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Gute Artikel zu ‚Staat und Familie‘

Januar 30, 2014

… gibt es in der neuen ‚PROKLA‚. Ein kluger Artikel von Katharina Hajek mit dem Titel ‚Familienduell Von der politischen Regulierung und den Kämpfen um Familie‘ steht umsonst zum Download bereit. Als Appetithappen hier ein Teil der Einleitung:

In den letzten Jahren und Jahrzehnten konnte nicht nur eine Vervielfältigung gelebter Formen ‘familiären’ Zusammenlebens abseits der heterosexuellen Kleinfamilie beobachtet werden (Stichwort Patchwork-Familien, Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Partner_innenschaften etc.). Auch in der politischen Regulierung von Familie in Deutschland fanden und finden tiefgreifende Veränderungen statt. Damit ist auf unterschiedlichste Reformen und Maßnahmen verwiesen. Das 2001 eingeführte Lebenspartnerschaftsgesetz etwa stellt eine massive Ausweitung von Rechten, zu denen vormals ausschließlich Ehepaare Zugang hatten, auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften dar. Diese materielle und symbolische Anerkennung geht dann jedoch wieder doch nicht so weit, Verpartnerten auch das Recht auf Familie zuzuerkennen: der Zugang zu (Fremdkind-)Adoption und reproduktiven Technologien bleibt heterosexuellen Partner_innenschaften und Ehen vorbehalten. Einen weiteren Punkt stellt der Ausbau öffentlicher Kinderbetreuungsplätze dar. Entgegen der vielzitierten Rede vom Abbau des Sozialstaates wurden hierfür 2005 nicht zuletzt mehrere Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Dieselbe Stoßrichtung verfolgt die heiß diskutierte Einführung des Elterngeldes 2007, die vor allem mit dem Namen von der Leyen verbunden ist. Kürzere Bezugsdauer und höhere Beträge sollen insbesondere gut verdienenden Frauen die Entscheidung zum Kind erleichtern – diese jedoch auch wieder früher ins Erwerbsleben zurückbringen. Der traditionellen Hausfrauenehe wurde seitens der großen Koalition auch mit den sogenannten „Vätermonaten“ der Kampf angesagt, bei denen sich die Bezugsdauer des Elterngeldes bei Inanspruchnahme der Karenz des zweiten Elternteils – zumeist der Vater – verlängert. Enthalten diese Maßnahmen auf den ersten Blick durchaus auch progressive Forderungen, so wurde demgegenüber bei der deutschen Krisenund Konjunkturpolitik ein „geschlechterpolitischer Konservativismus“ (Scheele 2011) diagnostiziert und darauf verwiesen, dass mit der konjunkturpolitischen Stützung vor allem von ‘Männerarbeitsplätzen’ in der Exportbranche auf dem längst überwunden geglaubten Modell des „männlichen Familienernährers“ aufgesetzt wird. Einmalzahlungen an Eltern und höhere Steuerfreibeträge pro Kind sollten zudem den ‘Konjunkturmotor Familie’ anwerfen. Die Sparpakete brachten jedoch weitere Einbußen insbesondere für Eltern, die ALG II beziehen. Jüngst löste schließlich die auch innerhalb der CDU/CSU umstrittene Verabschiedung des Betreuungsgeldes für Erziehungsberechtigte, die ihr Kind in den ersten drei Jahren nicht in einer öffentlichen Einrichtung betreuen lassen, erneut eine heftige Debatte über Kindeswohl, Wahlfreiheit und Rollenbilder aus und stellte sich als Blaupause für die oben angedeutete familienpolitische Neuausrichtung heraus. (…)

Interessant ist auch der Abschnitt zu queer-feministischer Kritik der Familie.

Hajek, Katharina (2013): „Familienduell: Von der politischen Regulierung und den Kämpfen um Familie“. In: PROKLA: Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 43(4), S. 519-537.

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