Skip to content

Artikel zu Feminismus in der FAZ

Dezember 14, 2011

Eine Freundin hat mich auf einen Artikel, der vor einigen Tagen in der FAZ erschienen ist, aufmerksam gemacht. Er kommt von Melanie Mühl, trägt den Titel ‚Meine freie Wahl‚ und ist unbedingt lesenswert. Mühl beschäftigt sich darin mit der Frage, warum viele Frauen heute den Begriff des Feminismus weit von sich weisen, obwohl nach wie vor geschlechtsbedingte Diskriminierung etwa in Bezahlung und Karrieremöglichkeiten besteht. Hier einige Zitate, die gut aktuelle Probleme belegen.

„Eine ganze Generation junger Frauen findet, sie brauche den Feminismus nicht mehr. Vergnügt genießt sie die Illusion, sie hätte ihre Lebensumstände frei gewählt. Das ist naiv. (…)

Überall ist von der Krise des Mannes und den großartigen Zukunftsaussichten der Frauen die Rede. (…) Dazu ein paar hässliche Fakten: Frauen verdienen im Durchschnitt 23 Prozent weniger als Männer, sie arbeiten häufiger Teilzeit, da sie häufiger als Männer auf ihre Karriere verzichten und damit auf einen erheblichen Teil ihrer Altersabsicherung. Die gläserne Decke ist keine Erfindung: Frauen scheitern in der Regel an der mittleren Managementebene, was ganz sicher nichts mit Feigheit zu tun hat, wie Bascha Mika behauptet. Die Männer sichern nur das Erreichte. Nicht zufällig werden Frauen nach der Babypause oft mit unwichtigen Aufgaben betraut. Anders ausgedrückt: Sie werden abgeschoben. (…) Die Überzeugung, absolute Wahlfreiheit zu genießen, gehört zum Selbstbild der modernen Frau wie ihr Schuh-Tick. Niemand möchte ein bemitleidenswertes Opfer sein, wir alle stehen lieber auf der Gewinnerseite. Auf die Idee, einen kritischen Blick auf die tatsächlichen Machtverhältnissen zu werfen, kommt man also erst gar nicht.“

Obwohl Mühl zentrale Geschlechterfragen treffend analysiert, nun doch noch ein bisschen Kritik: Der Text handelt natürlich nicht von heutigen jungen Frauen allgemein sondern vor allem von jungen, gut ausgebildeten Frauen der Mittelklasse ohne Diskriminierungserfahrung jenseits von Geschlecht. Das ist auch das „wir“ von dem hier die Rede ist. (Ausserdem gehört ein Schuh-Tick sicherlich nicht zu meinem Selbstbild.) Und: So wichtig es ist nach den Gründen für die Abnahme feministischer Positionen unter Frauen zu fragen – ein bisschen weniger Frauen-Bashing und etwas mehr Problematisieren von männlichem Verhalten wäre vielleicht auch sinnvoll gewesen. Schließlich geht die Argumentation sonst schnell in die Richtung des ‚Victim-Blamings‘, also, dass den Benachteiligten die Verantwortung für ihre Benachteiligung zugeschoben wird. Ausserdem existiert zumindest in einigen Bereichen durchaus weibliche Solidarität. Trotzdem: Der Text ist zu empfehlen.

Advertisements
One Comment leave one →
  1. HCG permalink
    Dezember 14, 2011 6:23 pm

    Danke für den link, ich finde auch, dass zumindest ein absatz zu anderen beteiligten, also auch männern, neben der ganzen lustvollen selbstkritik fehlt. der effekt ist aber gut, man erkennt sich zum teil wieder, erschreckt sich, wird wütend und ehrlich gesagt auch irgendwie ratlos.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: