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Arbeitende Mütter haben weniger Depressionen und sympatischere Kinder

Juli 28, 2011

Nun gut, diese Studie mag aus verschiedenen Gründen problematisch sein. Vor allem, weil sie mal wieder das Wohl der Kinder an mütterliches Verhalten knüpft, was zum üblichen Reflex des ‚Mother Blame‚ einlädt.

Trotzdem sind die Ergebnisse interessant: The Economist berichtet unter der Überschrift Motherly love von einer Studie britischer Forscher (McMunn et al.), in der 19.000 Haushalte untersucht wurden, um einen Zusammenhang zwischen dem Arbeitsbeschäftigung der Eltern und dem Verhalten des Kindes in den ersten Lebensjahren zu finden. Die Resultate sprechen für so genannte ‚Karrierefrauen‘ – beziehungsweise für Frauen, die nicht ihre Lohnarbeit aufgeben wollen nur weil sie Mütter werden. Demnach zeigten Kinder mit arbeitenden Müttern weniger Verhaltensauffälligkeiten und besseres Sozialverhalten. Zudem waren arbeitende Frauen weniger anfällig für Depressionen als Frauen, die ausschließlich unbezahlte Haus- und Familienarbeit leisteten.

Ein Auszug: „For example, five-year-olds whose mothers had been at home when they were babies were more likely to have behavioural problems than other children. For each child, the longer the time their mother was off work, the more bratty was the child’s behaviour. Housebound women were also far more likely to report symptoms of depression than their working counterparts, problems which can only make the process of childrearing more difficult.“ (PS: bratty = görenhaft)

Diese Ergebnisse werden von Faktoren wie sozialer Schicht, Geschlecht des Kindes und elterlichen Einkommen beeinflusst.

Eine arbeitende Mutter (Bild: Enola O'Connell, age 32, widow and mother of one child, ex-housewife, now only woman welder at Heil and Co., Milwaukee, Wisc., The Library of Congress (flickr)

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5 Kommentare leave one →
  1. Juli 28, 2011 8:17 pm

    Sag ich doch! Ich hab zwei groß gekriegt. Bei Vollzeitbeschäftigung und partiell auch noch Fernstudium. Ich hab zwei dolle Mädchen. Selbstbewusst und selbstbestimmt gehen sie ihr Leben an. Fremde meinen, wir hätten einen guten Draht zu einander.

  2. milchschnitte permalink
    August 30, 2011 9:37 am

    Frau muss auch ziemlich selbstbewusst sein, um die Vorurteile und Abwertungen Jahre lang an sich abprallen zu lassen, wenn sie „nur“ zuhause und in Karenz ist. Das ist es, woran viele scheitern, und auch für ein Kind ist es halt suboptimal, wenn es die angezüchteten Minderwertigkeitskomplexe der ja angeblich nicht arbeitenden Mutter mitbekommt.

    • August 30, 2011 12:52 pm

      Hm, ja, einerseits hast Du schon Recht, Milchschnitte. Andererseits denke ich, dass genau so auch arbeitende Mütter mit Vorurteilen und Abwertung zu kämpfen haben. Ich glaube das Spezielle an der Mutterschaft ist eben, dass frau ‚offiziell‘ extrem viel falsch und kaum etwas richtig machen kann, dass die ‚Norm‘ richtiger Mutterschaft so klein ist, dass man sie verfehlen muss. Und klar: Mütter, die zu Hause sind, arbeiten auch – nur, dass es ungerechter Weise nicht bezahlt wird, weil es gesellschaftlich eben nicht als ‚Lohnarbeit‘ anderkannt ist, sondern als ‚Liebesarbeit‘ gleichzeitig romantisiert und abgewertet wird.

      • milchschnitte permalink
        August 30, 2011 5:54 pm

        Meine ganz persönliche Wahrnehmung (nach 2,5 Jahren genossener Karenz – also das ist halt auch mein Zugang) ist, dass der Trend jetzt dahin geht, Müttern, die bei den Kindern zuhause bleiben, Faulenzer- und Sozialschmarotzertum zu unterstellen. Das andere Extrem – dass Mütter, die schnell oder gar gleich nach Mutterschutz wieder arbeiten gehen, karrieregeil und verantwortungslos ihren Kindern gegenüber sind – war einmal oder ist zumindest rückläufig.

        Fremdbetreuung der Kinder so früh als möglich ist absolut IN und wird von allen Seiten forciert. Mütter sollen schnellstens wieder zurück in den Arbeitsmarkt – passt ja auch zur aktuellen Wirtschaftslage. Studien wie die hier angeführte tauchen auf, Kindern, die schon unter 3 Kinderkrippen besuchen, werden plötzlich höhere Sozialkompetenzen und schnellere/bessere Entwicklung nachgesagt. Kinder, die nicht spätestens mit 3 im Kindergarten sind, sind jetzt arm, weil ihnen die wertvolle pädagogische Förderung und Unterstützung vorenthalten wird.

        Ich meine, wir müssen einfach aufpassen, hier nicht wieder in die Falle zu laufen. Du beschreibst das Problem genau und treffend. Ich will den „offiziellen Rahmen der guten Mutterschaft“ und die uns jetzt präsentierte „neue Norm“ nicht hinnehmen!

  3. August 31, 2011 1:35 pm

    Ja, das mit der ‚Falle‘ stimmt – ich denke auch, man sollte aufpassen durch diese ganze Frauen-sollen-Karriere-machen-Argumentation zu sehr in diese neoliberalen/ kapitalistischen Logik a la ‚Lohnarbeit absolute Erfüllung‘, die ‚Arbeit ist Ausdruck meiner Individualität und deswegen arbeite ich total entgrenzt‘ und ’nur Berufskarriere bestimmt den Wert eines Menschen‘ etc. zu rücken. Übrigens ist weibliche Haus- und Reprouktionsarbeit ja auch schon irgendwie sehr entgrenzte (unbezahlte) Arbeit.
    Und: ja, hausarbeitende Frauen sollten auf keinen Fall (noch mehr) abgewertet werden, ich denke auch, dass diese Tendenz gerade sehr stark ist. Dennoch denke ich, Frauen sollten die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben wie Männer – und Fremdbetreuung ist wohl tatsächlich zunehmen ‚in‘, aber ja leider trotzdem noch keinesfalls überall möglich. Gleichzeit wäre toll, wenn auch freiwillige Eigenbetreuung (von Vätern, Müttern und allen dazwischen) möglich ohne Abwertung möglich wäre und wenn allgemein weniger Lohnarbeit nötig wäre (Teilzeit für alle und so).
    Hm, eine schwierige Frage jedenfalls, und auch schwierig, eine Position zu finden, die in keine der beiden ‚Fallen‘ tappt!

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