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Mütter-Artikel in der ‚Zeit‘

Mai 9, 2011

Vielleicht zu Ehren des ‚Muttertags‘ widmet sich Die Zeit in mehreren Beiträgen der Elternschaft beziehungsweise Mutterschaft. Alle sind sicherlich lesenswert, einige können kontrovers gesehen werden.

In einem Interview mit der Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert geht es um gute Mütter. Ahnert betont zwar die Vielseitigkeit weiblicher Lebensentwürfe und wehrt sich gegen die Oppositionen ‚Hausfrau‘-‚Karrierefrau‘. Allerdings bezieht sie sich gerne auf vermeintliche Wahrheiten der Psychologie, die einige Psychologen und Psychologinnen sehr erstaunen mögen: die Studienlage zu Geschlecht und Elternschaft ist nämlich äußerst widersprüchlich. Interessant wäre etwa zu wissen, woher sie die Überzeugung nimmt, bei kranken Kindern könne nur die Mutter – nicht etwa der Vater oder die Oma – wirklich helfen. Auch der Aussage „Frauen sind eindeutig stärker im emotionalen Bereich sensibilisiert. (…) Diese Geschlechterdifferenzen gibt es einfach.“ würden ganz sicher nicht alle Entwicklungspsycholog_innen zustimmen.

Mariam Lau setzt sich in einem Beitrag jetzt lass Mama mal in Ruhe mit ihrer eigenen Mutterschaft auseinander. Der Artikel ist teilweise gut recherchiert und es ist interessant über ihre eigenen Einstellungen, Abgrenzungsversuche gegen verschiedene Mutterbilder und Lebensentwurfs-Versuche zu lesen. Erstaunt hat mich aber erstens ihre sehr negative und pauschalisierende Sicht auf die so genannten 68er Mütter. Dabei werden die Errungenschaften der 68er-Frauen (Kinderläden, Emanzipation, Kampagnen zur Frauengesundheit, mehr Möglichkeiten weiblicher Berufstätigkeit, etc.) ziemlich unter den Tisch gekehrt und auch der Zeitkontext der Bewegung ausgeblendet (z.B.: bis 1963 durften Ehefrauen in der BRD nur mit Zustimmung des Ehemannes arbeiten, bis Ende der 60er jahren wurde die Pille von vielen Ärzten nur an verheiratete Frauen mit Kind verschrieben, etc.). Zweitens habe ich strukturelle und institutionelle Faktoren vermisst: Wie man seine Mutterschaft umsetzt, bestimmt ja nicht nur die individuelle Einstellung und welches Mutterbild man ansprechender findet. Sondern es hängt auch davon ab, welche Möglichkeiten der Lebensgestaltung man überhaupt hat. Und die hängen wiederum von finanziellen und gesetzlichen Rahmenbedingungen ab, von Betreuungsmöglichkeiten, Kindergartenöffnungszeiten, Teilzeitarbeitsplätzen, ökonomischer Unterstützung etc. Dazu kommt noch: das eigene Mutterbild hängt wohl auch von den Einstellungen des anderen Elternteils ab, also etwa in Laus Fall vom Vater- bzw. Männerbild ihres Partners.

Ein anderer Artikel behandelt den Wandel familiärer Lebensformen und berücksichtigt dabei gerade auch strukturelle und ökonomische Aspekte wie das Ehegattensplittung. Der Artikel betont dabei etwa die Ergebnisse aktueller Statistiken:  „Die als Familienideal geförderte Ehepaarfamilie, in der der Vater erwerbstätig ist, die Mutter aber nicht, ist zu einem Minderheitsmodell geworden.“ Schön dazu die Ergebnisse der Kinderstudie 2010: alle Beteiligten, auch die Kinder, sind zufrieden wenn beide Eltern arbeiten gehen.

Ein Artikel von Susanne Kailitz setzt sich mit verschiedenen Kindererziehungsmodellen in Ost und West auseinander. Und last but not least portraitiert der Artikel von Ilka Piepgras ein lesbisches Mütterpaar in Berlin.

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