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Computer, Technik & Mädchen

November 26, 2012

Angeblich können Männer Technik, Naturwissenschaft und Computer besser. Diese Festlegung ist sozialisiert und beginnt bereits in der Kindheit. Beispielsweise werden in Spielzeugkatalogen Spielzeuge auf den Bereichen Technik und Handwerk fast immer von Jungen präsentiert, Puppen und Haushaltsgegenstände dagegen von Mädchen. Eine heilsame Ausnahme bildet die schwedische Version des ‚Top Toy‘-Kataloges. Hier wurde Wert darauf gelegt, dass allen Kindern alle Spielzeuge offen stehen. Deswegen wurde in den Abbildungen auf die sonst übliche strikte Geschlechtertrennung verzichtet.

Auch einige Computerspiele haben nur männliche Helden (und zeichnen sich auch sonst durch Sexismus aus). Damit signalisieren sie potentiell interessierten Mädchen, dass ‚das nichts für sie ist.‘ Für das Spiel Windwalker aber gibt es nun Abhilfe: Ein Vater, der es mit seiner Tochter Maya spielte, war genervt, dass es nur eine männliche Hauptfigur gab. Er wollte nicht, dass sie mit dem Gedanken aufwächst, dass Mädchen keine Heldinnen sein können. Zunächst machte er die ‚Gender-Übersetzung‘ nur mündlich, wenn er ihr den Text auf dem Bildschirm vorlas – schließlich programmierte er das ganze Spiel um:

„It’s annoying and awkward, to put it mildly, having to do gender-translation on the fly when Maya asks me to read what it says on the screen. (…) I’m not having my daughter growing up thinking girls don’t get to be the hero and rescue their little brothers.“ Hier gibt er nun eine Anleitung, wie die Pronomen des Spiels verändert werden können, so dass im Text nun ’sie‘ statt ‚er‘ beziehungsweise ’she‘ statt ‚he‘ steht.

Einen anderen Weg geht die Ingenieurin Debbie mit ihrer Spielzeugidee ‚Goldieblox‘. Sie möchte damit Mädchen für Naturwissenschaft und Technik begeistern und sammelt momentan über ein Video Geld, um das Projekt zu realisieren. Ich bin unentschieden, was ich von Video und Idee halte. Das Vorhaben an sich ist sicherlich unterstützenswert und ich kenne viele Menschen, die von dem Video gerührt und begeistert sind. Für meinen Geschmack ist es allerdings etwas zu kitschig und ich hatte den Eindruck, dass es mit einigen Stereotypen arbeitet (a la: ‚Mädchen mögen Prinzessinen, Rosa und lesen gern‘). Ein notwendiger Schritt hin zu mehr Gleichheit oder eine Verstärkung von Differenzen?

In eine ähnliche Richtung geht das Computerspiel ‚MINT-Land‘, Es wurde an der ETH Zürich entwickelt und soll das Interesse von Mädchen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik wecken. Schön wären allerdings, wenn auch umgekehrt Spiele entwickelt würden, die Jungen für Putzen, Pflegen und Kochen begeistern.

10 Kommentare leave one →
  1. November 26, 2012 7:07 pm

    Danke für die Recherchen! Fragen nach Technik und Gender finde ich sehr wichtig, gerade in einer Welt des technischen Zeitgeistes. Trotz des ziemlich mainstreamigen Ansatzes fand ich auch das einen guten Einstiegstext. Meine Kinder haben (noch) nicht das Alter des Computerspielens, aber ich kann mir vorstellen, dass Helden und Heldinnen früher oder später eine Rolle im Spiel der Kinder bekommen. Wann gibt es also endlich das Computerspiel zum Film ‚Kick-Ass‘? Wie lernen außerdem Jungs neben putzen und kochen, dass sie mit Technik spielen können, statt sie zum Perfektionieren zu benutzen?

  2. November 26, 2012 11:16 pm

    Da muß ich grad an das rosa Werkzeug denken. Hammer und so in pink und mords schlechter Qualität. Also arbeiten kann man damit nicht.
    Abgesehen davon ist es wieder so, daß Mädchen zwar „Jungssachen“ machen dürfen, aber bloß nicht umgekehrt. seufz
    Naja, immerhin wird es immer mehr Leuten bewusst.
    LG Lotti

  3. Karl permalink
    November 27, 2012 3:16 pm

    Gerade vor Weihnachten ein interessantes Thema! Bei ganz kleinen Kindern glaube ich auch, dass die Spielzeughersteller nicht so sehr die Kinder beeinflussen, als die Eltern. Es fällt mir so schwer, kein Rollenklischee mit der Geschenkauswahl zu bedienen und dabei ist mein ältestes Kind gerade mal 2 und würde wohl mit allem spielen. Und es guckt natürlich auch nicht in die Kataloge…

  4. Dummerjan permalink
    November 27, 2012 3:29 pm

    „Angeblich können Männer Technik, Naturwissenschaft und Computer besser. Diese Festlegung ist sozialisiert und beginnt bereits in der Kindheit. Beispielsweise werden in Spielzeugkatalogen Spielzeuge auf den Bereichen Technik und Handwerk fast immer von Jungen präsentiert, Puppen und Haushaltsgegenstände dagegen von Mädchen. “
    Computerspiele machen gewalttätig, Schwarze haben xxx …
    Dieser Text ist genau das, was er zu kritisieren vermeint: Die Reproduktion von Stereotypen.

    Wie wäre es mal, aus der Box rauszuklettern? bei den meisten RPGs kann man doch beliebig das Geschlecht der Person einstellen und , anders als in der Wirklichkeit,hat das meist keine Auswirkung auf die Skills, selbst bei „schweren“ Gegenständen. Warum muß man dann ein Computerspiel kaufen, bei dem das nicht geht? Da liegt doch der Fehler beim Käufer, nicht beim Produzenten.

    Ansonsten finde ich auch die Kunstauffassung erstaunlich, daß es z.B. in Büchern auf das Geschlecht der Protagonisten ankäme und dies sich belibig ändern läßt.

    Ist es aber nicht, weil Kunst individueller Ausdruck der Künstlers ist, wird das Geschlecht der Personen geändert funktioniert es vielleicht nicht mehr. Ehrlich gesagt, wünsche ich mir in der Hinsicht Respekt vor dem Schöpfertum, denn es ist viel seltener als die Fähigkeit zum bräsigen Besserwissen. Das kann nun wirklich jede Deppin und jeder Depp.

    • November 28, 2012 1:39 pm

      Lieber Dummerjan,
      dein Unterscheidungsvermögen tut dir keinen Gefallen.
      1. Stereotype, Handlungen, die Stereotype hervorbringen und Beschreibungen von Handlungen, die Stereotype hervorbringen, sind drei gemeinhin gut unterscheidbare Dinge.
      2. Respekt vor dem Schöpfertum? – Aber was du beschreibst, nennt man Ehrfurcht.
      3. Wie kamst du noch mal auf Kunst?
      Grüße P

      • Dummerjan permalink
        November 29, 2012 10:06 am

        ad 1. Stereotype existieren nur durch das Handeln der Menschen – sie existieren nicht losgelöst davon wie „Stereotype, Handlungen, die Stereotype hervorbringen und Beschreibungen von Handlungen, die Stereotype hervorbringen, sind drei gemeinhin gut unterscheidbare Dinge.“ dies suggeriert. Daher sind Stereotype und das Handeln derselben voneinander in der Praxis nicht zu trennen. Aus der Möglichkeit diese analytisch – im Denken – voneinander abzuheben, folgt nicht daß dies auch in der Praxis möglich ist. Ich verweise in der Argumentation auf die Aporien des Zeno, der dies bereits in der klassischen Antike entsprechend demonstriert hat. Daher sind Stereotype, Handlungen, die Stereotype hervorbringen in der Praxis ein und dasselbe.

        ad 2. Ein Kustwerk existiert so wie es geschaffen wurde als Ganzes. Kritik eines Teilaspektes offenbart eher ein gewisses Unvermögen des Kritikers, der glaubt, man könnte einen Teilaspekt ändern ohne das ganze zu ändern. Das ist, sagen wir mal überheblich, denn es steht jedem frei sich selbst
        an die Arbeit zu machen. Um Wilhelm Busch zu zitieren: „Die Schwierigkeit ist immer klein, man darf nur nicht verhindert sein“.

        ad 3. Computerspiele haben zumindestens vor dem Gesetz eine Kunstwerken vergleichbare Schöpfungshöhe und manche sind es tatsächlich auch dem Erleben nach.

        ad 4. Wer nicht mit einem Brailletablett schreiben muß ist per Definition privilegiert. Daher sind Kommentare derartiger Personen, Privilegiertenkommentare.

  5. November 29, 2012 11:11 am

    Hier noch ein Tipp für die, die Kinderbücher suchen: http://www.gender-kinderbuch.de/index.htm

  6. November 29, 2012 1:06 pm

    Ich glaube, dass viel von den Eltern auf das Kind übertragen wird und in Schweden ist man da tatsächlich sensibler. Geprägt wurde das nicht zuletzt durch Astrid Lindgren, die starke Mädchen (Pippi, Ronja, Madita, Lotta) und schwache und hilfsbedürftige Jungs (Krümel aus Brüder Löwenherz, Rasmus) zu ihren Kinderbuchhelden gemacht hat und das mit einer Liebenswürdigkeit, die das Geschlecht verblassen und die Person in den Vordergrund stellt.

  7. fiola permalink
    Dezember 17, 2012 1:19 pm

    Ich studiere Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Genderstudies. Als ich mal in einem Seminar teilnahm, dass auch Lehramtsstudenten als Teilnehmer hatte, wurde bezüglich dieser Studentengruppe für eine Sitzung ein Thema gewält, bei dem es darum ging, wie nicht nur in den Elternhäusern, sondern auch noch in den Schulbüchern die Geschlechter hinsichtlich ihrer Interessen und Fähigkeiten regelrecht manipuliert werden. So wurde solch ein Artikeldazu verwendet, dass man behauptete, sowas könnten im Zweifelsfall nur die Männer, da Frauen mit Computertechnik eh nicht so viel am Hut hätten und das Interesse in dieser Hinsich nicht vorhanden sei. Somit seien Frauen eher Konsumopfer, da sie defekte technische Geräte wie Computer nicht selbst reparieren könnten und dadurch schneller eine neues Gerät kauften. Und dass dadurch auch in Schule in den Fächern Informatik etc die Mädchenquote quasi gleich Null gehe…

Trackbacks

  1. Mit Trommelwirbel der Linkspam

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