu fünft.

(…)

Ist das der Grund, warum so wenige Frauen skaten: dass ihnen die Vorbilder fehlen?

Ja, auch. Ich habe viel darüber nachgedacht, warum so wenige Frauen skaten. Ich hatte eine Zeit, da dachte ich: Vielleicht ist es doch auch körperlich bedingt? Nach der Geburt meines Sohnes musste ich lange mit dem Skaten pausieren, da habe ich mich geärgert und gedacht: Wäre ich jetzt ein Typ, hätte ich das Problem nicht. Dann hätte ich ein Kind gezeugt und könnte trotzdem genauso skaten wie davor. Aber ich glaube heute, dass der Hauptgrund die Erziehung ist.

Weil Skaten solch ein „harter“ Sport ist und damit unweiblich?

Genau. Ein Mädchen wird von von klein auf dazu erzogen, nicht laut zu sein, nicht vorlaut, sich nicht dreckig zu machen. Aber das passiert beim Skaten. Skaten ist ein gefährlicher Sport, man kriegt auch mal blaue Flecken und tut sich weh.

 

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