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Zwei Mütter, ein Kind: Interview Part II

Juni 15, 2011

Ein Interview mit einer so genannten ‘Regenbogenfamilie’, bestehend aus den Müttern Barbara und Bea und ihrem Sohn Lukas (alle Namen geändert); Das Interview entstand 2005 im Rahmen eines Projekts zu queeren Familien und soll in drei Teilen veröffentlicht werden. Hier der zweite Teil:

Wie hat sich Euer Eltern-Werden überhaupt gestaltet? War die Entscheidung, wer das Kind bekommt, problematisch?

Bea: Das war gar nicht problematisch, denn ich wollte ja nie schwanger werden. Oft habe ich gedacht, wenn mal ein Kind bei mir auf der Schwelle liegen sollte, dann würde ich es gerne nehmen. Aber selber ein Kind zu bekommen, konnte ich mir nicht vorstellen. Deswegen hat sich das bei uns ganz wunderbar gefügt.

Wie lange seid Ihr beiden mittlerweile ein Paar?

Bea: Ungefähr 17 Jahre. 1986 haben wir uns kennen gelernt, wir haben damals zusammen in einer WG gewohnt. 1988 sind wir zusammen gekommen.

Barbara: Wir haben dann überlegt, ob wir auseinander ziehen sollten, weil wir jetzt ein Paar sind. Damals lebte man ja nicht so, vor allem nicht in Kreuzberg. (Lacht) Das kam uns dann aber doch albern vor. Schließlich haben wir uns eine neue Wohnung gesucht, damit wir wenigstens getrennte Zimmer hatten.

Wann tauchte die Kinderfrage auf?

Barbara: So zwei bis drei Jahre vor Lukas Geburt bestimmt. Wir waren uns lange nicht schlüssig. Es gibt diese Paare, bei denen die eine auf jeden Fall ein Kind möchte, die andere aber nicht. Bei uns war das nicht so, der Kinderwunsch hat sich langsam entwickelt. Mal wollte die eine mehr, mal die andere. Ich hatte ursprünglich immer das Gefühl, dass es meine Idee war – aber letztendlich habe ich festgestellt, dass es ja immer Bea war, die das Findelkind haben wollte.

Bea: Es hat sich immer mehr entwickelt. Dann wird man 30…

Barbara: Irgendwann geht das Verschieben nicht mehr. Dann kommt die Frage, was Du überhaupt noch mit Deinem Leben machen willst.

Und wie seid ihr dann an den sozialen Vater gekommen?

Barbara: Diesen Vater hat sich Lukas selbst gesucht. Peter ist ein Freund von uns, der auch lange Zeit im selben Haus lebte. Noch als Lukas ein Säugling war, haben die beiden sich in die Augen geguckt und da war es – es ist schwer, zu beschreiben, das glaubt man nur, wenn man dabei war. Und das weitere hat sich fast von selbst ergeben.

Bea: Zum Beispiel war Peter mit dem Kind unterwegs, geht mit ihm durch Karstadt und dann kommt: Guck mal, Dein Papa hat was für Dich! Oder: Guck mal, Dein Papa will Dir ein Bonbon schenken.

Barbara: Oft denkt man ewig über Sachen nach und dann entstehen Dinge einfach so. Peter hat eine ganz eigene Beziehung zu dem Kind. Die beiden haben nicht so eine Vater-Sohn-Beziehung im herkömmlichen Sinne. Sie leben zwar eng zusammen und beziehen sich stark aufeinander, thematisieren das aber nicht so. Vor kurzem war ich mit beiden unterwegs und irgendjemand hat sie gefragt: Wie kommt ihr zwei denn eigentlich zusammen? Da stutzen die beiden, es war kurzes Schweigen und Lukas sagte: frag ihn, und Peter stutzte ebenfalls. Da dachte ich nur: ach, diese Kerle wieder. Denn eigentlich lieben sich die beiden heiß und innig, Lukas sagt manchmal Papa, genauso wie Peter manchmal sagt: ich bin Dein Papa. Aber nach Außen ist es eben nicht mehr so leicht. Jedenfalls hat Peter dann gesagt: Ich spiele seinen Papa. Und Lukas stocherte in seinem Essen rum, dem war das unangenehm. Ich bin mal gespannt, wie Lukas das alles so benennt, wenn er 20 ist.

Beschäftigt sich Lukas viel mit diesen Bennenungs-Problemen?

Barbara: Eigentlich interessiert ihn das nicht besonders. Er hat ja Großeltern, Onkels und Tanten, Cousars und Cousinen und so weiter. Wir haben aber auch Freunde in der Stadt, die diese Tanten-Funktion haben, weil unsere Familien woanders leben. Damit hat Lukas viele erwachsene Bezugspersonen, die eine große Bedeutung für ihn haben. Die einzige davon, die wir so vehement mit Titel versehen, ist allerdings seine Patentante – und zwar weil die das immer so will und sehr stark betont.

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