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Ganz schnell (wieder) attraktiv sein nach der Geburt

Januar 5, 2014
Körper (Foto: Fuckermothers)

Körper (Foto: Fuckermothers)

‚Was ist Deine Entschuldigung?’/ ‚What’s your excuse?‘ steht über dem Foto, das die Fitnesstrainerin Maria Kang durchtrainiert und im Bikini mit ihren drei kleinen Söhnen zeigt. ‚In 11 Wochen zur Milf‘ ist der Slogan des Sportprogramms von Julian Zietlow und Charlotte Würdig (Pro Sieben). Etwas länger ist es schon her, dass die Sängerin Jessica Simpson Werbung für Fitness machte, weil sie 5 Monate nach der Geburt nicht wieder so schlank war wie vorher (was auf einige Kritik stiess).

Fragwürdig ist vieles in solchen Argumentationen. Unter anderem, dass sie voraussetzen, dass 1. Schwangerschaft und Geburt automatisch unattraktiv, dick und unfit machen, 2. Nur schlanke und durchtrainierte Körper attraktiv gefunden werden dürfen, 3. Es für Frauen unerlässlich wichtig ist, von anderen attraktiv gefunden zu werden, 4. MILF ein irgendwie erstrebenswertes Ideal ist, 5. to be continued.

Das Blog ‚Gedanken im Speckmantel‘ hat sich mit dem Programm ‚In 11 Wochen zur Milf‘ inklusive dessen fürchterlichen Werbetext beschäftigt. Dort heisst es unter anderem:

„Man könnte jetzt argumentieren, dass ich das Programm ja dann nicht machen muss und mir die Spucke dann doch sparen könnte. Nein, denn mit dieser Werbung werden Bilder produziert, die Frauen zu Objekten machen, die stets sexuell attraktiv sind, stets verfügbar und stets vor Kraft strotzend alles wuppen und bloß keine Schwäche zeigen. Ich will solche Bilder nicht.

Frauen dürfen stark sein, aber auch schwach. Frauen dürfen Kind, Job, Mann, Frau, Haushalt und was auch immer noch wuppen, aber sie müssen es nicht. Ich möchte mir kein schlechtes Gewissen einreden lassen, wenn ich das alles nicht schaffe. Ich möchte mich in meinen Körper wohl fühlen und meinen Körper nicht in ein fickbares Stück Fleisch „transformieren“ (sic!) lassen. Ich möchte mir nicht einreden lassen, dass ich weniger wert bin, weil mein Körper nicht den Ansprüchen von irgendwelchen Menschen entspricht, deren Welt nichts mit meiner zu tun hat.“

Schön zum Thema ist auch der englischsprachige Text von ‚Spilt Milk‘: ‚I love my body when it is with your body‚. Ein Ausschnitt:

„We are supposed to love ourselves. Somewhere between self-help books and liberal feminism lies the rhetoric of body image and self care. Platitudes about living mindfully in one’s skin, being gentle with oneself, celebrating individuality, finding ‘inner beauty’ sit alongside both the cynicism of beauty short-cuts and the politics of female empowerment. It’s feminist to love yourself. It’s also, conveniently, supposed to make you more fuckable.

What we forget sometimes, is that love is not distributed equally. Not everyone was taught that they were worthy of love.

Those of us with marginalised bodies and identities have heard it before; you will be happy if you love yourself. You will be loved if you love yourself. You will be more attractive if you just believe in yourself.

This message still spreads as insidiously as those fake weird tips to lose belly fat fly around the internet. But it seems to me that it is most often those coming from a position of recognisable lovability, if not fuckability, who are saying this. Married women. Celebrity women. Economically powerful gay men. Syndicated columnists. Comfortably middle-class white women. Dove commercials. Unsurprisingly, from fat activists, trans writers and disability activists a more nuanced discussion emerges, one which leaves space for ambivalence towards bodies which sometimes hurt to inhabit.“

13 Kommentare leave one →
  1. Januar 5, 2014 1:18 pm

    Von deinen aufgezählten Punkten finde ich besonders ihre ineinander greifende Kombination perfide … wenn ich zB von einer Freundin erzählt bekomme, dass sie nach der Schwangerschaft um 15 kg weniger hat als vorher und sie sich so freut darüber – was soll ich antworten, um ihre freude nicht zu zerstören und gleichzeitig ihren früheren körper nicht zu bewerten und und und. dann denke ich an dein 1., 2., 3. und 4. – mich würde interessieren, wie andere im alltag mit solchen gesprächen umgehen..
    „I’m glad you asked“: http://www.themilitantbaker.com/2013/10/my-excuse-im-glad-you-asked.html ist übrigens eine lesenswerte Antwort an Maria Kang.

  2. Januar 5, 2014 1:45 pm

    Danke für den Link! Und die aufgeworfene Frage – die sehr gut ist. Ich muss leider sagen, dass ich das im Alltag nicht unbedingt gelöst habe bzw. oft ziemlich harmonie-orientiert vorgehe und mich dadurch nicht mit Ruhm bekleckere. Ich zerstöre ungern die Freude von Freund_innen und weiß auch nicht weiter – denn wenn man z.B. sowas sagt wie ‚davor sahst Du doch auch toll aus‘ ist das ja auch eine Beurteilung der Attraktivität von Außen. Wenn ich selbst so zweifelhafte Komplimente bekommen hab, wusste ich auch nicht, was ich tun soll – vor allem wenn es sich um flüchtige Bekanntschaften handelt. Einmal hab ich tatsächlich auf meine feministische Haltung verwiesen, was das Gespräch nicht unbedingt einfacher machte.

  3. Januar 5, 2014 2:06 pm

    … und wer will schon andauernd hören, dass die eigene Selbst-Wahrnehmung so von außen geprägt und manipuliert ist? Das würde mich doch selber nerven, wenn ich mich über meine Äußerlichkeiten beklage und mir dann erklärt wird, ob ich eh wisse, warum ich das so und so beurteile und lieber so und so aussehen möchte. Ein blödes Dilemma! Ich glaube, der Alltag eignet sich für solche Gespräche überhaupt nicht. Und dabei münden alle theoretischen Überlegungen doch wieder nur in dem, wie es sich dann im Alltagsleben anfühlt… Vielleicht ist es auch so schwer, weil ich selber nicht überzeugend das lebe, was ich gerne würde und ich mich ja auch besser gefühlt habe, als mein Körper wieder so war wie vor der Schwangerschaft (zumindest der oberflächlich ersichtliche Teil). Ich bin ja nur froh, dass die Schwangerschaft bei mir nun schon so lange aus ist, dass sich Leute, die mich länger nicht gesehen haben, nicht andauernd bemüßigt fühlen, meinen Körper zu kommentieren.

  4. Januar 5, 2014 10:52 pm

    Hat dies auf Michis Blog. rebloggt und kommentierte:
    vielen dank dafür! und ich dachte schon mit mir würde etwas nicht stimmen, weil ich mich diesem [hier beiliebiges attraktivitäts-synonym einfügen]-wahn anschließe.

  5. Januar 6, 2014 8:21 pm

    Irgendwie is es eigentlich fast schon egal ob vorher Schwanger oder nicht. Denn dieses „Frauenbild“ wird ja ständig überall, vorallen in der Werbung produziert.
    Ich lebe im Geburtenstärksten Viertel Deutschlands – manchmal komme ich mir vor wie im Viertel der Müttermafia, wenn wieder mal 3er, 4er Grüppchen mit Kinderwagen und Tagesmütter/VäterKnoten den Fußweg versperren…aber das tut nix zur Sache..
    Ne, was ich eigentlich erzählen wollte. Bei uns hier im Viertel haben die Mütter solche Probleme nicht wirklich. Ich bin seit Jahren nur noch von Müttern umgeben und nicht eine hat irgendein Übergewichtsproblem…da gibts echt andere Themen.
    Mich stört das produzierte Frauenbild trotzdem, denn die ganze ScheißWerbung hängt auch an unseren Haltestellen.
    Aber was ich mich auch frage so als nicht Mutter: mir fällt imemr auf das die ganzen frischgebackenen Muttis irgendwie total schick und oft auch extra Sexy (alternativ) rumlaufen. Schicke neue Stiefel, möglichst Rock und Kurz etc. irgendwie sehen Sie oft aus wie neu ausgestattet, also auch persönlich nicht nur mit Kinderwagen/Tragetuch oder wie das andere Dings heißt was mich sich so vor den Bauch schnallt. Mich wundert das total. Kriegt man nach der Geburt so ein CoolnessSexyMotherHormon? (eigentlich bin ich nur neidisch). ne, aber ganz ernst mal, is das nur hier so oder kennt Ihr das auch?

    • Neeva permalink
      Januar 11, 2014 12:11 am

      Über ein spezielles Hormon weiß ich nichts, aber die Herausforderung Schwangerschaft und Geburt gemeistert zu haben, führt nach meiner Erfahrung durchaus bei vielen zu einem guten Selbstgefühl, was sich dann auch auf den Körper erstreckt.

      • Januar 11, 2014 8:25 pm

        Ok, das könnte eine Erklärung sein… DANKE für die Idee. Das irritiert mich nämlich immer wieder.

    • Drachenweib permalink
      Mai 12, 2014 10:31 pm

      Hallo🙂 ,

      Ich erlebe das betont schicke Auftreten, eher als den Versuch, aller Welt zu zeigen, das man eben nicht „so eine “ ist, die sich nach der Geburt gehen lässt. Das entnehme ich den Unterhaltungen mit Frauen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die kleine Kinder haben. Ein gutes Körpergefühl als Grund wäre wunderbar, aber es entspringt doch eher dem Versuch, schnell wieder als fuckable betrachtet zu werden. Ich selbst betrachte mich schon als feministin( wenn ich auch beim lesen entsprechender Artikel und Bücher immer wieder feststellen muss, das meine Gedanken und Gefühle keineswegs so frei sind, wie ich sie gerne hätte) aber mein Umfeld ist eher „normorientiert“ – was hier erwähnt wird, um eine Differenzierung der Antworten zu ermöglichen, denn wer in einem generell eher feministischen Umfeld lebt, trifft eher auf Frauen die Stolz und frei ihren Körper betonen, eben weil sie ein ganz neues Körpergefühl geniessen.

      • Mai 13, 2014 8:07 am

        Danke für deine Antwort..und ja stimmt das könnte passen…diese Muttis sind auch immer am machen..unglaublich, da komme ich mir immer ganz „faul“ dagegen vor…und ja so Perfektionismustriebfeder kann ich mir da gut vorstellen, leider habe ich die auch, aber ich arbeite dran. Der erste Schritt ist das Bewußtwerden. Da fallen mir auch gleich die ganzen Mamas ein die die ganze Zeit zusätzlich damit beschäftigt sind ihr Heim schön zu machen…boah ich muß sagen mein Umfeld ist so was von Nicht- Feministisch, ich bin so ziemlich die einzige im Umkreis. Und ich kenne auch fast niemanden in Live der sich überhaupt mit dem Thema beschäftigt. Aber diese Hausfrauchen hier…das läßt mich immer wieder irritiert staunen und ehrlich gesagt auch belächeln…also ich finde es extrem spießig…was für die die ich meine ein schlimmes Schimpfwort ist.
        JA, es ist schwer aus Jahrhundertelanger UNterdrückung und Erziehung rauszuwachsen. Wenn ich Frauen treffe die Stolz und Frei ihren Körper betonen, was äußert selten vorkommt, hat das nie diese Art von Sexisness. Ich lege auch ziemlich viel Wert auf schön angezogen sein, aber auch auf Bequemlichkeit. Und es gibt diese MinirockoderLegginssexyness, die ich mehr als verstörend finde weil Sie immer mehr um sich greift, auch bei den Jungen Frauen. Und es gibt diese Ausstrahlunge, ja von Stolz, ich nenne es das Königinnengefühl…das geht auch mit Gummistiefeln weil es vin Innen kommt.🙂 Liebe Grüße

  6. Januar 9, 2014 3:39 pm

    Die Strukturen beschränken uns, das Existenzialistische gibt uns alle (praktisch umsetzbaren) Möglichkeiten. Tocotronic sagte „Es ist nicht schön, allein zu sein…“, gerade nicht wenn man mit sozialen Verhältnissen oder Situationen nicht einverstanden ist bzw. es nicht ignorieren will. Wir brauchen so viel öffentliche (private natürlich auch) kritische Solidarität, dass wir uns oft nicht mehr alleine fühlen, wenn wir versuchen, Missstände anzusprechen und etwas zu verbessern. Öfters bin ich in konkreten Situationen im Gefühl des Alleinseins gegen die Strukturen, oder gegen eine große Mehrheit von Menschen, die scheinbar von der Richtigkeit des (für mich) Unvernünftigen überzeugt sind. Aber wir sind nicht allein. Das sollten wir uns gegenseitig klar machen. Ohne dabei selbst immer Einigkeit im Inhalt oder gar im Detail haben zu müssen. Die Möglichkeit bzw. das Konzept der kritischen Solidarität ist hier wirklich wertvoll. Zeigen wir uns immer wieder, dass wir an eine Verbesserung der Strukturen und der (direkt spürbaren) konkreten Situationen glauben. Vom Netz, als wichtigem Kommunikationsmittel, in dem wir uns gegenseitig inspirieren (lassen), in die Welten – der privaten unterschiedlichen Situationen und der öffentlichen Diskurse.

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