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Über Sexualität aufklären (ohne dabei normativ zu werden)

Dezember 8, 2012

Das Kinderbuch ‚DAS machen?‚  bietet Aufklärung, die nicht von Heterosexualität als Norm ausgeht. Es stammt von der Autorin Lilly Axster und der Illustratorin Christine Aebi. Axster erklärt in einem Interview in ‚DieStandard‘ das Ziel des Buches folgendermaßen: „Möglichst viele Kinder sollten sich in dem Buch wiederfinden können. Darum wollten wir ein queeres Buch schreiben, das Sexualität fließend und beweglich darstellt und in alle Richtungen offen ist. Wir wollten weder Heteronormativität noch Vorstellungen von (weißer) körperlicher Normalität bedienen, wie das in vielen anderen deutschsprachigen Aufklärungsbüchern der Fall ist.“

Axster arbeitet auch im Wiener Projekt ‚Selbstlaut‚, das sich gegen sexuelle Gewalt an Kindern richtet. Vom Verein wurde die Broschüre ‚Ganz schön intim‘ herausgegeben, die hier als pdf heruntergeladen werden kann. Sie ist in erster Linie als Grundlage für den Schulunterricht für 6 bis 12 jährige Kinder gedacht und enthält Übungen, Materialien und auch Literaturtipps. Verfolgt wird darin das Konzept der ’sexualfreundlichen Erziehung‘. Diese „akzeptiert Kinder in ihren unterschiedlichen sexuellen Bedürfnissen, Interessen und Ausdrucksformen. Sie vermittelt Kindern, Gefühle wahr und ernst zu nehmen und den eigenen Körper zu akzeptieren.“ Dabei gehr die Broschüre auch nicht – wie leider noch viele Unterrichtsmaterialien – von der irrigen Annahme aus, dass alle Schüler_innen weiß sind und ausschließlich Vornamen wie ‚Tina‘ oder ‚Olaf‘ tragen. Kaum verwunderlich, dass soviel Reflexion und Akzeptanz in konservativen Kreisen auf Widerstand stösst. In Österreich erzürnen sich erwartungsgemäß christliche und rechte Gruppen. Der Standard meldete: „‚Lesbisch‘, ’schwul‘, ‚hetero‘ und ‚trans‘ werden gleichwertig dargestellt“, empört sich die FPÖ – ÖVP sorgt sich um Kernfamilie“. Das macht wohl eher Werbung für die Broschüre.

In Berlin gibt es einen ähnlichen Verein namens ‚Queerformat‚. Der Verein besucht Schulen, bieten Seminare an und stellt auch Materialien zur Verfügung, etwa eine Elternbroschüre oder einen Medienkoffer für Kitas. Sein Angebot liest sich folgendermaßen: „Wir vermitteln Ihnen umfassende Kenntnisse zu den Themen Diversity, Antidiskriminierung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Im Zentrum unserer Bildungsangebote stehen die Förderung von Respekt, demokratischem Bewusstsein und die Anerkennung gesellschaftlicher und sexueller Vielfalt in der pädagogischen Arbeit.“

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4 Kommentare leave one →
  1. Dezember 9, 2012 8:57 pm

    Ja es wäre schön. Es wäre schön, wenn an Kinder gedacht werden könnte und nicht über Familienkonstrukte diskutiert wird. Es wäre schön, wenn jeder Mensch die ihm zustehende Akzeptanz erhielte, egal wie er/sie Sexualität lebt oder leben möchte. In der aktuellen Diskussion geht es aber um Macht: richig – falsch ist ein Ausdruck von Macht. Macht die über eine konstruierte erwachsene Meinung veröffentlicht wird. Auch was, wie und von wem veröffentlicht werden darf ist ein Ausdruck von Macht. Wer Macht über Lebensentwürfe und damit über Sexualität hat, kann steuern. Wer die Macht über das was in österreichischen Schlafzimmern zu geschehen hat und bestimmen kann wer der Norm entspricht, der wird Wahlen gewinnen und dem ist das Kirchenvolk sicher.

    Das ist das eine. Das andere: wer Sexualität nicht lebt (weil pfui) wird alles daran setzen es auch anderen zu vermiesen.
    Das könnte eventuell die ewas überschäumende Fantasie einiger Broschürengegner erklären. So gesehen traurig – aber ich werde es leider noch oft erleben. Es gibt Dinge, die ändern sich nie.

  2. Dummerjan permalink
    Dezember 10, 2012 11:27 am

    Leider werden Fragen Behinderter in diesem Buch nicht behandelt. Bedauerlich. Die Heteronormativität die angeblich unterlaufen werden soll, wird auf anderer Ebene wieder hergestelt.
    Ok, wir sind halt die Superhumans.

  3. Nicola permalink
    Dezember 12, 2012 10:39 pm

    Super, Danke für den Buchtipp, genau so etwas habe ich gesucht.

  4. fiola permalink
    Dezember 17, 2012 1:27 pm

    Wirklich toller Tipp! Die Akzeptanz bezgl. verschiedener sexueller Ausrichtungen und auch kulturellen Hintergründen ist leider immer noch viel zu gering. Überhaupt sollte in dieser Hinsicht gar nciht erst von Akzeptanz geredet werden. Denn dann setzt voraus, dass es sich um etwas Abnormes handelt, was auf die Akzeptanzu nd Tolleranz der Mitmenschen angewiesen ist. Vielmehr sollte die Natürlichekit dessen derart angesehen werden, dass es nciht mehr um Akzeptanz gehen muss.

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