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Schöne Kleidung anziehen

Juni 29, 2013

Foto von timlewisnm via flickr (CC-Lizenz)

Foto von timlewisnm via flickr (CC-Lizenz)

Das schlechte Gewissen ist oft ein zweiter Vorname, vielleicht auch meiner. Wer Mode mag, sagt dieses Gewissen, ist viel zu nah dran an Äußerlichkeit, purer Oberfläche, Lookism und an KonsumKommerzKapitalismus. Aber:  So sehr es vollkommen in Ordnung ist, sich nicht das geringste bisschen für Mode zu interessieren (und so sehr Lookism und Kapitalismus zu kritisieren sind) –  so sehr wirkt die pauschal-politische Ablehnung alles Modischen  verdächtig.

Zum einen, weil sie stark nach protestantischer Genußfeindlichkeit klingt. Und zum anderen, weil die Ablehnung stets mit Vorstellungen von Weiblichkeit assoziiert war. Denn die westliche Moderne brachte nicht nur den männlichen Anzug als Zeichen von vermeintlicher Zeitlosigkeit, Nüchternheit und geistiger Tiefe hervor, sondern war auch stets an das Vorurteil gebunden, dass die weibliche Mode eigentlich ‚antimodern‘ sei: zu wechselhaft, zu oberflächlich, zu bunt, zu umständlich, zu frivol, zu geistlos – eben die Eigenschaften, die ‚der Frau als Gattungswesen‘ auch zugeschrieben wurde. Was für die junge Frau noch ein mehr oder minder verzeihenswertes Laster war, war für die ‚gute Mutter‘ ein NoGo: Spätestens mit der Geburt der Kinder sollten, dem traditionellen Ideal gemäß, alle Insignien vermeintlich weiblicher Eitelkeit ablegt werden. Das schlechte Gewissen hat also eine nicht unproblematische Geschichte. Und die Ablehnung von Mode ist ebenso an Geschlechtsstereotype gebunden wie die Mode selbst.

Dagegen hat Mode durchaus ein emanipatorisches oder gar utopisches Potential. Und sieht manchmal einfach gut aus oder ist schön anzuziehen. Deswegen nun einige Favoriten in Sachen hübsche Kleidung im Internet: Anders Anziehen ist ein zu Recht viel gerühmtes Blog. Bei She Style oder TomBoyFemme gibt es einige sehr hübsche Modeorientierungsfotografien. The Handsome Butch und Queer Fat Femme sind sehr sympathisch, auch wenn es da für meinen Geschmack relativ wenig Fashion-Fotos zu sehen gibt. Auf FitForAFemme gibt es dafür viele und Fashion & Style sowie QueerFashion bestehen nur aus Fotos.  Für DIY-Menschen und Schneider_innen (zu denen ich trotz einiger Nähmaschinenversuche nicht gehöre) sind A Pair & A Spare, Kreuzberger Nähte sowie Allures und Couture oft empfohlene Anlaufstellen. Eigentlich nicht nur für Mütter ist Hauptstadtmutti, wo gut angezogene Frauen gezeigt werden, wenn sie sich in Begleitung von Kindern befinden. Ausserdem schaue ich mir manchmal gerne die Bilder von DosFamily und Familiantistas an. Meist ganz ohne schlechtes Gewissen.

5 Kommentare leave one →
  1. Juni 29, 2013 11:31 am

    Vor allem scheint das ein „deutsches Ding“ zu sein, dieses „Entweder-Oder Denken“ bezüglich Aussehen, Emanzipation und Intelligenz! In vielen anderen Ländern der Welt dürfen Frauen durchaus versuchen hübsch auszusehen, ohne das damit bezahlen zu müssen, als oberflächlich abgestempelt zu werden.

  2. Anna permalink
    Juni 29, 2013 6:01 pm

    sehr schön! so hab ich das noch gar nicht gesehn… aber nur weil ich feministisch denke wollt ich auch nicht unbedingt immer in männerklamotten rumlaufen. tja ein zwiespalt geklärt🙂

  3. Oktober 18, 2013 11:44 am

    Ich mag Mode. Und ich interessiere mich für Kleidung/Schnitte UND Politik. „Kleider machen Leute“ das ist heute immer noch so, nur nicht immer mehr so eindeutig wie es früher war. Es ist heute schwerer die Dinge in die Schubladne zu verteilen (zur Orientierung).
    Bei uns gibts SchickiMicki Mütter, dann die AlternativMuttis, die Normalos, Die Natürlichen, die Sportlichen etc. Mode ist irgendwie immer ein Statement was man abgibt. Mit der Kleidung zeigts Du nach Außen u.a. auch wer Du bist. Und manche Modeentwicklung sehe ich mit Argwohn. Denn ich sehe oft Dinge die sehr Mädchenhaft sind, fast schon Infantil, wie z.B. die komischen Mäntel angelehnt an den EmpireSchnitt mit 3/4 Ärmeln – damit ist Frau irgendwie echt nicht ernstzunhemen. Sorgen machen mir auch diese Klumpabsatzschuhe, in denen man wahrscheinlich nicht mal schnell laufen kann. – überhaupt schein tmir die Entwicklung der Mode immer und immer mehr in Richtung Hauptsache Sexy (Frau als Objekt) und Mädchenhaft und vorallem behindernd zu gehen. Ich fände es wenn auch junge Frauen da mal ein bisschen genauer hinschauen würden, anstatt sich dem zu kaufenden Modedikatt zu unterwerfen. In dieser Hinsicht ein ein Hoch auf DIY.
    Ich bin für Schick in meinem Sinne, ohne Zwang aber/und eben auch praktisch.

  4. Oktober 18, 2013 11:48 am

    Hat dies auf Wollerausch -Woolflush rebloggt.

  5. November 23, 2013 12:31 am

    …sehr interessanter und guter Beitrag, mit Verlaub auch für mich als mann…..Ich denke, wer teuer mit schick und günstig mit geschmacklos verwechselt, derjenige wird wahrscheinlich auch verkünden, wer sich gerne modisch kleidet und interessiert – egal ob Frau oder mancher Mann – , der läßt sich grundsätzlich Mode aufdiktieren und verliert an Persönlichkeit.
    Ich habe tatsächlich immer noch den Wunsch, man(n)/Frau würden nicht so schnell auf Grund des Äußeren in der Vereinbarkeit mit Modetrends auf modisches Interesse, Kreativität und schon garnicht auch Persönlichkeit (v.wg. Oberflächlichkeit) schließen.

    Was bleibt, an den eigenen Stil zu glauben und Anfeindungen entgegenzutreten…..oder diesen weniger Beachtung zu schenken…..

    Gruß LUMIC – Micha

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