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Familienplanung in Zeiten beruflicher Unsicherheit

Oktober 7, 2012

Fuckermothers freut sich außerordentlich, einen Gastbeitrag der wundervollen ‘Glücklichscheitern‘ zu veröffentlichten. Das ist mir auch aus persönlichen Gründen eine Freude: Als ich damals mit dem Gedanken einer Blog-gründung spielte und ‘Feminismus’ und ‘Mutterschaft’ in die Suchmaschine eingab, war ihr Blog der allererste Hoffnungsschimmer, auf den ich stieß. Seitdem bin ich treue Leserin.

mein arbeitsvertrag an der uni wurde grad um anderthalb jahre verlängert, als mein partner und ich beschlossen, ein kind zu bekommen. anderthalb jahre sind an der uni schon viel. mein partner hat eine unbefristete stelle, von daher war das so viel sicherheit, wie ich mir nur vorstellen konnte. denn mit dem hehren ziel einer unikarriere war mir klar: die nächsten 10 jahre folgt befristung an befristung. aber jetzt, anderthalb jahre – da haben wir zeit, ein bisschen “zu üben”. und an meiner uni gab es ein vorbildliches gleichstellungskonzept, so dass während der elternzeit die vertragslaufzeit aussetzt, pausiert. ich musste mir also keine sorgen machen, mitten in der elternzeit arbeitslos zu werden. außerdem ging ich davon aus, dass mein vertrag wieder verlängert wird, bis ich eben meine doktorarbeit fertig habe.

der erste teil des planes ging auf, ich wurde schwanger und beantragte ein halbes jahr elternzeit. dann ging ich wieder zurück an die uni. aber mein vertrag wurde – für mich überraschenderweise – nicht verlängert, wie man mir schon in der elternzeit ankündigte.

der gang zur agentur für arbeit. ein kind? nicht verheiratet? dann geben wir frau glücklichscheitern mal das label “alleinerziehend”. warum das – nicht nur auf mich – nicht zutrifft hat katrin rönicke gut beschrieben. der arbeitsvermittler rät mir, in die bewerbung nichts von meinem kind zu schreiben. ich folge diesem rat und erlebe trotzdem kurioses.

ich hätte gern ein zweites kind. vielleicht auch ein drittes. momentan habe ich eine neue stelle, für vier monate. außerhalb der uni. mit kind wirkt die unsicherheit befristeter verträge für das kommende dutzend jahre noch bedrohlicher. wie fuckermothers so schön sagte:

kinder sind von natur aus unbefristet

während ich teilzeit arbeite und mein kind betreue, schreibe ich also parallel weiter bewerbungen, irgendwohin, wo langfristige perspektiven wenigstens möglich sind.

jetzt ein kind bekommen? bei meinem jetzigen gehalt und der unsicheren zukunft wäre es sehr wahrscheinlich, dass mein partner und ich uns die elternzeit dann nicht mehr teilen würden und die karriereschere zwischen uns zu meinem nachteil größer wird. und mit karriere meine ich nicht einen vorstandsposten in einem dax-unternehmen. bloß eine meiner ausbildung angemessene stelle mit “entwicklungspotential”.

länger warten? auf die nächste befristete stelle, ein halbes jahr probezeit? die kisten mit meinen umstandsklamotten und den babysachen stehen im regal im kinderzimmer und erinnern mich daran, dass für mich die familienplanung noch nicht abgeschlossen ist.

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10 Kommentare leave one →
  1. Oktober 7, 2012 4:41 nachmittags

    Soviel zu Frauen- und Familienförderung. Dein Vertrag wäre ohne Kind sicher verlängert worden, ist das nicht ein Fall für die Anti-Diskriminierungskommision (oder wie auch immer eine entsprechende Institution in .de heißt)?

    • Oktober 8, 2012 8:53 nachmittags

      vielleicht, vielleicht auch nicht. es brauchte ja keinen kündigungsgrund, weil ich nicht gekündigt wurde. mein vertrag lief einfach aus. und das meine nachfolgerin kinderlos ist, ist bestimmt bloß zufall…

      • Ann Permalink
        Oktober 14, 2012 4:49 nachmittags

        Ja, da ist man machtlos, anders als wenn einer gekündigt worden wäre. Das ist total ärgerlich und frustrierend. Ich kenne die auf wenige Monate befristeten Stellen an der Uni aus eigener Erfahrung, bisher wurde immer wieter verlängert, mal zu besseren mal zu schlechteren Bedingungen. Aber ich habe auch kein Kind.

        Die Situation ist blöd für alle, aber manche Gruppen, zB junge Mütter oder Menschen, deren Eltern ihnen nicht mal finanziell unter die Arme greifen können oder wollen, werden aus der Uni ausgesiebt. Und dann wurdern sich die Profs, dass sie so ein homogener, priviligierter Haufen sind (falls es ihnen überhaupt auffällt). Ätzend.

        Danke für den Beitrag :)

  2. dieandereperspektive Permalink
    Oktober 7, 2012 5:48 nachmittags

    Willkommen in unserer Leistungsgesellschaft. Damals entschied sich meine Frau fürs zu Hause bleiben, weil ich genug verdient hatte. Danach wollte sie dann keiner mehr (für den Einzelhandel). Also egal, welche Lösung gewählt wird, Gewinner sind die kinderlosen und zwar in jeder Beziehung!

    • Oktober 8, 2012 1:10 vormittags

      Das stimmt nicht ganz. Die Kinderlosen mögen finanziell die Gewinner sein. Die Menschen mit Kindern haben aber mehr Freude, Liebe und Zufriedenheit und sind menschlich betrachtet die absoluten Gewinner. Das was ein Kind an Freude und Liebe gibt, kann man mit Geld nicht aufwiegen. Also ich wäre lieber mit Kindern arm als kinderlos und reich.

      • Oktober 8, 2012 8:49 nachmittags

        ich glaube, ob mit oder ohne kinder – beide können glücklich sein, das kann mensch wirklich nicht pauschalisieren. ich möchte auch nicht tauschen, aber ich bin freiwillig mutter geworden, bewusst. lebensentwürfe müssen nicht alle gleich aussehen. auch eine menge menschen mit kindern sind unglücklich. das muss nicht an den kindern liegen, ändert aber nix.

    • Oktober 8, 2012 8:51 nachmittags

      “gewinner sind die kinderlosen”…nö, nicht unbedingt. also ich weiger mich, kinderlose jetzt zum feind machen. manche sind bewusst kinderlos geblieben, weil sie eben mit den in diesem artikel beschriebenen problemen konfrontiert sind. andere sind noch unfreiwilliger kinderlos. der ‘feind’ ist, wenn, dann eine gesellschaft, in der lohnarbeit das maß aller dinge ist und für die, die arbeiten wollen und/oder müssen, vereinbarkeit immer noch eine größere herausforderung ist, als eine eins im großen latinum

      • dieandereperspektive Permalink
        Oktober 9, 2012 11:55 vormittags

        So wollte ich das auch nicht verstanden haben! Ich sehe halt in der Art und Weise, wie Personal ausgewählt wird, welche Lasten Familien mit Kindern aufgebürdet werden, eine Bevorteilung von kinderlosen Paaren, weil sie sich diesen Bedingungen wesentlich leichter anpassen können als diese mit Kindern. Genau das habe ich auch diesem Kommentar entnommen und ich sehe das halt auch so!
        Die Folgen daraus sind jedoch fatal. Je weniger Familie die Kinder erleben, desto weniger tolerant sind sie und soziale Eigenschaften werden gefördert. Letztlich ist diese Gesellschaft das Produkt aus diesen profitorientierten Lebensbedingungen.
        Familie und soziales Umfeld aus den Anforderungen an einem Beruf auszublenden, Bildung vom Vermögen der Eltern abhängig zu machen, das sind die Stützpfeiler feudalistischer Strukturen.
        Das ist aber jetzt nicht nur eine Aufgabe für die Betriebe, hier ist die Gesellschaft als ganzes gefordert. Der Betrieb wählt die für ihn am zutreffendsten Eigenschaften aus, blendet jedoch hier die soziale Verantwortung, eine Familie zu gründen und Verantwortung zu übernehmen aus, weil sich das negativ auf die Verfügbarkeit auswirkt. D.h. der Markt kann hier nicht objektiv sein und daher sich auch nicht von selbst regulieren. In diesem Falle ist es dann so, dass die offensichtlich vorhande soziale Kompetenz gegen die Verfügbarkeit verliert und damit wichtige positive Eigenschaften ignoriert werden. … ein weites Feld. Kostenminimert eben halt.

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