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Zwei Väter, ein Kind: Interview Part II

Oktober 27, 2012

 Ein Interview mit einer so genannten ‘Regenbogenfamilie’, bestehend aus den zwei Vätern Waldemar und Vincent sowie ihrem 14 jährigen Sohn Patrick (alle Namen geändert). Die drei leben zusammen in einem Dorf in Brandenburg, Patricks Zwillingsschwester lebt bei ihrer leiblichen Mutter. Das Interview entstand 2005 im Rahmen eines Fotoprojekts zu queeren Familien und wird in drei Teilen veröffentlicht. Nach dem ersten nun der zweite Teil:

Vincent, wolltest Du früher auch Kinder?

Vincent:   Es gab schon den Gedanken: wie wäre es wenn. Als mir bewusst wurde, dass ich schwul bin, habe ich damit ziemlich lange hinter dem Berg gehalten. Der Grund war, dass mein Bruder ebenfalls schwul ist und bereits früh sein Coming Out hatte. Schon das war relativ problematisch für meine Eltern, vor allem in Hinblick auf Enkelkinder. Und da wollte ich nicht auch noch mit derselben Geschichte ankommen. Als ich schließlich zu meiner Homosexualität stehen konnte, hatte ich im Grunde schon mit dem Thema Familie abgeschlossen.

Wie habt Ihr beiden Euch kennen gelernt?

Waldemar:   Das war im Jahr 2000 in einer Berliner Schwulenkneipe.

Und wann hast Du Vincent von Deinen Kindern erzählt?

Vincent:   Ich wusste es gleich von der ersten Minute an.

Waldemar:   Wir sind sehr schnell auf dieses Thema zu sprechen gekommen. Ich lege die Karten meist sofort auf den Tisch und sage: ich bin schwul, aber ich habe zwei Kinder aus einer heterosexuellen Beziehung. Denn das ist immer eine relativ heikle Angelegenheit: die Ex-Hete ist die Verstoßene der Schwulenszene.

Vincent:   Ich habe die Kinder auch ziemlich schnell kennen gelernt, so etwa vier, fünf Wochen später. Und als ihre Mutter für einige Monate ins Krankenhaus musste, haben die beiden bei uns in der Wohnung gewohnt.

Wie ist die rechtliche Situation, wer hat das Sorgerecht?

Waldemar:   Wir waren nie verheiratet, deswegen hatte zuerst die Mutter alle Rechte. Mittlerweile habe ich das Aufenthaltbestimmungsrecht und wir haben das geteilte Sorgerecht. Das betrifft aber nur Patrick, nicht seine Schwester.

Vincent, verstehst Du Dich eher als Co-Vater oder eher als Freund?

Vincent:   Als Co-Vater.

Und wie ist das mit der Erziehung? Auf wen hörst Du eher, Patrick?

Patrick:   Eher auf beide gleich schlecht. (lacht)

Waldemar:   Am meisten hört er eigentlich auf meinen Schwiegervater, der in der Wohnung unter uns wohnt. Wenn der was sagt, wird’s gemacht.

Vincent:   Meine Eltern haben eher die Oma- und Opa-Rolle. Die beiden haben Einfluss und wir bekommen sehr viel Unterstützung von ihnen. Deswegen hatte ich kurz überlegt, die Schwiegereltern zu fragen, ob sie mit uns auf das Foto wollen, weil wir ja eigentlich eine größere Familienkonstellation sind.

Wie lange wohnt ihr schon hier?

Waldemar:   Wir leben seit über 2 Jahren hier.

Heißt das, die Leute im Dorf haben sich mittlerweile an Euch gewöhnt?

Vincent:   Für mich ist es sowieso nicht so schwierig gewesen. Denn ich bin hier aufgewachsen, die Leute kennen mich und wissen, dass ich schwul bin.

Ist es schwierig, hier als Schwuler zu leben?

Vincent:   Die Leute kannten und mochten mich von klein auf. Sicherlich gibt es Leute, die mit meiner Homosexualität nichts anfangen können, und es gibt auch Leute, die jetzt nicht mehr mit mir reden – aber das ist für mich kein Thema. Zudem besitzen mein Bruder und ich ein Haushaltswarengeschäft in einem benachbarten Ort – was bedeutet, dass wir schon einen gewissen Stand in der Öffentlichkeit haben. Es wissen auch alle, dass der Herr Meier, der jetzt in diesem Geschäft steht, mein Lebenspartner ist.

Und ich nehme an, es wissen auch alle, dass dieser Herr Meier Dein Vater ist, Patrick?

Patrick:   Ja, viele zumindest. Bei einem Fußballspiel wurden die beiden allerdings einmal verwechselt und die Leute dachten, dass Vincent mein Vater ist. Und in der Schule wird oft gedacht, dass Vincent der Bruder von Papa ist, weil die beiden sich so ähnlich sehen: die gleichen Brillen, die gleiche Frisur.

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