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trans*familien

August 26, 2012

In den USA hat eine_r von drei Trans*menschen Kinder, in der kanadischen Provinz Ontario jede_r vierte. Der Film ‚Transforming Family‘, der vom LGBTQ-Parenting-Network herausgegeben wurde, setzt sich mit der Situation dieser Familien in Nordamerika auseinander.

Für deutschsprachige Länder konnte ich keine vergleichbaren Statistiken zu Trans*eltern finden. Wahrscheinlich weichen die Zahlen nicht stark von Nordamerika ab – vielleicht sind sie aber auch niedriger. Grund für letztere Annahme gibt die lange Geschichte rechtlicher Diskriminierung: Etwa mussten Personen, die ihren Personenstand (also auch Vorname und Geschlechtsvermerk) angleichen wollten, sich in der BRD Operationen unterziehen, die für eine „dauerhafte Fortpflanzungsfähigkeit“ sorgten. Trans*menschen durften also per Gesetz keine biologischen Kinder haben. Dies wurde erst 2011 durch das Bundesverfassungsgericht als unvereinbar mit dem Grundgesetz erklärt. Dennoch scheint die veränderte rechtliche Situation bei den meisten Gynäkolog_innen noch nicht angekommen sein, wie dieser Beitrag von ‚Billys Gegut‘ zeigt. Zudem verlangen immer noch insgesamt 17 europäische Länder eine Sterilisation/Kastration für eine Personenstandsänderung, was in diesem Überblick deutlich wird. Besonders leicht ist es für Trans*eltern allerdings fast nirgendwo, beispielsweise lehnte die kanadische La Lech League einen stillenden Vater, Autor des Blogs ‚Milk Junkies‚, als Gruppenleiter ab.

Auch die Situation von Trans*kindern ist – je nachdem, in welchem Umfeld sie auswachsen – oft schwierig. Das zeigte etwa dieses Jahr ein Fall in Berlin, in dem ein Trans*mädchen in die Psychiatrie eingewiesen werden sollte. Solche Pathologisierungen kritisiert ein Elternratgeber, der von der Organisation ‚ATME e.V.‘ herausgegeben wurde und hier als pdf heruntergeladen werden kann. Die Broschüre wendet sich vor allem gegen die Definition von Trans* als ‚psychiatrische Störung‘ und warnt gleichzeitig davor, Kindern voreilig eine Trans*identität zuzuschreiben.

Den letzten Punkt finde ich ich auch deswegen wichtig, weil die Grenzen, was ‚geschlechtsrollenkonformes‘ Verhalten eigentlich ist, oft sehr eng gezogen werden. Denn Mädchen, die rosa Kleider ablehnen, oder Jungen, die Glitzerfeen gut finden und gern mit Puppen spielen, müssen keineswegs zwangsläufig trans* sein – ebenso wenig, wie Trans*menschen immer nur Eigenschaften und Dinge des ‚anderen Geschlechts‘ bevorzugen müssen. Dass gerade bei der vorschnellen Klassifikationen von Kindern oft Stereotype zentral sind, kritisiert etwa auch der Beitrag von ‚GenderTrender‘, der sich mit einem Buch der Psychiaterin Tracie Stratton über ihre vermeintlich ‚zu männliche‘ Tochter auseinandersetzt (ein Artikel dazu von Stratton selbst findet sich hier – und ist zur eigenen Urteilsbildung durchaus lesenswert, ich selbst fand ihn komplexer als in der GenderTrender-Kritik rüberkommt). Ebenso wenden sich die Texte von ‚Dr. Mutti‘ (‚Tomboy and Drag Princess‚) und von Arlette Zappi in der ‚Nido‘ (‚Ein Traum aus rosa‚) gegen die starre Einordnung von Kindern in Geschlechterrollen.

(PS: Bei der Schreibweise von trans* mit Sternchen habe ich mich an diesem Buch sowie diesem Überblick orientiert)

PS: Hier ist der Film ‚Familie trans*formieren‘ jetzt mit deutschen Untertiteln.

2 Kommentare leave one →
  1. August 27, 2012 10:29 am

    Ein ruhiger, unprätentiöser kleiner Einblick in eine eigentlich ganz „normale“ aber eben doch noch nicht etablierte bzw. selbstverständliche Welt. War und ist mir bisher selbst nicht bekannt und daher ein Appetizer den Horizont zu erweitern. Geistig und emotional ansprechender Film (<- soll nicht pathetisch sondern theopraktisch gemeint sein).

Trackbacks

  1. Film ‘Transgender Parents’ | fuckermothers

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