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Frauenkörper nach der Geburt

September 16, 2012

… werden zunehmend danach gemessen, wie schnell sie (wieder?) schlank sind – einschlägige Fotostrecken von Stars inklusive Bewertung finden sich gerne in ‘Gala’ ‘FürSie’ und Co. Dabei kann es eigentlich nicht schnell genug gehen und viel genug sein. Jüngstes Thema solch sexistischer  Körperschau ist die Sängerin Jessica Simpson. Diese hatte, nachdem sie vor ca. 5 Monaten (!) ihre Tochter geboren hatte, zuerst (nach den medial gesetzten Normen) nicht schnell genug abgenommen, scheint nun aber – mit professioneller Hilfe, für die sie auch gleich Werbung macht – auf dem ‘richtigen’ Weg zu sein. Puh.

Eine Einschätzung dieser Geschichte kommt von Samhita auf ‘Feministing’: “So there is something epically disgusting about the objectification of celebrity bodies, pre and post-baby and how that makes the average baby haver feel. Not only are lady celebrities fighting the passage of time, aging, possible weight gain and all the other unrealistic beauty standards glommed onto them, but they run the risk of becoming obsolete lest they let something like giving birth get in the way of that bikini bod. (…) the unfair pressure put on moms right after they have babies to be tight taut little super moms is unnerving and it makes new moms feel like shit. They have enough to worry about, they don’t need the extra pressure of losing weight and fitting into unrealistic standards of beauty, as well. Media gimmicks like Simpsons only perpetuate the widely accepted belief that women’s bodies are always supposed to be objectified.”

Wie gern sich Medien an diesem Thema (und nicht etwa an ‘unsexy’ Dingen wie Mütterarmut oder Arbeitsteilung) festbeissen, erlebte die Autorin Jessica Valeti, der von einer grossen Zeitung folgende Anfrage gestellt wurde: “Would Jessica be interested in writing something about weight loss after having a baby? We’re doing a lot of coverage around Jessica Simpson’s efforts to lose the baby pounds, and we’d love to hear from Jessica Valenti about what it was like for her to shed the weight. She can get as personal as she’d like—our readers love personal stories.” Valeti drehte in ihrem Zorn ein Video, das hier zu sehen ist.

Eine etwas anders geartete Auseinandersetzung mit ihren Körper nach der Geburt kommt von der queerfeministischen Künstlerin und Pornodarstellerin Madison Young (über die wurde hier schon mal berichtet). Ein Ausschnitt aus einem Interview: “All of a sudden you appear with breasts that are three cup sizes bigger than before, you have birthed a child but still have an inflated uterus and forty pounds of extra weight along with tiger stripes of stretch marks on a body that you don’t recognize. You’re scared, your child is scared and no one gave you a manual. I started performing in porn just four weeks after birthing my daughter. It took courage. It took a lot of self-love and reclaiming of my awkward body. I had to stop and pump in the middle of the shoot because I was leaking. The first year of motherhood has meant a lot of changes. I still direct porn and occasionally perform in it. I still teach sexuality classes and travel for work. I still manage Femina Potens. But my priorities have changed. I used to live for work. Work was quite simply my life. Now I have a life worth working for.”

Ganz sicher ist es nicht für alle Frauen erstrebenswert, nach der Geburt einen Porno zu drehen. Auch bedeutet es oft nur noch zusätzlichen Druck, von sich zu erwarten, schnell wieder Sex zu haben zu müssen. Bei dem Zitat von Young ging es mir vor allem darum, dass es bessere Möglichkeiten gibt, als sich nach äußeren, sexistischen und fettphobischen (oder auch einfach veränderungs-phobischen?) Kriterien messen zu lassen: sich mit dem eigenen, veränderten Körper auseinandersetzen, ihn annehmen und sich – mit Hilfe was auch immer (gutem Essen, Kleidung, Nagellack, Sex, Ignoranz, Bier, etc.) – wieder anzueignen. Und vor allem Selbstliebe.

(PS: Sehr schön zu dem Thema ist auch dieser Text von ‘Stadt-Land-Mama’, gegen Fitness-Terror und übertriebenen Abnehm-Druck nach der Geburt.)

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4 Kommentare leave one →
  1. Mai 18, 2013 1:19 nachmittags

    Ich finde total schräg das sowas überhaupt ein Thema is, habe das in der Öffentlichkeit auch mehr oder wneiger Ignoriert, stoße auch selten auf gewisse Zeitschriften.
    Muß dazu sagen ich habe keine Kinder und hätte lieber ein paar Pfund merh auf den Rippen als weniger. Aber wenn man mal bedenkt was so ein Körper alles mitmacht während Schwangerschaft und Geburt…sollte man ihn einfach nur feiern feiern feiern … und dankbar sein wenn alles “heil” überstanden wurde.
    Stichwort Porno: ich dachte grad ich krieg mich nicht ein. Nach 1 Monat …! Nunja, dieses Branche werde ich wohl nie wirklich verstehn. Aber jedem das Seine.

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