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Über Erschöpfung

Februar 28, 2014

Antonia hat auf ‚Umstandslos‘ einen tollen Text über Erschöpfung geschrieben, in dem es eigentlich zuerst um Selbstfürsorge gehen sollte. Ein Auszug:

“Selbstfürsorge” verstanden an der Arbeit an mir selbst, sodass ich klar komme in den mir zugewiesenen Strukturen, in dem mir zugestandenen Raum, aber bitte nicht aufbegehren, nicht mehr oder etwas anderes wollen. So verstanden, möchte ich eigentlich nicht an meiner “Selbstfürsorge” arbeiten, sondern erstmal bei der Auseinandersetzung mit meiner Erschöpfung bleiben. (…)

Ich persönlich erlebe die Einschränkungen meiner Freiheit zum Beispiel darin, dass in der Arbeitswelt von mir erwartet wird, so

zu tun als hätte ich kein Kind und so zu funktionieren als hätte ich keine Betreuungspflichten- und arbeiten. Das empfinde ich als sehr erschöpfend. Ich möchte mich aber nicht um mich selbst kümmern, um damit besser klarzukommen.

Andererseits soll ich in meinem Muttersein so “aufgehen” als hätte ich keine Erwerbsarbeit und/oder keine anderen Interessen. Ich soll in erster Linie Mutter sein, so die öffentliche Meinung. Sich dem entgegenzusetzen und dauernd erklären zu müssen, empfinde ich als extrem anstrengend.

Ein andere Punkt ist, dass politische Arbeit, schon gar nicht feministische, nicht ins Bild der “guten Mutter” passt, wenn es nach dem öffentlichen Mainstream geht. Zudem gibt es aufgrund der vorherrschenden Machtstrukturen auch keine Ressourcen dafür, d.h. es handelt sich dabei immer um Arbeit, die (vom Mainstream) nicht wertgeschätzt und nicht bezahlt wird. D.h. die Arbeit findet meist statt, wenn alles andere erledigt ist. Als Verantwortliche für ein Kleinkind fällt es mir aber noch schwerer mich abends oder an den Wochenende freizuspielen. Ich kann also weniger dabei sein. Das empfinde ich als erschöpfend.

3 Kommentare leave one →
  1. März 1, 2014 9:10 am

    Guten Morgen,

    zwar bin ich keine Mutter, abert einen ganz wichtigen Punkt, den ich noch hinzufügen möchte – da es in Zukunft immer mehr Menschen betreffen werden, die sich um Familie kümmern: Diese Erwartungshaltung im Berufsleben könnte man auch auf die ausdehnen, die sich um pflegebedürftige Eltern kümmern müssen. Oder die einen chronisch kranken Partner haben… vielleicht ist dieser Kommentar leicht am Thema vorbei – ich weiß es nicht…

    lieben Gruß
    Ulrike

    • März 1, 2014 9:46 am

      doch, das finde ich ganz richtig. Es betrifft ja in beiden Fällen die Idee, dass man ein völlig flexibles, autonomes und stets einsatzberiches berufliches Individuum ist, ohne Kinder oder andere pflegenswerte Personen…

  2. mutti permalink
    März 3, 2014 9:27 pm

    Heute habe ich mir die freiheit genommen, einen vollen Tag arbeiten zu gehen u meinen Mann beim verschnupften Kind gelassen. Ich hatte Schuldgefühle ihm gegenüber. Wie furchtbar. Ich stellte das sofort ab und blieb auch mal lange im Büro. Wie erholsam arbeiten sein kann, wenn man weiß, es ist jemand beim Kind und man muss sich mal nicht kümmern. Das Kind quangelte nur, aber ich war erholt. Jetzt weiß ich, wieso mein Mann immer so eklig gut gelaunt u gelassen bleiben kann.

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