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ich nehm den hund

Februar 6, 2012

Ein weiterer Beitrag von ‚Unter den Haaren‚.

Ich habe meinem Mann heute gesagt, dass ich ihn nicht mehr liebe. Da ist einfach nichts mehr. Kein Gefühl übrig. Ich sage, das tut uns jetzt schrecklich weh, aber ich will ehrlich sein. Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt jemals so überzeugt von uns war wie du. Du, wir wollen uns deswegen aber nicht streiten.

Er will ne Paartherapie machen, aber ich seh darin keinen Sinn. Sicher hab ich dich gern, hab ich gesagt. Ich hab dich sehr gern. Das war es ja, deswegen hab ich auch gar nicht gemerkt, wie du mich da rein… und dann ging irgendwie alles ganz schnell, dann war ja auch schon das erste Kind da. Was hätte es denn gebracht, wenn ich es gesagt hätte? Ich finde, es wäre dumm, jetzt schmutzige Wäsche zu waschen.

Wenn er was gegen die Trennung wegen der Kinder hat… . Die Kinder kann er haben, das habe ich ihm gleich gesagt. Keine Angst, habe ich gesagt, die Kinder bleiben dir selbstverständlich. Ist ja Ehrensache, dass ich dich da nicht hängen lasse.

Wir fahren natürlich in den gemeinsam geplanten Urlaub, sage ich. Und ich bleib auch hier wohnen, bis ich eine Wohnung habe. Es klappt ja ansonsten gut zwischen uns. Wir waren ja immer ein gutes Team. Natürlich fände ich Abstand schöner. Wenn du und die Kinder allein in den Urlaub fahren würdet, dann hätte ich mal Zeit um eventuell rauszufinden, dass ich dich doch liebe.

Wenn dir das alles zu viel ist und du erst mal bei einem Freund schlafen willst, dann ist das für mich ok. Ich würde natürlich auch bei einer Freundin schlafen, aber das ist zur Zeit halt schwierig. Du kannst ja immernoch, bevor du zur Arbeit gehst, vorbeikommen, damit die Kinder nicht zu unsicher sind und ihnen Brote schmieren und sie auch zur Schule bringen. Den Tisch deck ich auch ab.

Wenn er mal weg ist, dann habe ich mal Luft zum Durchatmen. Jetzt kann alles anders werden. Sonst war jeder Tag von vornherein durchgeplant. Ich hab mich so tot gefühlt. Jetzt fühl ich mich frei. Ich hab zu ihm gesagt, und das meine ich von Herzen, dass ich ihm das auch wünsche. Für ihn kann das ja auch nicht gut gewesen sein. Wir haben uns zum Schluss doch nur noch über die Kinder definiert. Du hast ja bestimmt auch von was anderem geträumt, sage ich. Ich kann mir vorstellen, es ist heftig im Moment und es kommt uns beiden jetzt nicht so vor, aber vielleicht steckt darin ja auch eine Chance für dich. Ich kann das jedenfalls nicht mehr.

Dir hilft das vielleicht auch, mal wieder mehr aus deinem Leben zu machen, dein eigener Kapitän zu sein. Wahrscheinlich hast du vor mir jemanden Neuen. Sicher bist du 47, aber du siehst immer noch bombe aus und die Kinder sind doch auch bald aus dem Haus. Vielleicht hilft es dir, dir klarzumachen, dass du dann ganz viel Zeit für dich hast. Und davon hast du doch immer geträumt.

Ich nehm den Hund. Ich stell mir das so vor, dass ich Mittwochs und jedes zweite Wochenende aufpasse, dann kannst du mal in Ruhe aufräumen, oder mal dein eigenes Geld verdienen. Halt das, wonach dir der Sinn steht.

Er wird schon drüber weg kommen. Es ist ja für mich auch nicht ganz leicht, gestern hab ich zum Beispiel geweint.

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12 Kommentare leave one →
  1. Februar 6, 2012 10:55 pm

    *seuuuuuuuuufz*

    Eine irgendwie doch ziemlich traurige Tatsache sehr, sehr schön geschrieben. Es liest sich nicht, als ob es dir egal wäre. Viel Glück bei allem, was kommt.

  2. blitzmerkerin permalink
    Februar 6, 2012 11:11 pm

    Es ist rauszulesen, dass zwischen dem rationalen: ich will das jetzt, ich kümmer mich um mich und stehe für mich und trefe diese Entscheidung ein doch der größte anteil der Gedanken an: Ihn, der bei einem Freund schlafen kann, sein künftiges Kapitändasein, den gemeinsam gepalnten Urlaub und das Familienfrühstück gehen. Dabei ist es ein ebenso schwerer Weg für das selbst und mensch sollte hierbei die eigenen Bedürfnisse, nicht hintenanstellen (finde ich). Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Es ist ein weiter Weg, vor allem wenn ein Einandergernhaben da ist.
    Ich finde diese Erzählung sehr bezeichnend und gleichsam berührend.

  3. c&k permalink
    Februar 7, 2012 7:56 am

    hmmm … nach dem lesen der kommentare bin ich mir jetzt (vor dem morgenkaffee) nicht mehr sicher, ob meine lesart die (von der autorin) „präferierte“ ist. naja – gegen den strich liest es sich einfach interessanter. insofern finde ich die erzählung auch „sehr bezeichnend“.

  4. Februar 7, 2012 9:57 pm

    Also ich hatte da auch eine etwas andere Lesart. „Ich nehm den Hund, Du kannst die Kinder haben.“ Mal im Ernst: Halte das für puren Sarkasmus….. Sehr gelungen!

  5. blitzmerkerin permalink
    Februar 8, 2012 12:00 am

    Hmm ich seh das gar nicht so im Widerspruch, den Sarkasmus und mein Kommentar. Aber so ein bisschen verunsichert bin ich in der Tat nach erneutem lesen auch, welche Leseart hier angebracht ist. Auf der anderen Seite, ich konnte beiden bisher kennengelernten etwas abgewinnen.

  6. Mika permalink
    Februar 9, 2012 11:20 am

    Erinnert mich an Nusenblatens Auseinandersetzung mit Kai Wiesinger: http://nusenblaten.wordpress.com/2012/02/02/ich-bin-dann-mal-weg-lisa/

  7. Hoppelinski permalink
    Februar 10, 2012 10:46 pm

    Bezeichnend? Berührend? Traurig, aber schön geschrieben? Das macht mir Angst…
    Ey Mädels, denkt noch mal drüber nach. Und ich hoffe irgendwann merkt Ihr’s auch: Das ist WIRKLICH WITZIG!

  8. Februar 11, 2012 10:32 am

    … oder aber ist es nicht auch „traurig“ (und wenn man so will „bezeichnend“), dass dieser Perspektivenwechsel eben nur als Sarkasmus oder Witz existieren kann!?

  9. Februar 15, 2012 10:56 am

    Also, wenn man mal die Texte der Autorin verfolgt, gibt es eigentlich nur eine Lesart!!! Und ich muss sagen, dass Unter den Haaren echt den Nerv trifft.

    Also liebe Autorin, weiterso! Ich warte gespannt auf den nächsten Text.

  10. Februar 17, 2012 12:49 pm

    Ich habe den Artikel auch eher als Sarkasmus aufgefasst, eben passend zu den restlichen Artikeln aus dieser Reihe…

    …aber andererseits habe ich mich auch gerade vor kurzem von meinem Freund und Vater meines Kindes getrennt, mit zum Teil ähnlichen Aussagen/Motiven. Ja, ich will mal wieder an was anderes denken, mir ist die Liebe zum Partner verloren gegangen, will vielleicht mal wieder ins Kino oder so und sogar auch „Bratzen aufreißen“.
    Und vielleicht stimmt es ja sogar, dass er/sie dann weiterhin oder sogar besser als vorher für die Kinder da ist? Ich sehe das gerade bei meinem Ex: Vorher hatte er nie eine Meinung zu irgendwas Kind-bezogenem und jetzt auf einmal kümmert er sich richtig, was ich mir vorher schon die ganze Zeit gewünscht hatte. Naja, aber mal sehen wie lange das anhält. Und auch ich, die ich mich aus egoistischen Gründen getrennt habe, bin nun ausgeglichener/glücklicher und damit meiner Überzeugung nach eher dazu im Stande eine gute Mutter (was auch immer das heißen mag) zu sein.

  11. Ichkochdannauchmalfürdich permalink
    April 23, 2012 9:37 pm

    wunderbar. einfach ganz wunderbar.

  12. Oktober 8, 2012 9:56 am

    Also, ich halte das für eine Persiflage. Die ganzen Argumente kommen mir nämlich verdammt bekannt vor, dann nämlich, wenn ein Ehemann im x-ten Frühling seine nicht mehr ganz taufrische (wie denn auch nach etlichen Ehejahrzehnten und einigen großgezogenen Kindern) Ehefrau loswerden will. Vertauscht mal männliche mit weiblicher Rolle, dann ist das ganze viel klarer. Ich kann mich auch täuschen.

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