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Das Ende freier Hebammen und Rezeptpflicht für die Pille danach

Februar 14, 2014

Hebammen werden für ihre Leistungen sehr schlecht entlohnt und zusätzlich noch von steigenden Haftpflichtversicherungen ihrer Existenzgrundlage beraubt. Gestern hat nun die Nürnberger Versicherung verkündet, aus den beiden letzten verbliebenen Versicherungskonsortien für Hebammen auszusteigen. (Hintergrundinformationen, wie es dazu kam, bietet der Artikel von Saskia Littmann.) Das bedeutet das Ende von Geburtshäusern und das Aus für freiberuflich tätige Hebammen, denn ohne Versicherung dürfen sie nicht arbeiten. Es gab schon extrem viele Petitionen zu dieser Thematik sowie wohlklingende Versprechen diverser Politiker_innen. Verbessert hat sich an dem Problem: Nichts. Es hat sich nun nur noch mehr zugespitzt. Die absurde Vorstellung, dass Arbeit, die sich auf die Gesundheit von Menschen richtet, tatsächlich nach martwirtschaftlichen Prinzipien funktionieren sollte und ‚Gewinn‘ abwerfen muss, wird weiter nicht hinterfragt.

Nun bleiben nur noch Geburten im Krankenhaus. Oft verlaufen diese gut und zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Leider aber nicht immer. Eine Hebamme, die aus dem Beruf ausgestiegen ist, beschreibt hier einige ihrer Arbeitserfahrungen in der Klinik: „Aber muss man auch Schnitte hinnehmen als Frau, in die empfindlichste Körperstelle, nur weil jemand das Schneiden üben muss? Muss man schreiend und feuerrot auf dem Rücken liegen, panisch keine Luft mehr zu bekommen, nur weil es einem der anwesenden nicht schnell genug ging und “von oben mit helfend” mit vollem Körpereinsatz auf ihrem Brustkorb lag? Muss man es als Frau hinnehmen, OHNE gefragt zu werden, dass ein junger Assistenzarzt dein Kind mit einer Zange aus dir heraus zieht, nur weil gerade der alternde Oberarzt zu gegen war? Um die Situation auszunutzen etwas zu erlernen, was zum einen aus der Mode gerät und zum anderen von jenem Assistenzarzt nie wieder angewandt werden wird? (kurz drauf als Gyn niedergelassen) muss man das alles?“

Helga hat auf ‚drop the thought‘ einen Text dazu geschrieben, in dem sie auch auf die – trotz vieler Proteste – weiterhin bestehende Rezeptpflicht für die ‚Pille danach‘ eingeht (die bedeutet ‚Mein Körper, meine Entscheidung‚ gilt weiterhin nicht): ‚Reproduktionspolitik in Deutschland – menschenverachtender gehts kaum.‘

6 Kommentare leave one →
  1. Susa permalink
    Februar 15, 2014 12:03 am

    Der Hebammenartikel ist leider falsch verlinkt😦

  2. Christiane permalink
    Februar 15, 2014 8:29 pm

    Richtig. Und macht euch klar: es geht gar nicht ’nur‘ um die außerklinische Geburtshilfe. Ohne Versicherung dürfen Hebammen auch keine Schwangerenvorsorge anbieten. Und keine Wochenbettbetreuung. Und gerade die ist so wichtig als menschenwürdige und imdividuelle Betreuung, zur Gewaltprävention, zur Früherkennung und frühzeitigen Abwendung von Störungen beim Neugeborenen und auch bei der Mutter – das Stichwort postpartale Depression sei mal in den Raum geworfen.

  3. mmm permalink
    Februar 16, 2014 6:42 pm

    der link zum text der hebamme führt zum text „mein körper meine entscheidung“
    kann dann gelöscht werden🙂

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  1. Mengele-Überlebende, Role Model Update & T.a.t.u. in Sotchi « Reality Rags

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