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Mehr als zwei Eltern

September 21, 2012

Es gibt viele Arten des Zusammenlebens und entsprechend gibt es auch viele Arten, mit Kindern zu leben. Gesellschaftlich unterstützt und staatlich gefördert ist primär das Vater-Mutter-Kind Schema. Ein spannender neuer Blog mit dem Titel ‘gemeinsam eltern‘ berichtet von Erfahrungen jenseits der Kleinfamilie: Hier planen fünf Menschen, sich die Elterntätigkeit für ein Kind zu teilen, das letzte Woche geboren wurde. Die Autor_innen stellen sich folgendermaßen vor: “Wir wollen also versuchen, mit mehreren Menschen zusammen Verantwortung für einen kleinen Menschen zu übernehmen. Wir, dass sind ein mehr oder weniger hetero-liebendes Paar als biologische Eltern, ein weiteres eher hetero liebendes Paar als Co-Eltern und eine Freundin, die noch nicht weiß, wie nah ihre Beziehung zu diesem kleinen Menschen sein soll. Und of course der kleine Mensch (…) him_herself. Wir leben zusammen als Teil einer etwas größeren Gruppe, die wiederum Teil einer Gemeinschaft ist. Und weil wir festgestellt haben, dass es nahezu nichts über geteilte Elternschaft, wie wir sie verstehen, im Internet zu finden gibt, versuchen wir unsere Erfahrungen hier zu teilen.”

Tatsächlich finden sich im Internet meist nur theoretische Auseinandersetzungen mit dem Thema. Beispielsweise kritisiert die Queer-Theoretikerin Sushila Mesquita in diesem Interview die Festlegungen durch die Ehe, hinterfragt “warum bestimmte Rechte an das Bestehen von intimen Zweierbeziehungen gebunden sind” und schlägt eine radikale Neufassung von Familie vor. Ebenfalls in diese Richtung geht ein Interview mit dem Soziologen Klaus Haberkern. Darin berichtet er von seiner Studie zur Zukunft der Familie im Auftrag der OECD, aus der dieser schließt: “Wir müssen (…) flexibler sein, sodass möglichst viele ihre Vorstellung von Familie leben können.” Allerdings zielen seine anschließenden Argumente stark auf neoliberale Vorstellungen. Es geht vor allem um das Einsparen von staatlichen Hilfen – also genau auf die “Übertragung der sozialen Verantwortung in den privaten Bereich”, vor der Sushila Mesquita bei einer einseitig gedachten Erweiterung des Familienkonzepts warnt.

Mit der alltäglichen Praxis von ‘Queer und Kind‘ beschäftigt sich ein Artikel von Anne Dordowski, der im ‘Hugs and Kisses’ erschienen ist. Und immer wieder empfehlenswert ist das Wer-lebt-mit-wem-Sommercamp, das sich mit alternativen Formen des Zusammenlebens auseinandersetzen möchte – das nächste findet allerdings wahrscheinlich erst in einem Jahr statt. Dagegen ist das Modell der ‘Tandemfamilie’ um einiges weniger radikal, ermöglicht jedoch ebenfalls erweiterte Formen des Sich-um-Kinder-Kümmerns (hier eine Beschreibung von Franziska und Martina Brägger).

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