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Warum ich ging, 2. Akt

April 21, 2013

Der 1. Akt „Brief an Mam´“ beinhaltete sehr viel Erinnerungen und noch mehr Emotionen.

Es sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt, dass es sich hierbei nicht um irgendeine Art Mother Blame handelt.

Wie auch!

Meine Kinder werden irgendwann die Möglichkeit besitzen, viele ihrer Probleme an unserer Beziehung auszumachen.

Auch ich kann nur immer wieder hoffen, dass es wiederholt zu Aussprachen kommen wird und wir gemeinsam Dinge aufarbeiten werden.

Warum ich ging.

  1. Akt Brief an meine Zukunft,

Ich will mehr vom Leben als eine von vielen Teenager-Müttern sein, die es nicht geschafft haben, einen Abschluss zu machen.

Als ich mit 17 Jahren schwanger wurde, haben er und ich und ich mir im ganz Besonderen geschworen, dass ich später einmal irgendeine Ausbildung nachholen werde. Oder einen Abschluss. Das es nicht das Ende sein muss, nur weil ich früh schwanger wurde….

Jetzt (2003) sieht alles anders aus….

Die Kindergärten sind nur von 8 Uhr morgens bis 12 Uhr Mittags geöffnet. Die kleine Nachmittagsgruppe kostet extra. Und selbst wenn…. wie soll man denn mit zig anderen Müttern von 8:30 bis 11:30 einen Job finden?

Das kleine Kind hat noch nicht einmal einen Kindergartenplatz. Den bekommt es erst ab drei 3 Jahren. Noch ist es zu klein. Zu klein für was frage ich mich?

Und wenn erst einmal 4 weitere Jahre vergangen sind, die Schulzeit für meine Kinder beginnt… soll ich dann den Rest meines Lebens in Aushilfjobs rumdümpeln?

Ich habe mir in den letzten 5 Jahren bereits einen Putzwahn angeeignet und das viele zu Hause sein macht mich depressiv. Ich halte jetzt jeden Nachmittag mein Schläfchen, bin schlecht gelaunt und putze täglich das Bad. Sogar die Fließen und die Duschkabine. Es macht mir langsam Angst. Ich hangel mich so von Stunde zu Stunde und von Tag zu Tag.

Meine Schwiegermutter hat mir letztens gut gemeint unterbreitet, ich solle, wenn sie älter ist, ihren Laden übernehmen.

Ich bekomme Angst.

Ich bin 23 Jahre, 2fache Mutter, Hausfrau und gehe einmal die Woche nachts in einer Diskothek als Garderobiere arbeiten. Wenn die Kinder alt genug sind, soll ich also wieder bei Schwiegermutter im Verkauf tätig sein und das dann für den Rest meines Lebens.

Aber ich will das nicht.

Ich will träumen.

Ich will an meine Grenzen gehen.

und ich will auch die Trennung von meinen Partner.

Ich nehme in kauf, dass ich diese Geborgenheit vielleicht nie wieder finden werde. Ich riskiere dass so ein Mann, der mich liebt, beschützt, mich zum lachen bringt, der der Vater meiner Kinder ist, vielleicht nie wieder in mein Leben kommt.

Und dennoch: Es sehnt mich danach mein Leben, dieses jetzt und hier, zu kosten. Um jeden Preis.

...Zukunft, nenn mich Egoistin.

Nachtrag:

Zu diesem Zeitpunkt stand nur fest, dass ich Veränderung brauche. Nicht das ich unsere Kinder bei ihrem Vater lassen werde.

Diese Auseinandersetzung kam erst auf, als wir uns in der Trennung befanden.

Auch möchte ich noch einmal auf die fehlende Möglichkeit meiner beruflichen Situation im Besonderen eingehen.

Viele verstehen gerne meine Biographie als Reaktion einer zu frühen Mutterschaft und glauben, ich hätte mich erst noch „austoben“ sollen.

Dies ist aber nur eine weitere Mutterdoktrin, welche Frau nur eine minimale Zeitspanne für´s Gebären anrechnet und diese Betrachtungsweise halte ich für unglaublich kurz gefasst und oberflächlich. Das Fehlen einer Zukunft in meiner Situation als junge Mutter hat mich immer mehr beschäftigt und verzweifeln lassen. Ich hielt es für unglaublich, dass ich nur auf Grund meiner Kinder keine Möglichkeit mehr hatte, innerhalb der Gesellschaft zu stehen; dass ich kein Anrecht auf Bildung mehr zugesprochen bekam. „Du hättest es dir mit den Kinder kriegen überlegen sollen und erst eine Ausbildung machen können“ hieß es. Ich sollte mich mit meiner Situation zufrieden geben.

2 Kommentare leave one →
  1. Gnom permalink
    Mai 24, 2013 9:04 am

    Mir fällt dazu nur ein, wie es 2009 in NRW aussah. Hier gibts es nun das so genannte Online-Abitur, bei dem man „nur“ an 2 Abenden in der Woche in die Schule muss und den Rest zu Hause selbst erarbeitet. In meiner Klasse waren einige Mütter,und ein paar werdende Mütter. Aber vor allem jede Menge ganz individuelle Biografien und Lebensentwü+rfe und zum ersten Mal in meinem Leben nicht lauter (un)ausgesprochene Vorwürfe. Es scheint, als wäre doch ein bisschen Wandel der Strukturen zu erkennen. Ich finde den Weg, den Sie gewählt haben dennoch für sehr sehr mutig. Und ich bin dankbar, dass Sie dies mir der Allgemeinheit teilen. Grüßen Sie mir die Heimat. Berlin ist und bleibt die Schönste Stadt für mich

  2. Saphira permalink
    Oktober 7, 2013 1:06 pm

    Ich bin auch frühe Mutter – nicht ganz so jung wie sie, aber auch (21 war ich grade mal so).

    Ich habe mein erstes Kind mit in die Arbeit genommen, in der Schwangerschaft mit dem zweiten Kind habe ich dann von zu Hause aus gearbeitet.

    Es geht. Mutter sein und arbeiten lässt sich vereinen. Ich habe halt zu atypischen Zeiten gearbeitet. Etwa von 22:00 bis 03.00 Uhr und hab dann halt mit den Kindern Mittagsschlaf gehalten. Und nein, meine Familie hat mich nicht wirklich unterstützt. Ja, ich habe mich in der zweiten Schwangerschaft vom Vater der Kinder getrennt.

    Ich finde deine Einstellung etwas extrem, aber mutig. Vielleicht auch ein bisschen rücksichtslos den Kindern gegenüber und deinem Partner.

    Ich verstehe aber auch, dass es dir nicht ums „Ausleben“ deiner „Jugend“ geht.

    Was ich nicht verstehe ist, dass du den Parnter, der dich unterstützt und dir Halt gibt verlässt. Mit seiner Hilfe wäre es vielleicht langsamer gegangen, aber gegangen wäre es trotzdem. Auch ich habe vor eine weiterführende Ausbildung zu machen. Bis dahin mache ich zwar keinen hochqualitfizierten Job, aber er bringt gutes Geld und bereitet mich auf die Zukunft vor.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall verständnisvolle Kinder, mit denen du dieses Thema in Ruhe ausdiskutieren kannst. Und, dass du deine Ziele verwirklichst, weil dir diese Entscheidung vielleicht irgendwann, wenn du steinalt bist, leid tun wird.

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