Skip to content

„gesungen hat niemand, und Herr Strauß war auch nicht da“ – Jelinek vs. Hoeneß

März 16, 2014

Ein fast surreal anmutendes Gespräch fand vor 30 Jahren zwischen Uli Hoeneß und Elfriede Jelinek statt. Es ging um Ehe und Hausarbeit und ist auf ‚kuvi‚ in vollständiger Form zu lesen.

Moderator: Frau Jelinek, wie war das denn bei Ihnen mit dem Heiraten?

Jelinek: In der gesetzlich kürzest möglichen Form, gesungen hat niemand, und Herr Strauß war auch nicht da.

Moderator: War jemand anders da?

Jelinek: Meine Mutter war gleichzeitig Trauzeugin.

Moderator: Wie lange haben Sie Ihren Mann gekannt, bevor Sie geheiratet haben?

Jelinek: Ganz kurz nur, vier Wochen. Wir hätten auch früher geheiratet, aber das ging mit den Papieren so schwer.

Moderator: Warum haben Sie geheiratet, warum ging das so plötzlich?

Jelinek: Wir konnten uns beide nie vorstellen, zu heiraten. Wir haben auch beide schon mit anderen Partnern zusammengelebt. Aber dann haben wir ein bisschen auch als Spaß an der Absurdität geheiratet. Und wir versuchen eben eine Ehe zu machen, wo keiner vom anderen sei es ökonomisch noch sonst wie abhängig ist, wo jeder seinen Kram macht, wo man wirklich aus vollkommen freien Stücken zusammen ist.

Moderator: Das ist natürlich sehr leicht, solange man keine Kinder hat, und solange beide ihren Beruf ausüben können!

Jelinek: Aber es wäre natürlich auch ideal, wenn jemand Kinder hätte und das klappen würde.

Moderator: Ich habe Ihren letzten Roman «Die Liebhaberinnen» gelesen, wo Ehe gerade so als Mittel zum sozialen Aufstieg dient. Halten Sie überhaupt die Institution Ehe für etwas, das in dieser Gesellschaft so fortgeführt werden sollte?

Jelinek: Ich kann mir nicht denken, dass sie abgeschafft werden könnte, solange es Privateigentum gibt, gibt es auch private Zweierbeziehungen, gibt es auch Eifersucht und alles Unangenehme, was damit zusammenhängt. Was mir am Buch wichtig war: zu zeigen, dass die Liebe nicht irgendwo hinfällt und dann kleben bleibt, sondern dass da sehr wohl ökonomische Dinge eine Rolle spielen.

Dass man im Kopf schon eine Vorauswahl hat. Jeder will halt zumindest etwas Gleiches, aber möglicherweise etwas Besseres. Solange man den Frauen nicht die gleiche Berufsausbildung wie den Männern zugesteht, ist es halt wirklich ein Mittel zum sozialen Aufstieg.

Moderator: Herr Hoeneß, ich könnte mir vorstellen, dass Sie mit Frau Jelinek nicht ganz einer Meinung sind?

Hoeneß: Nein, ich bin ganz sicherlich nicht einer Meinung. Ich habe mal in einem Interview mit Ihnen gelesen (dreht den Kopf zu Jelinek), dass Ihr Mann lachen würde, wenn er Sie bitten müsste, seine Socken zu waschen.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: