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Warum feministische Perspektiven auf Mutterschaft?

Mai 13, 2011

Eine rhetorische Frage.  Hier eine unvollständige Auswahl an Gründen, die niemandem wirklich neu sein dürfte:

1. Viele Studien haben gezeigt, dass nach der Geburt ersten Kindes die Rollenverteilung auch in zuvor egalitären heterosexuellen Beziehungen traditionell wird, das bedeutet: der Mann hat den Beruf, die Frau Kinder und Haushalt. Während in Deutschland 55 % Frauen vor dem ersten Kind in Vollzeit beschäftigt waren, kehren nur 14 % in die Vollbeschäftigung zurück; nach zwei Kindern sind es nur noch 6 % (so eine im August 2009 erschienene Studie des Familienministeriums). Einige Analysen gehen übrigens davon aus, dass auch in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit Kind oft eine ähnliche Aufteilung entsteht, die strukturellen Bedingungen wie den Öffnungszeiten von Kinderbetreuungsstätten oder dem Mangel an Teilzeitstellen geschuldet ist. (Literatur hierzu ist etwa in einem Sammelband von Solga & Wimbauer zu finden, ähnliches auch in einem Interview mit Dagmar Müller in der SZ.)

2. Mutterschaft erhöht das Armutsrisiko: 2008 erhielten in Deutschland 43 % aller alleinerziehenden Mütter Hartz IV. Wie ein diesbezüglicher Artikel feststellt: „In keiner anderen Bevölkerungsgruppe benötigt eine solch hohe Zahl von Menschen staatliche Unterstützung in Form von ALG II, um wirtschaftlich überleben zu können.“ Dieses Armutsrisiko wird noch von verschiedenen anderen Mehrfachdiskriminierungen, etwa auf Grund von Religionszugehörigkeit, Bildung, Alter oder Migrationshintergrund beeinflusst.

3. Auch in heterosexuellen Paaren mit Kind, in denen beide Personen arbeiten und ihrer Karriere nachgehen, übernehmen Mütter zusätzlich noch mehr Hausarbeit und verbringen doppelt so viel Zeit mit den Kindern. (Hierzu sei auf obige Literatur verwiesen sowie einen Bericht zu Kinderbetreuungszeit in der SZ.)

4. Noch immer haben Transgender, homosexuell lebende Menschen und Single-Frauen keinen Zugang zu Reproduktionsmedizin wie IVF. Auch in Bezug auf das Adoptions- und Steuerrecht bestehen Diskriminierungen (Infos dazu z.B. in einem Artikel der taz).

5. In Familien, in denen eine relativ egalitäre Aufgabenverteilung zwischen den Eltern besteht und beide ihren Berufen nachgehen, wird die Haus- und Pflegearbeit oft an dritte delegiert, nämlich wiederum fast immer Frauen. Diese haben häufig einen Migrationshintergrund und müssen – wie z.B. dieser Bericht zusammenfasst – oft unter prekären Bedingungen, d.h. mit geringer Bezahlung, ohne Vertrag und zum Teil auch ohne Aufenthaltsrecht arbeiten.

6. Der der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern in Deutschland liegt bei ca. 23 %. Dazu kommt noch, dass Frauen besonders oft Teilzeit arbeiten und zunehmend im Niedriglohnsektor beschäftigt sind, was auch zu geringeren Rentenansprüchen, erhöhten Armutsrisiko und wirtschaftlicher Abhängigkeit führt. Wie etwa die Emma berichtet betrifft dies auch Altersarmut, der Rentenunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt derzeit 35 %.

7. Noch immer gibt es bei weitem nicht genug Kita-Plätze, wahrscheinlich wird auch das Vorhaben, dass ab 2013 das Recht auf einen Krippenplatz für über einjährige Kinder bestehen sollen, nicht umgesetzt (siehe Artikel in der Zeit). Dazu kommt noch, dass Erzieher_innen und Pädagog_innen oft sehr schlecht bezahlt werden – auch weil es sich um klassische ‚Frauenberufe‘ handelt, die traditionell mit einen geringen Einkommen und wenig Prestige einher gehen.

8. usw.

(Einer der Klassiker zum Thema Feminismus: Le Tigre – Hot Topic)

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  1. Rubi permalink
    Juli 14, 2011 11:28 am

    Cool, schöne Liste 🙂 Allerdings wundert mich, dass das alles nur eher statistisch ist und Arbeit dabei so zentral- so toll ist Vollzeit-Arbeiten doch auch wieder nicht. Gibts denn mittlerweile schon Ergänzungen?

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