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Männliche Schwangerschaft ist nicht abschreckend

August 12, 2013

Etwas gegen ungewollte Schwangerschaften tun und zugleich daran erinnern, dass Männer genauso für Kinder zuständig sind wie Frauen? Eigentlich eine gute Idee. Dazu Plakate mit jungen Männer zeigen, die einen schwangerem Bauch haben und auf denen der Schriftzug ‚unexpected‘ / ‚unerwartet‘ steht, wie es eine US-amerikanische Kampagne in Chicago tat? Auf den ersten Blick vielleicht eine gute Idee, auf den zweiten aber eine schlechte. Es gab viel berechtigte Kritik an dieser Kampagne, die unter anderem hier nachzulesen ist. Zentral dafür waren vor allem zwei Gründe:

1. In den USA gibt es fast permanent Kampagnen, die versuchen, ungewollte Teenager-Schwangerschaften zu verhindern. Dabei setzen viele Organisationen leider lieber auf Abschreckung anstatt auf Sexualaufklärung oder auf Zugang zu Verhütung und Abtreibung. Das führt jedoch  nur dazu, dass schwangere Teenager stigmatisiert werden. Statt auf politische Zusammenhänge zu verweisen, werden in vielen der Kampagnen nur individuelle Mädchen präsentiert, die scheinbar ‚zu naiv‘ oder ‚zu unvorsichtig‘ waren und deren Leben nun als ‚verpfuscht‘ gilt. In der Kampagne aus Chicago werden nun anstatt weiblicher, männliche Teenager stigmatisiert. Problematisch ist beides.

2. Die Kampagne richtet sich ausschließlich an heterosexuelle und cis-gender Teenager. Mit ihrem vermeintlichen ‚Überraschungseffekt‘ setzt sie voraus, dass Männer nicht schwanger werden wollen oder können. Dadurch werden männliche Schwangerschaften – wie sie etwa J. Wallace oder Thomas Beatie erlebten – zu etwas, was als ‚unnormal‘ und ‚abschreckend‘ gilt. Um solchen transphoben Aussagen entgegen zu treten, hat Das ‚Media Literary Project‘ alternative Plakate entworfen. Statt ‚unexpected‘ ist dort beispielsweise zu lesen „Trans men have babies, too.“ – Trans*männer können auch Babys bekommen.

One Comment leave one →
  1. mom permalink
    August 17, 2013 12:46 pm

    Für mich stellt sich die spannende Frage, wer denn solche Kampagnen finanziert. Sollte es der gemeine Steuerzahler sein – also Menschen wie ich, die verdammt hart arbeiten, damit staatliche Stellen dann lustige Poster drucken und aufhängen lassen können -, dann erwarte ich mir, dass das Geld möglichst sparsam und effizient angelegt wird. Wenn also 90-95% der Menschen, die schwanger werden, heterosexuelle Frauen sind, dann erwarte ich mir, dass eine mit meinem Steuergeld finanzierte Kampagne sich an sie richtet. Der Rest kann sich mitgemeint fühlen. Ich finde nicht, dass jede Mini-Mini-Mini-Minderheit das Recht darauf hat, in staatlich finanzierten Kampagnen persönlich angesprochen zu werden. Wenn irgendwo an der Autobahn ein Poster aushängt mit dem Titel „Schnall dich an“, und ein Mann wird gezeigt, dann ist es doch mir als intelligenter Person zuzutrauen, die Botschaft als auch an mich gericht zu verstehen.
    Wenn hingegen eine private Initiative ihr eignes Geld dafür ausgibt, Poster zu drucken, dann nur zu, macht was ihr wollt. Aber meine Steuergelder bitte möglichst effizient verbraten (und wäre ICH zuständig, würde ich sicherlich nicht glauben, mit irgendwelchen halbgaren Posterkampagnen TEenagerschwangerschaften reduzieren zu können. Aber bitte. Ich bin nun mal nicht zuständig.)

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