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32 Stunden Vollzeit

Januar 11, 2013

Die Idee von reduzierter Erwerbsarbeit ist wichtig und wurde deswegen hier bereits in_verschiedenen_Versionen vorgestellt. Jüngst schlug etwa auch Andrea Nahles die 30-Stunden-Woche für junge Eltern vor. Es geht es aber nicht weit genug, dies nur für Eltern zu fordern. Vielmehr haben alle Menschen – und so auch die gesamte Gesellschaft – Vorteile, wenn sie weniger lang arbeiten müssten.

Deswegen ist das Interview interessant, das die Soziologin Jutta Allmendinger der – wait for it – ‚Brigitte‘ gab. „32 Stunden sind für mich die neue Vollzeit“ erklärt sie da und führt aus, dies sei nicht nur für Menschen mit Kind gut, sondern:

„Für alle. Wir leben in einer Arbeitsgesellschaft, und alle müssen sich über die eigene Erwerbstätigkeit absichern, Männer wie Frauen. (…) Wir müssen uns weiterbilden, wollen Kinder erziehen, Eltern pflegen und brauchen auch mal eine Auszeit für uns selbst. 32 Stunden in der Woche, gedacht als Durchschnitt über das gesamte Erwerbsleben, erlauben diese Auszeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man Kinder erziehen möchte, wenn beide Partner fünf Tage in der Woche voll erwerbstätig sind.

BRIGITTE: Aber für Paare ohne Kinder funktioniert es.

Jutta Allmendinger: Es funktioniert nicht. Das spüren wir doch alle. Selbst wenn die Geschäfte, der Schuster und die Reinigung noch so lange aufhaben. Jeden Tag voll zu arbeiten plus Überstunden ist auf Dauer nicht zu schaffen. Jeder Mensch braucht und will auch Zeit für Gespräche, Urlaubsplanungen, Freunde, Familie.“

Das Interview ist absolut lesenswert. Auf Facebook gab es allerdings zwei kritische Kommentare dazu, die ich im folgenden wiedergebe.

Zum einen, dass eine 32-Stunden-Woche nur durch ausreichende Bezahlung machbar ist – und dass sich im aktuellen Lohnniveau wohl fast nur Akademiker_innen geringere Arbeitszeiten leisten können.

Zum anderen argumentiert Allmendinger stark mit dem ‚produktiven Kapital‘ von Frauen, also mit ihrer Verwertbarkeit für die Wirtschaft. In den Hintergrund tritt, dass das Ziel der Politik nicht nur in der Wirtschaftsförderung und im Erhalt kapitalistischer Verhältnisse liegen sollte, sondern in Gerechtigkeit und in einem möglichst guten Leben für alle Menschen. Oder, in anderen Worten: „Gut gemeinter Ansatz, aber ich wehre mich strikt gegen diesen kapitalistischen Unterton, der da (beinahe) durchgehend angeschlagen wird. (…) Die Sicht auf die Frau als produktives Kapital finde ich ja immer sehr schauerlich in solchen Debatten. Dann geht es nämlich nicht mehr um die persönlichen Anliegen dieser Frauen, sondern nur noch um das Steigern von der gesellschaftlichen Produktivität, und damit dem Erhalt des Systems des Kapitalismus.“

3 Kommentare leave one →
  1. Januar 12, 2013 3:35 pm

    Danke. Oft liest man auf feministisch geprägten Blogs, dass Frauen nicht in Teilzeit gedrängt werden dürfen und besser die Möglichkeit haben sollten, Vollzeit zu arbeiten. Finde ich auch: Die Möglichkeit haben. Es wird aber oft außer acht gelassen, dass das kapitalistische „40+ Stunden pro Woche arbeiten wie im Hamsterrad“- evtl als Ziel gar nicht für jedeN erstrebenswert ist oder sein sollte, Frau oder Mann.

  2. Januar 17, 2013 3:08 pm

    Also, meine Eltern pflegen will ich sicher nicht. Nach der Erziehung meiner Kinder und Vollzeit-Berufstätigkeit möchte ich nicht wieder anfangen mich abzurackern. Ich fühle mich auch irgendwie nicht dazu verpflichtet, da ich meine Kinder vollständig ohne Unterstützung seitens meiner Eltern erzogen habe.

Trackbacks

  1. Weiterin: weniger Arbeit für alle | fuckermothers

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