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Das zweite Gehalt

September 13, 2011

Ein weiterer Diskursschnipsel von ‚Unter den Haaren‘:

Ich überweis meinem Mann jeden Monat Geld. Er sagt, das reicht nicht. Kein Wunder, der gibt ein Geld aus! Das kann doch nicht sein. Ich weiß nicht, wie viele Kleidchen unsere Tochter noch braucht. Der ist Kaufsüchtig! Ich finde, so langsam kannst du auch mal wieder was beisteuern. Ich hätte nichts gegen ein zweites Gehalt, das hab ich ihm gesagt. Du verdienst nicht, brauchst aber unbedingt einen Kitaplatz. Weil er sonst „nichts hinkriegt“. Na das ist wahr, aber sag ich das mal, dann ist Monsieur wieder eingeschnappt. Dann werden die großen Geschosse rausgeholt.

Wie soll das gehen, wenn wir das hier alles aufrecht erhalten wollen? Ich sage, Süßer, weißt du was das kostet? Das bringt doch alles nichts, was du machst. Du könntest ja noch nicht mal den Kitaplatz bezahlen. Das will der natürlich nicht hören.

Den ganzen Abend hat der so eine Laune. Sitzt auf dem Sofa, mit hängenden Schultern, sagt nix. Ich setze mich daneben, nehme ihn in den Arm, riech an seinen Haaren, sage, tu doch mal wieder was für dich, geh doch mal zum Friseur. Ich sage, was ist denn nur aus meinem Dicken geworden? Sei doch mal wieder lustig. Er wieder mit dieser eisigen Stimme: „Die Waschmaschine ist noch auszuräumen.“ Verstehe. Es macht mir auch nicht immer Spaß, so lange zu arbeiten, aber ich mach´s euretwegen.

Er sagt, wenn ich nicht so spät wiederkäme, sondern mir einen anderen Job suchen würde, dann könne er auch wieder reinkommen und verdienen. Mit dieser Kinderstimme, die er immer macht, wenn er was will. Da hab ich ihm gesagt, dass er dann aber nicht mehr soviel Käffchen trinken könnte und sich dann auch mal einschränken müsste. Er so, das macht ihm nichts, er stellt sich vor jeder verdient fifty fifty. Ja, ich sehe nicht, dass er was verdient. Fifty fifty was? Kindergeld? Damit wir nachher in einer Sozialbauwohnung leben, damit der Süße ein bisschen arbeiten kann.

Er sagt, das hätte ja vorher auch geklappt hat, sogar so gut, dass er mein Studium finanzieren konnte. Das reibt der mir immer schön unauffällig unter die Nase, wenn darum geht, dass der Süße sein Köpfchen durchsetzen will. Das waren ja aber auch andere Zeiten! Da hat der Vollzeit gearbeitet. Das ist ja jetzt nicht mehr möglich.

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