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Deutschland behindert Erwerbstätigkeit beider Eltern (OECD-Studie)

Januar 10, 2012

Die OECD, zu der fast alle der reichsten Nationen gehören, hat eine Studie zur Work-Life-Balance innerhalb ihrer Mitgliedsstaaten heraus gebracht. In diesem Artikel von Derek Thompson finden sich einige der wichtigsten Ergebnisse dazu. Dabei wurde Work-Life-Balance, also das Gleichgewicht zwischen Lohnarbeit und ‚privater‘ Lebenszeit, nach drei Kriterien definiert: 1. dem Anteil der Personen mit einer sehr langen Arbeitszeit (mehr als 50 Stunden pro Woche), 2. dem Anteil an Freizeit und der Zeit für ‚Selbstsorge‘ (personal care), 3. der Erwerbstätigenquote von Frauen mit Kind.

Von den deutschsprachigen Ländern belegte Deutschland insgesamt den 8. Platz (von 23), die Schweiz den 6. und Österreich den 18. Allerdings bot Deutschland in der Statistik auch eine der größten Überraschungen, und zwar – es war wohl zu erwarten – beim dritten Kriterium: Bezüglich der Gleichstellung der Geschlechter, einer gerechten Bezahlung und den Arbeitsmöglichkeiten für Frauen mit Kind schnitt es sehr schlecht ab. Ausserdem ist Deutschland das einzige OECD-Land, in dem nicht steuerlich unterstützt wird, dass beide Eltern arbeiten (Stichwort ‚Ehegattensplitting‚. Dazu auch dieser tolle Zeit-Artikel von Elisabeth Niejahr). Ich zitiere:

„Perhaps the most surprising statistics in the survey concerned Germany. Europe’s juggernaut recently set yet another record for low unemployment, but its family-work dynamic is one of Europe’s most fraught. (…) German mothers with adult children have, on average, earned less than half of the total working-life earnings of otherwise similar female employees. At 25% of median earnings, gender pay gaps are well above the OECD average (16%). Mothers spend twice as much time on care than men (over 20% against less than 10%). Germany is the only OECD country where the tax/benefit system does not favour second earners in families with children.“

In allen Punkten rangierten die drei skandinavischen Länder Dänemark, Schweden und Norwegen stets unter den ersten sieben Plätzen. Der ‚Gesamtsieger‘ Dänemark wies die niedrigste Kinderarmut auf, zudem waren 78 % der Frauen mit Kind hier erwerbstätig (dazu zählen allerdings auch Teilzeitarbeit und Nebenjobs). In der Schweiz arbeiteten sogar 79 % der Mütter, in Österreich 71 % und in Deutschland mit am wenigsten, nämlich nur 66 %.

Der oben zitierte „record for low unemployment“ in Deutschland kann übrigens ebenfalls kritisch gesehen werden. Denn der Rekord ist auch auf ein Anwachsen von gering bezahlten Jobs, das Verhindern eines Mindestlohns und ein Beschneiden von Arbeitnehmer_innenrechten zurückzuführen.

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4 Kommentare leave one →
  1. Januar 11, 2012 12:03 pm

    Die Studie zeigt mal wieder dass im Punkto „traditionelle Muster der Arbeitsteilung in Paarbeziehungen“ (vgl. hierzu auch http://www.grin.com/de/e-book/184245/innerfamiliale-arbeitsteilung-und-elternschaft-in-deutschland) kaum Veränderungen in Deutschland zu verzeichnen sind. Empfinde ich als sehr deprimierend!

  2. nurse permalink
    Januar 14, 2012 1:16 pm

    Laut Wikipedia hat die OECD 34 Mitgliedsstaaten. Welche Gründe gab es, bei der Studie 11 Länder auszusparen? Soll dort irgendetwas verzerrt oder vertuscht werden?

    • Januar 16, 2012 11:48 am

      ja, das ist deprimierend. An Nurse: das ist eine sehr gute Frage und war mir nicht aufgefallen! Keine Ahnung, warum da nicht alle 34 Staaten berücksichtigt wurden – da müsste man wahrscheinlich die Studie und deren Methode genauer durchlesen. Auffallend ist, dass in der Studie die ‚westlichen‘ Länder in Europa, USA und Kanada sind, es fehlen unter anderem Japan, Mexiko, Israel oder die Türkei. Das ist seltsam.

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