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Spielzeugkataloge: von ‚Helden‘ und ‚Puppenmutties‘

Dezember 12, 2011

Gut, wahrscheinlich ist es unrealistisch zu erwarten, dass ausgerechnet Spielzeugkataloge die Avantgarde von Gleichstellungspolitik, Gender-Bending oder Veruneindeutigung bilden – trotzdem darf mensch sich wohl aber ab und zu über die schlimmsten Stereotype entrüsten. Da sich diese Kataloge ja gerade um die Weihnachtszeit fast epidemisch vermehren, habe ich mir denjenigen angeschaut, der bei der google-Suche ganz oben war – und mich erwartungsgemäß ein wenig entrüstet. Dieser Weihnachtskatalog kam von der Marke Kidoh. Er steht aber sicherlich repäsentativ für viele andere Kataloge und lässt sich hier in seiner ganzen Schönheit betrachten. Es folgt das Best-Of sexistischer Klischees:

– Mädchen werden oft bei häuslichen und pflegenden Tätigkeiten abgebildet, gern mit Putzeimer und Staubsauger, mit Kinderwagen, Schnuller fürs Baby oder Krankenpflegeset. Die Texte dazu sind ebenso wenig subtil. Ein Mädchen verkündet etwa: „ich kann schon putzen und staubsaugen“ (S. 42). Und über Puppen und Kinderwägen lässt sich lesen:  „Das wünscht sich jede Puppenmutti“ (S.44/ 45).

– Ganz anders bei Slogans wie: „Hör mal wer da hämmert, bohrt und schraubt“ (S. 35). Na wer wohl? Ein Junge natürlich, wie auch sonst fast ausschliesslich Jungen bei den Werkzeugen, Baukästen, Abenteuerspielen, Flugzeugen und Spielzeugautos zu sehen sind. Ausserdem gibt es noch: „Geschenke für coole Schulhof-Helden“ (S. 24/25) – coole Heldinnen dagegen sucht man vergebens.

– Dazu kommt noch, dass alle abgebildeten Kinder ‚weiß‘ (gern auch noch blond), schlank und able-bodied sind und auch sonst gängigen Schönheitsnormen entsprechen.

Geschlechtsstereotypen hat auch das Bitch-Magazine einige Texte wie den zu ‚Cataloged Stereotypes‚ gewidmet. Ein Ausschnitt: „When viewed individually, none of these products/ads are all that offensive. Many of the toys featured actually look like fun. However, when you put them all together, the not-so-subtle message that girls don’t dig active toys is loud and clear. This goes further than pushing ‚girl toys‘ and ‚boy toys,‘ and can be much more damaging than separating things along pink and blue color lines. Instead, it’s ignoring huge segments of girls who actually enjoy outdoor activities, sports, engineering, science, and more. (…) What message will these girls see? They’’ll see other young girls engaged in primarily domestic activities. Parents or well-meaning family and friends who pick up these catalogs might bypass a pogo stick or science kit for a young girl because they’re coded as ‚boy toys.'“

Interessant ist der Artikel ‚Barbies Rache‚ von Tina Klopp zum Thema. Und lesenswert ist auch der schon erwähnte Protestbrief eines Kindes gegen Stereotype in Spielzeugkatalogen.

(Bild: a boy and his airplane, von anyjazz65, the lost gallerie, via flickr)

PS: Hier noch ein Video über ein Mädchen, das ich ebenfalls über die Vermarktung von Spielzeug ärgert.

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