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Gossip bei der Kita-Suche

Februar 9, 2013
Keine Kita. (Foto: Fuckermothers)

Keine Kita. (Foto: Fuckermothers)

Randomly zusammengetragene Stimmen und Gerüchte, die mir so bei der Kita-Suche in Berlin-Kreuzberg untergekommen sind (und im Bewusstsein, dass diese Suche hier – im Vergleich zu anderen Regionen – noch durchaus ‚luxuriös‘ ist):

– „Ich habe angefangen mich auf Wartelisten einzutragen, als ich im dritten Monat schwanger war. Trotzdem habe ich noch keinen Platz. Die meisten Krippen-Plätze sind schon an Geschwisterkinder vergeben. Bei einer Kita kamen 100 Bewerber_innen auf 10 Krippen-Plätze.“

– „Eine Kita-Leiterin erzählte mir, dass der Kinderladen ‚klein und stark‚ in der Straße nebenan schliessen muss, weil die Miete zu sehr heraufgesetzt wurde (fun fact: seit 2007 sind die durchschnittlichen Mieten in Berlin um über 30 % gestiegen). Die Eltern haben nun neue Plätze für ihre Kinder gesucht und bei ihrer Kita angefragt. Sie konnte ihnen aber auch nicht helfen, weil alles voll war. Schließlich wendeten sich die Eltern mit der Bitte um Unterstützung an das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Das Amt erklärte, dass es keine Hilfe geben könne, da der Bezirk laut seiner Statistik  mit ausreichend Kita- und Krippenplätzen ausgestattet sei. Wie eine solche unrealistische Statistik genau zustande kommt, konnte sich die Leiterin auch nicht erklären.“

– „Ich habe jetzt einen Kita-Platz in einer Kita, in der mir der Erzieher gleich bei der Besichtigung sagte ‚Sie haben Angst, dass Ihr Kind von den älteren Kindern niedergerannt wird? Das wird bestimmt auch vorkommen. Wir haben nicht genug Personal um das zu verhindern.‘ Mein Sohn ist relativ groß für sein Alter, deswegen hoffe ich, dass er nicht so leicht umgerannt wird. Ausserdem war es sehr schwer, überhaupt einen Kita-Platz zu bekommen, besonders einen, der auch noch zu meinen Arbeitszeiten passt.“

– „Der Betreuungsschlüssel unserer Kita ist eigentlich ganz OK, das Problem ist nur, dass oft Betreuerinnen krank werden und es dann keinen Ersatz gibt. Es kursiert so eine seltsame Geschichte, dass ein Kind auf einem Kita-Ausflug einen Unfall hatte. Es musste notoperiert werden. Irgendwie wurde vergessen, die Eltern zu informieren – die erfuhren erst davon, als sie das Kind nachmittags abholen wollten. Die Kita-Leitung möchte aber keine Details über diese Geschichte heraus geben. Ich weiß deswegen nicht genau, ob es wirklich so geschehen ist. Aber es hinterlässt ein ungutes Gefühl.“

– „Bei einer – wahrscheinlich ebenfalls wegen Überfüllung erfolglosen – Kita-Besichtigung erklärte mir eine Erzieherin, dass momentan viele Rechtsanwälte Sammelklagen vorbereiten. Eltern, deren Kinder ab August dieses Jahres keinen Platz bekommen würde, könnten sich den Klagen anschliessen und einen Teil des verlorenen Gehalts einfordern. Derartige Klagen dauerten allerdings einige Zeit. Wovon man in den Monaten leben sollte, in denen man wegen der fehlenden Kinderbetreuung kein Geld verdienen könne (und was passiere, wenn man deswegen seinen Job verliere) sei natürlich ein Problem. Das würden die Klagen auch nicht wirklich lösen.“

9 Kommentare leave one →
  1. Februar 9, 2013 1:10 pm

    Kommt mir bekannt vor… und wir haben hier in der Schweiz noch nicht mal ein Anrecht auf einen Platz😐
    Dafür gibt es jetzt KiTa-Platz-Tauschbörsen, wo Eltern, die einen Platz ergattern konnten diesen solange mit anderen Eltern abtauschen können, bis sie ihren Wunschplatz haben.

  2. Februar 9, 2013 2:01 pm

    dabei klingt berlin immer noch wie das paradies, verglichen mit köln…

  3. Februar 9, 2013 5:27 pm

    Seufz.

    Und da war die Bekannte, die mir erzählte, dass sie und ihr Partner jetzt in verschiedenen Adressen gemeldet sind, damit sie als Alleinerziehende schneller einen Kitaplatz bekommt.

  4. Februar 10, 2013 1:14 pm

    Auch hier im Süden der Republik ist die Lage schlimm, wahrscheinlich sogar bissl schlimmer (erzkatholische und konservative Gegend: Du willst Dein Kind in den KiGa abgeben? Schäm Dich!).
    Das Fatalste an dieser Situation ist aber Folgendes: Wenn sich 5-8 Kinder im Durchschnitt um einen KiGa-Platz „bewerben“, dann ist das, ja genau: Ein erstes Bewerbungsgespräch. Man bekommt ein Termin zum Gespräch mit der Leiterin und das Kindlein möge sich dann bitte von der besten Seite zeigen, damit man den Platz auch bekommt. Wie scheiße ist das denn? Die Kleinen sind meist noch nicht mal 3 Jahre alt und werden schon in solch eine gemeine Wettbewerbssituation geschmissen!!!

    Viel Glück (sofern es bei Euch im Moment akut ist) und frustrierte Grüße,
    Stefanie

  5. Februar 13, 2013 10:55 am

    Ja, es sind wirklich komische Situationen, die sich überall im Lande abspielen. Nirgends wird soviel Geld verplempert und doch an der falschen Stelle gespart. Die lesenswerte Titelgeschichte vom Spiegel (4.2.13) sollte man nicht unbedingt vor dem Einschlafen lesen. https://magazin.spiegel.de/reader/index_SP.html#j=2013&h=6&a=90848686

  6. Februar 14, 2013 2:07 pm

    Eine Freundin von mir, studierte Juristin, im Referendariat schwanger geworden, nach Abschluss des Referendariates ein Jahr Elternzeit, dann Jobsuche. Ohne Job kein Anrecht auf Kita-Platz, ohne geregelte Kinderbetreuung keine Chance auf einen Job. Vor lauter Verzweiflung hat sie sich dann auf ihre polnischen Wurzeln besonnen – auch die Eltern ihres Mannes kommen aus Polen – und überall angegeben, dass das Kind zu Hause nur Polnisch spricht und keine Chance hat, bei ihr und ihrem Mann (der wohlgemerkt auch ein Jura-Examen von einer deutschen Uni hat) vernünftig Deutsch zu lernen. Mit diesem Trick hat sie dann einen Platz ergattert, wegen erhöhten Integrationsbedarfes oder so. Und dann klappte auch die Jobsuche. Happy End – aber was für ein Wahnsinn!!!

  7. Lexi permalink
    März 8, 2013 10:54 am

    Das mit der Not-OP kann nicht sein, weil kein Erzieher oder Arzt über so etwas ohne Genehmigung der Eltern entscheiden darf. Keine Panik.

  8. gaby post permalink
    Oktober 7, 2013 2:15 pm

    Ich habe das in voraus auch immer uber prenzlauerberg gehort aber bei beide Kinder hatten wir keine Problemen um Betreuung zu finden. Die Warteliste sind hier tatsachlich lang aber das hat auch damit zu tun das viele Eltern (wir auch) sich bei viele Kita’s oder Kinderladen anmelden. Wir sind einmal gewechselt von Kita. Ich habe dann ca 15 kleinere Kitas angerufen und nach 3 Wochen habe ich 3 platze angeboten bekommen .Da springen auch wahrend ein Jahr mal Kinder ab. War vielleicht auch Gluck.

    Ich wusste gar nicht das ein Student kein Kitaplatz bekommen kann.. gut das das alles noch geklappt hat.

Trackbacks

  1. Was? Das Kind ist schon in der Krippe? «

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