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Revolution.

Februar 4, 2014
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(Foto: Fuckermothers)

Sorge-Arbeit – also sich um Menschen zu kümmern, die Unterstützung benötigen, seien es Kinder, kranke oder alte Menschen – ist grundlegend für menschliches Leben. Trotzdem wird sie gesellschaftlich geringschätzt, abgewertet und meist nicht oder sehr schlecht bezahlt. Im heutigen Kapitalismus findet die Sorge für Menschen nur Berücksichtigung, wenn sie ökonomischen Gewinn bringt. Oft wird die jetzige Situation deswegen als Sorge-Krise bzw. ‚Care-Krise‚ bezeichnet.

Feministische Wissenschaftler_innen wie Gabriele Winkler kritisieren deswegen, dass die aktuelle Familienpolitik im Kern Wirtschaftspolitik sei und fordert seit langem eine Revolution der Sorge-Arbeit. Für Winkler bedeutet die Revolution vor allem den „Ausstieg aus dem Wachstumsfetischismus“, der zu immer größeren sozialen Ungleichheiten führe. Ziel von Politik sollte nicht Profit sein, sondern die Erfüllung gesellschaftlicher Lebensbedürfnisse. Dazu schlägt sie in einem Aufsatz zwei Aspekte vor: 1. Die Kürzung der Erwerbsarbeit mit Lohnausgleich für alle Menschen, Mindestlohn und Existenz sicherndes Grundeinkommen. 2. Ausbau öffentlicher Bereiche zur Unterstützung von Familien und Sorge-Gemeinschaften; mehr staatliche Dienstleistungen in Gesundheit, Pflege und Bildung; die Aufwertung von Berufsgruppen, die Sorge-Arbeit leisten.

Um weiter über die Möglichkeit von Care-Revolutionen nachzudenken und politische Strategien zu entwickeln findet vom 14.-16. März in Berlin eine Aktionskonferenz mit dem Titel „Care Revolution: Her mit dem guten Leben – für alle weltweit!“ statt. Die Konferenz möchte sich mit folgenden Fragen beschäftigen: „Soziale Reproduktion betrifft uns alle – es geht um unser Leben, unseren Alltag: Wie und mit wem wollen wir wohnen? Wie sorgen wir für uns und andere? Wie wollen wir gepflegt werden und wie kann gute Gesundheitsversorgung aussehen? Viele Menschen arbeiten in diesen Bereichen – einige bezahlt, andere unbezahlt. Wir alle sind darauf angewiesen. Wie also können die Lebensverhältnisse so gestaltet werden, dass sie unseren Wünschen und Bedürfnissen entsprechen?“

Ziel der Konferenz ist der Austausch von Perspektiven und Erfahrungen, Vernetzung, die Erhöhung der Sichtbarkeit von Reproduktionsarbeit und die Stärkung bereits bestehender sozialer Kämpfe.

—–

Winkler, Gabriele (2011): „Care Work als Ausgangspunkt politischen Handelns“. In: Felicita Reuschling/Kunstraum Kreuzberg/ Bethanien (Hg.), Beyond Re/Production of motherhood?, Berlin: Revolver Publishing, S. 40-46.

3 Kommentare leave one →
  1. Februar 5, 2014 3:28 pm

    Eine Frage ist die nach der Krisenhaftigkeit der Care-Krise. Für betroffene Menschen aus den verschiedenen Care-Bereichen (Pflegebedürftige, Familienarbeiterinnen u.a.) ist es oft eine schwierige Situation. Die Gesamtgesellschaft (als Diskurs und als funktionalistische Abstraktion) kann dies aber teilweise bisher weiterhin ignorieren. So wird zwar u.a. über Pflegenotstand und „Mutterarbeit“ gesprochen, aber das partikulär-profitable korporatistische Gesundheitssystem oder die weithin praktizierte Rollenverteilung sind weiterhin technisch (nicht normativ) stabil. Ob Krisen sich ergeben müssen oder ob man auf ihre Dringlichkeit/Bearbeitung hinarbeiten kann ist vielleicht ein sowohl-als-auch. Praktisch sollte man regelmäßig versuchen, Probleme zu thematisieren.
    Interessant zum Thema Care-Krise als Ausdruck von Kämpfen (als und) um gesellschaftliche Neustrukturierung ist auch, gerade weil ich nicht voll zustimme, der Text von Birgit Sauer: „Putting patriarchy in its place“.

    • Februar 7, 2014 12:38 pm

      Reines Patriarchat gibt es verständlicherweise nicht. Aber wichtig: Intersektion. Und daher widersprüchliche Entwicklungen in der Gesellschaft. Erfolgreiche Frauen, „versagende“ Männer etc. Und trotzdem sind patriarchale Elemente vielfach noch sehr vorhanden/sozial wirkend.

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