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Kinder essen Revolution auf / Mutterschaft vs. Elternschaft

August 25, 2011

(Ich konnte mich beim Titel wieder nicht entscheiden. Dachte auch über ‚Kann es (queer-)feministische Mütter geben?`und anderes nach. Jedenfalls:) Die aktuelle Ausgabe der jungle world beschäftigt sich mit dem Thema Bambini statt Bambule: wenn Linke Eltern werden und sieht so aus:

Dazu noch der hübsche Ankündigungsext: „Selbst Linken kann es passieren, dass sie plötzlich Eltern werden. Doch die wenigsten Kinder wollten Genossen werden und, schlimmer noch, meist stellte sich heraus: Die Kinder fressen die Revolution. Alles über alte und neue Rollenbilder, Identitätsprobleme und authentische Berichte von Mamas, Papas und ihren (ehemaligen) Freunden auf den Thema-Seiten.“

Bislang habe ich erst den einzigen Artikel gelesen, der momentan online zugänglich ist – dieser lohnt sich ob seiner Klugheit und argumentativen Schärfe aber sehr. Er kommt von Sonja Eismann und trägt den Titel (Achtung, Referentialitäts-Kreiselei und so) Fuckermothers in the House.

Ich fasse jetzt mal nichts inhaltlich zusammen – bitte also selbst lesen – musste jedoch noch lange über den Schluss des Textes nachdenken, der da lautet: „Wie ließe sich also eine neue feministische Debatte ums Kinderkriegen anschieben, die auch dringend nötige neue Impulse zu einer feministischen Erziehung liefern könnte? Zunächst einmal müsste der Frauenkörper aus dem oben beschriebenen Schlachtfeld gezogen werden, da er darin eine doppelte Biologisierung erfährt. Auch wenn Schwangerschaft als fundamental biologischer Vorgang wahrgenommen wird, sollte versucht werden, diese »Wahrheit« nicht mythologisch weiter fortzuschreiben. So wäre es beinahe zwingend, wann immer möglich von »Elternschaft« statt von »Mutterschaft« zu sprechen, um einerseits die Teilhabe und Verantwortung der Väter stärker ins Blickfeld zu rücken, und andererseits die Perspektive für eine Vielzahl von Modellen zu öffnen, die mit der Vorstellung des Nucleus Vater-Mutter-Kind ja nur sehr mangelhaft umrissen ist. Damit ließe sich auch an queere Theorien anknüpfen, um Modelle für queere Elternschaft und Erziehung zu entwickeln (…).“

Fast alles: d’accord. Bei dem vorgeschlagenen Ersetzen von ‚Mutterschaft‘ durch ‚Elternschaft‘ bin ich aber unsicher: Einerseits: ja – väterliche Verantwortung muss stärker in den Vordergrund rücken und der Begriff ‚Elternschaft‘ ist schon allein deswegen attraktiv, weil er tendentiell breiter und geschlechtlich uneindeutig ist. Andererseits ist auch ‚Elternschaft‘ ja keineswegs per se ein besonders progressiver, emanzipatorischer oder gar queerer Begriff. Weder muss ‚Mutterschaft‘ zwangsläufig auf das konservative Dreigestirn von Vater-Mutter-Kind zulaufen noch bildet ‚Elternschaft‘ automatisch ein Gegenmodell dazu.

Ausserdem sehe ich aus feministischer Perspektive die Gefahr, dass die Bezeichnung ‚Elternschaft‘ zu sehr generalisiert und gerade daduch Machtverhältnisse und Ungleichheit unsichtbar macht. Denn leider haben (wie Eismann ja selbst auch so gut schildert) ‚Mütter‘ in dieser Gesellschaft mit anderen Problemen, Zuschreibungen und Diskriminierungen zu kämpfen als ‚Väter‘ – von Gehaltsunterschieden und Arbeitszeiten, über den Umgang mit weiblichen Körpern und nationalstaatliche Biopolitiken bis hin zum Muttermythos, Mechanismen des ‚mother blame‘ und Deutungsmustern wie der ‚Mutterliebe.‘ Deswegen denke ich, dass der Begriff  ‚Mutterschaft‘ schon allein aus politischen Gründen sinnvoll sein kann, um sich Interventionsmöglichkeiten zu erhalten, kritische Perspektiven zu erarbeiten und Strategien zu generieren. Nun ja. Trotzdem bleibt bei der ‚Mutterschaft‘ das Essentialismus-Problem und das Verharren in Zweigeschlechtlichkeit. Zudem frage ich mich manchmal, ob der Begriff nicht so fest und so lang mit konservativen Theorien und Rhetoriken verbunden war, dass er sich nicht mehr davon ablösen lässt und alle Umdeutungsversuche ins Leere laufen. Kann es also etwa ‚feministische Mütter‘ oder ‚männliche Mütter‘ oder ‚queere Mütter‘ oder gar ‚fuckermothers‘ überhaupt geben? Sollten wir statt von ‚Müttern‘ lieber doch von ‚Elternteilen‘ sprechen (oder z.B. gegebenenfalls von ‚als weiblich konzipierten Elternteilen‘)? Und wie ließe sich eine neue feministische Debatte ums Kinderkriegen anschieben? Mein unrühmliches Fazit: ich weiß es auch nicht so genau, bleibe aber erst einmal bei ‚Mutterschaft‘. Und das alles ist schwierig.

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2 Kommentare leave one →
  1. Hanne permalink
    August 27, 2011 6:09 pm

    wenn ihr (was ich begrüße) die verantwortung der väter ins blickfeld rücken wollt, dann sprecht die väter direkt an. die (leider typisch weibliche) strategie „er muss es doch merken, wenn ich ganz subtil darauf hinweise“ funktioniert nicht.

Trackbacks

  1. Mädchenmannschaft » Blog Archive » Mutterschaft als feministisches Thema

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