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Eva Illouz zu hypermodern-viktorianischen Familien

Oktober 12, 2011

Die Soziologin Eva Illouz hat dem Spiegel anlässlich ihres neuen Buches ‚Warum Liebe weh tut‘ ein Interview gegeben. Weil ich gerade wenig Zeit habe, kommt hier nur unkommentierter ein Ausschnitt, den ich interessant fand:

Illouz: Den Frauen möchte ich sagen: Macht euren Kinderwunsch nicht abhängig vom Wunsch nach romantischer Liebe. Wenn ihr Kinder wollt, bekommt sie allein – oder in einer Gemeinschaft mit anderen Frauen, die ebenfalls Kinder wollen. Oder mit Männern, die Kinder wollen, aber nicht eure Partner sind. Es braucht keine traditionelle Familienstruktur, um Kindern aufzuziehen. Ich glaube wirklich, dass Homosexuelle in vielem die Avantgarde der Gesellschaftsentwicklung bilden, etwa bei der Frage der Trennung von Elternschaft und sexuell-romantischen Beziehungen: Manchmal korrespondieren sie, manchmal nicht. Und wenn sie nicht korrespondieren, sollte man sie getrennt verfolgen. Ich glaube, wir werden in diese Richtung gehen. Wir sollten es.

SPIEGEL ONLINE: Das ist ziemlich radikal.

Illouz: Es ist eine Mischung. Im Grunde bin ich hypermodern und viktorianisch zugleich. Hypermodern, weil ich die Familie nicht als Ideal sehe, das es zu bewahren gilt. Und viktorianisch, weil ich trotzdem auf Werte und Charakter poche. Beim modernen Selbst geht es um Flexibilität. Nur: Wenn man gesellschaftliche Strukturen verändern will, braucht es Leute, die sich festlegen. Verbindlichkeit kann sich erst dann einstellen, wenn es feste Werte gibt.“

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2 Kommentare leave one →
  1. Christian permalink
    Oktober 12, 2011 10:37 am

    Endlich das sachliche Gegengift zu Melanie Mühls „Die Patchwork-Lüge“.

  2. Oktober 13, 2011 10:43 am

    Frau Illouz sagt:
    „Wenn wir nach innen schauen, sehen wir oft schlicht ungeheure Unordnung. Schwankende Gefühle, unklares Begehren und Wünsche, die miteinander in Konflikt stehen. Authentizität ist eine terroristische kulturelle Idee. Sie zwingt einen, nach der Quintessenz des eigenen Wesens zu suchen: Aber oft gibt es diese Quintessenz nicht. Gefühle, ebenso wie Menschen, sind Größen, die sich verändern.“

    Kommentar:
    diese Unordnung zu ordnen ist die wichtigste Aufgabe im Leben, da unsere Emotionen uns automatisiert durch den Ausstoß von Neurotransmittern steuern, ohne dass wir die Chance haben zuerst über diese Handlungen nachzudenken. Unser Stammhirn reagiert mit Reflexhandlungen auf die vom limbischen System ausgeschütteten Neurotransmitter. Wer diese Automatismen verhindern will MUSS in sich hineinschauen und Ängste (zB. Verlassensangst) abbauen. Des weiteren gibt es in jedem Menschen eine Quintessenz in Form von inneren Werten, die uns unbewusst steuern. Diese Quintessenz sollte ebenfalls gefunden werden. Erst dann versteht man sich und seine Handlungen und kann ein erfülltes Leben führen. Sollen Wünsche in klar definierte und erreichbare Ziele umgewanbdelt werden, ist es ebenfalls unbedingt notwendig die inneren Werte zu analysieren. Tut man dies nicht, wird das Ziel entweder nicht erreicht, oder es ist ein Ziel, welches uns nach der Erreichung nicht wirklich glücklich macht. Ein „nach innen schauen“ in diese „ungeheure Unordnung“ ist zwar schwierig, aber unerlässlich. Es geht bei der Selbsterkenntnis nämlich genau darum „unklares Begehren und Wünsche“ in erreichbare Ziele umzuwandeln. Die verschiedenen Persönlichkeitsstrukturen (Charakteren), die oftmals ganz widersprüchliche Wünsche haben, müssen miteinander in Einklang gebracht werden, wenn man glücklich und stressfrei leben möchte.
    Kurzum: Liebe muss keinesfalls weh tun.

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