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Die Sache mit dem Geld

September 25, 2013

Bis 1957 durften eine verheiratete Frau in Deutschland kein eigene Konto eröffnen, wenn der Ehemann das nicht erlaubte. Bis 1977 durften sie nicht ohne seine Zustimmung erwerbstätig sein. Es war die Norm, dass Eltern verheiratet waren, dass das (Haupt-)Einkommen vom Ehemann stammte, das Geld gemeinsam verbraucht wurde und die Frau abhängig war.

Das mit der Ehe verändert sich zunehmend, von 1997 bis 2004 steigerte sich die Zahl der unverheirateten (heterosexuellen) Paare um 34 %. Dass eine solch verstaubte Institution wie die Ehe zurückgeht ist ja eigentlich begrüssenswert. Wenn da nicht ein Problem wäre. Denn was sich nicht wirklich veränderte, ist die Sache dem (Haupt-)Einkommen, besonders bei Paaren mit Kindern. Nach wie vor herrscht bei 53 % der unverheirateten Paare klassische Rollenverteilung: der Mann ist also meist Vollzeit und die Frau Teilzeit, per Mini-Job oder gar nicht berufstätig. Im Fall einer Trennung erhöht das das Armutsrisiko für viele Frauen massiv. Zugleich stellt sich aber auch die Frage, wie das Geld verteilt wird, während das Paar (noch?) zusammen lebt.

Wie macht das der statistische Hauptverdiener und die Neben- oder Nicht-Verdienerin? Und wie macht man es selber? Gibt es ein gemeinsames Konto? Und ist das nur dazu da, Lebensmittel und Miete zu bezahlen? Oder wird damit alles bezahlt, also auch Eiskaffees, Bahnfahrten, Rotwein und Sommerschuhe? Ist es das gemeinsame Konto das einzige, oder gibt es noch zusätzlich zwei getrennte? Und wird auf denen abhängig vom Einkommen gespart? Bedeutet das, dass sich der Hauptverdiener z.B. den teuren Wintermantel kaufen kann und dass die Nebenverdienerin lieber die Jacke von vor drei Jahren weiter aufträgt? Oder kauft ihr der Hauptverdiener von ’seinem‘ Ersparten eine neue Jacke? Und, wenn ja, wie geht sie damit um? Fühlt sie sich abhängig und schuldig oder kann sie das nüchtern als ‚ihr‘ Geld betrachten, weil sie ja mehr Arbeit in die Kinder steckt?

Solche Fragen treiben mich schon lange um. Vor allem hat sie aber ein Text von ‚Aufzuhenspitzen‘ aktuell gemacht: ‚Getrennte Rechnungen – jein

 Ich lebe mit dem Vater des Kindes in einer Beziehung, aber wir sind nicht verheiratet. Wir hatten unsere Konten immer genau getrennt und rechneten im Alltag ziemlich alles WG ähnlich ab. Bis vor zwei Jahren. Mit der Geburt von K. und den bevorstehenden zwei Jahren geteilter Karenzzeit mussten wir ein neues Finanzsystem finden, das halbwegs gerecht und praktikabel war – und uns dennoch unsere gegenseitige Unabhängigkeit, die wir in der kinderlosen Beziehung so geschätzt hatten, bewahrte. So perfekt die gefundene Lösung war, so mühevoll erstritten war sie. Wir betraten Neuland. Jetzt – kurz vor dem Ende der Karenzzeit – stürzten wir uns wohl oder übel in einen neuen Aushandlungsprozess. (…)

Und dabei geht es mir im Moment noch nicht einmal um meine “Was wenn”-Minipension. Es geht mir auch darum, wie es praktikabel gelingen kann, getrennte Konten inklusive gemeinsamer Familienausgaben und gleichberechtigtem Privatausgaben-Pot zu organisieren, wenn die Einkommen entsprechend der unterschiedlich Arbeitszeiten unterschiedlich hoch sind. Nicht zur Bittstellerin werden. Unabhängiges Agieren zulassen. Gemeinsam den Überblick haben.

Es geht darum, Situationen zu vermeiden, in denen der eine Part am Ende des Monats möglicherweise sogar etwas ansparen kann (für die Familie?) und der andere Part, immer wieder um Geld bitten muss

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8 Kommentare leave one →
  1. leserin permalink
    September 25, 2013 7:03 pm

    Danke für deine zeilen, das umfasst echt gut die ganze problematik. dieses thema ist ein schleichender prozess, der oft gar nicht richtig in einer beziehung thematisiert wird. das fängt als kinderloses, meist unkompliziertes jederfürsichsein an und steht dann als unromantische grauzone immer mehr im raum.

  2. Gerechtigkeit permalink
    September 26, 2013 10:17 pm

    Gut beschrieben. Bei uns (3 Kinder, unterschiedliche Einkommen): Alle fixen Ausgaben, d.h. Kosten für Wohnen, Verkehrsmittel, Rente, Abos, Vereine, Telefone, Kinderbetreuung etc. sind notiert und werden, egal von wem bezahlt als Beitrag zu gemeinsamen Kosten gewertet. Dazu gerechnet kleine Rücklage für Notfälle und monatliche Füllung des gemeinsamen Haushaltskontos. Der vom zusammen gerechneten Einkommen verbleibende Rest wird durch zwei geteilt und soll somit auf beiden ‚privaten‘ Konten in gleicher Höhe als privat verfügbares ‚Taschengeld‘ übrig sein.
    Errechnet wird für beide Personen die Summe, die sie monatlich den gemeinsamen Ausgaben beisteuern muss (unterschiedlich hoch), damit hinterher beide den gleichen Rest haben. Soweit die Theorie. Fühlt sich einigermaßen gerecht an und gibt kein „Betteln“.

  3. Oktober 4, 2013 10:56 am

    Finde ich ein Superwichtiges Thema. Leider wollen die meisten menschen nicht darüber reden. Hatte in meinem Umfeld auch mal nachgefragt wie das so gehandhabt wird und nur sehr wenig klare Antworten bekommen. Ich finde es gerade für den der weniger hat, und das ist meistens die Frau, ziemlich schwierig. Und bin auch für gemeinsame Kasse. So das man auch nicht ständig darauf hingewiesen wird das man weniger an Geld hat.

  4. Anika Schlie permalink
    Oktober 7, 2013 1:13 pm

    Mein Mann und ich leben mittlerweile in der klassischen Versorger-Ehe. Alles Einkommen fließt auf ein Konto. Davon wird alles bezahlt: Essen, die Raten für unser Haus, Versicherungen, Kleidung…. Größere Anschaffungen werden gemeinsam besprochen. Außerdem hat jeder von uns ein eigenes Konto, auf das monatlich jeder sein Taschengeld bekommt (jeder den gleichen Betrag). Streit ums Geld gibt es bei uns so gut wie nie. Und mein und dein Geld sagen wir auch nur wenn es ums Taschengeld geht. Ansonsten ist es unser Geld, egal wer wie viel verdient. So lief es auch schon, als wir noch keine Kinder hatten. Ich habe mich meinem Mann gegenüber auch noch nie als Bittstellerin gefühlt.

  5. gaby post permalink
    Oktober 7, 2013 1:30 pm

    Yep. So machen wir das auch. Dafur gibt es einmal pro Jahr ein Diskussion uber den Budgetplanning von das Gesamtkonto 🙂 Unsere Gehalten sind am Moment noch fast gleich. Wahrend der Elternzeit (2 Kinder) (Elternzeit haben wir 50/ 50 geteilt, je 7 Monate) hat derjenige der nicht in Elternzeit mehr bezahlt. Bei Freunden von uns arbeitet der Frau am Moment weniger . Sie haben der Einbezahlung auf das Gesamtkonto mit ein Prozentsatz kalkuliert. Wann ein 3000 Euro netto macht und der andere 2000 netto –> 3000/ 5000 * budget etc. Damit hat jede noch sein Taschengeld.

  6. Oktober 7, 2013 1:51 pm

    Zwei Kinder, zusammen wohnend, nicht verheiratet. Klassische Rollenverteilung, ich verdiene mehr, habe auch eine volle Stelle; meine Frau (ja, ich nenne sie so, obwohl wir nicht verheiratet sind) arbeitet 3/4. Kein gemeinsamens Konto, stattdessen sind die monatlichen Fix- und andere Unkosten einfach ungleich und damit halbwegs gerecht verteilt. Ich zahle die komplette Miete, meine Frau KiTa-, Rundfunkgebühren u.a. Wenn sich die Einkommen etwas verschieben, dann wird das eben ausgeglichen: ab jetzt zahle ich statt du – oder wir kündigen das Zeitungsabo direkt.

    Betteln geht gar nicht und wird so möglichst vermieden.

  7. Dora permalink
    Oktober 10, 2013 8:55 pm

    Wir haben eigentlich seit dem wir als Paar in einer Wohnung leben, immer alles an Verdienst in einen Pott getan und dann die Fixkosten beglichen. Den Rest mal auf „Taschengeldkonten“ verteilt und gespart und nun verzichten wir ganz auf „dein“ und „mein“ und nehmen das was jeder braucht. Zusätzlich gibt es ein Sparkonto. Das geht aber nur deshalb gut, weil keiner von uns ein besonders teures Hobby hat. Größere Anschaffungen werden besprochen. Im Falle einer Trennung würden wir alles zu 50 Prozent teilen. Das ist ausgehandelt. Dies hat so funktioniert in Ausbildungs- und Studienzeiten und Elternzeit (beim ersten Kind gleich aufgeteilt,beim zweiten wird es die 12+2 Aufteilung), also mit sehr unterschiedlichen Einkommen. Wir sind mittlerweile verheiratet, aber das ist eigentlich nicht von Interesse in diesem Punkt. Mein Mann und ich arbeiten auch beide Teilzeit, so dass wir relativ gleich viel Arbeits-/Zuhausezeit haben.
    Ich komme aus einem Elternhaus mit einem sehr dominaten Vater, der das Geld in der Hand hatte und einer Mutter, die nach den Erziehungsjahren und Teilzeitstelle auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hat und von 800 Euro im Monat leben muss (geschieden).
    Ich musste erst über diese Taschengeldkonten mir und uns sicher werden, dass weder ich, noch mein Partner zu viel aus dem gemeinsamen Topf nehmen. Nun bin ich froh, dass mein Freund/Mann von Anfang an nie seinen Besitz nur für sich haben wollte. Das musste ich lernen. Nun empfinde ich dadurch eine große Sicherheit, da keiner in eine „gefühlte“ abhängige Position gerät.

Trackbacks

  1. Geld, Paarbeziehungen, Kinder (Einzellösungen und die Frage: was ist mit der Rente) | fuckermothers

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