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Zwei Väter, ein Kind: Interview Part III

November 19, 2012

 Ein Interview mit einer so genannten ‘Regenbogenfamilie’, bestehend aus den zwei Vätern Waldemar und Vincent sowie ihrem 14 jährigen Sohn Patrick (alle Namen geändert). Die drei leben zusammen in einem Dorf in Brandenburg, Patricks Zwillingsschwester lebt bei ihrer leiblichen Mutter. Das Interview entstand 2005 im Rahmen eines Projekts zu queeren Familien und wird in drei Teilen veröffentlicht. Nach dem zweiten nun der dritte und letzte Teil:

Du gehst auf eine Brandenburger Berufsschule. Wissen Deine Mitschüler, dass Du einen schwulen Vater hast?

Patrick:   Nein, das wissen sie nicht. Und das wäre sehr blöd, wenn die das wüssten. Als meine Schwester das ihren Freundinnen erzählte, fanden die das cool – sie ist aber ein Mädchen. Wenn ich das hier in der Schule sagen würde, wäre ich automatisch auch schwul.

Aber wie erklärst Du in Deiner Klasse dann, wie Ihr lebt?

Patrick:   Ich sage einfach nur, Vincent ist der Freund von meinem Vater. Mehr sage ich nicht.

Waldemar:   Ich glaube gar nicht, dass die Einstellung dort so negativ ist, wie Du denkst, Patrick. An der Schule ist jedes dritte Wort, das sie sagen „schwul“ – was diesen Begriff natürlich enorm belastet. Vielleicht würde es schon helfen, einen  Aufklärungsnachmittag and der Schule durchzuführen. Eure Lehrerin weiß das, ihr habe ich davon erzählt.

Patrick:   Einer unserer Lehrer ist auch schwul.

Vincent:   Waldemar und ich gehen oft gemeinsam zu Elternabenden, weil wir uns über Noten und das Klassenklima informieren wollten und weil wir in Patricks Klasse Rhetorikkurse halten. Auf den Elternabenden war unsere Beziehung noch nie Thema, mitunter fühle ich mich dort allerdings schon neugierig beobachtet.

Wie offen könnt Ihr hier allgemein mit Eurer Homosexualität umgehen?

Waldemar:   Wir diskutieren in diesem Zusammenhang oft über das Thema Provokation. Manche mögen es nicht, wenn Männer sich auf der Strasse küssen. Aber ich finde, dass sich auch Mann und Frau nicht überall küssen sollten. Meiner Meinung nach muss man nicht bewusst die Konfrontation suchen.

Das heißt Ihr küsst Euch nicht in der Öffentlichkeit?

Waldemar:   Ich halte das nicht für unbedingt notwendig.

Vincent:   Wenn wir in den Ferien sind gehen wir am Strand Hand in Hand – oder auch mal hier am Marktplatz, kein Problem. Aber wir stellen das nicht immer zur Schau.

Was unterscheidet Eure Lebensform von der traditionellen heterosexuellen Kleinfamilie?

Vincent:   Im Vergleich zum klassischen Modell – ich bin ja mit Mutter, Vater und Bruder aufgewachsen – gibt es meiner Meinung keinen entscheidenden Unterschied.

Waldemar:   Für mich gibt es schon einen Unterschied, auch durch meine früheren Erfahrungen. Ich ergänze mich einfach viel besser mit einem Mann als mit einer Frau und empfinde mein jetziges Leben als viel harmonischer und liebevoller. Und ich möchte meinen Kindern nicht das Leben vorleben, das ich vor 7 Jahren führte.

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