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Andrea Nahles zu Mutterschaft

Juli 24, 2011

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles ist Anfang diesen Jahres Mutter geworden und äußert sich seit ihrer Rückkehr in die Politik stärker zu Gleichstellungsfragen und gesellschaftlichen Aspekten der Mutterrolle. So gab sie der Brigitte ein eher persönliches Interview zu ihrer Situation mit Baby und Job. In der Zeit setzte sie nun in einem Artikel zur K-Frage nach. Darin berichtet sie von eigenen Diskriminierungserfahrungen als arbeitende Mutter : „Zum Beispiel, dass ich nach Ablauf meiner Zeit im Mutterschutz in Briefen und Mails wegen meiner schnellen Rückkehr in den Beruf angefeindet wurde. Die Botschaften lauteten: »Egotrip«, »karrieregeil«, und: »Warum pflanzen Sie sich überhaupt fort?«“

Anschließend folgt im Artikel der obligatorisch nationalstaatlich-biopolitische Deutschland-Frankreich-Geburtenraten-Vergleich sowie Überlegungen zu gesellschaftlichen Anforderungen und zum Arbeitsmarkt. Sehr problematisch wird es allerdings, wenn Nahles auf vermeintliche kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich zu sprechen kommt und dort ausgerechnet den Philosophen Jean-Jacques Rousseau als Grund für französische Lockerheit nennt: erstens wirkten Rousseaus Theorien (der übrigens Schweizer war) ganz maßgeblich auf deutschsprachige Diskurse und Vorstellungen von Kindheit und Mutterschaft. Und zweitens war es gerade Rousseau, der das Ideal der fürsorglichen und selbstlosen Mutter, die sich für ihre Kinder aufopfert, etablierte. Außerdem sprach er sich für ein möglichst langes Stillen, gegen die Bildung für Mädchen und gegen das Wahlrecht für Frauen aus (siehe dazu z.B. Vinkens Buch Die deutsche Mutter). Die französischen Strukturen bestehen also – wenn überhaupt – nicht wegen, sondern trotz Rousseau.

Allgemein enthält das SPD-Parteiprogramm zudem viele in Sachen Gleichstellungspolitik begrüßenswerte Punkte wie den Ausbau der Ganztagsbetreuung. Andere Themen jedoch, wie etwa die Abschaffung des Ehegattensplittings, wurden zwar öffentlich debattiert aber noch keineswegs konkret ausgestaltet.

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