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schwangere trans*Väter_Mütter

Mai 5, 2011

Das Thema ist eigentlich schon wieder out, berichteten die Medien doch bereits 2008 von dem schwangeren Trans*mann Thomas Beatie, der mittlerweile 2010 sein drittes Kind geboren hat. Deswegen hier nur einige diesbezügliche Stichpunkte/ Erweiterungen:

Im Falle Thomas Beatie hatten sich verschiedene Medien äußerst unrühmlich hervorgetan, indem sie, in völliger Unkenntnis jeglicher Gender-Theorien, behaupteten ein Mann könne nicht schwanger werden, also handle es sich bei Beatie nicht um einen Mann. Im deutschsprachigen Raum ganz vorne mit dabei war auch mal wieder die (gerne auch in Fragen Rassismus problematische) Zeitung taz: Der polemische Artikel von Cigdem Akyol und Arno Frank schloss mit der biologistischen und transphobischen Mutmaßung, Beatie sei kein Mann sondern eine „schrecklich verstümmelte Frau.“ Dieser Artikel löste einiges an berechtigter Empörung aus, wie etwa auch im transgender forum nachzuvollziehen ist.

Thomas Beatie war nicht der erste Trans*mann, der schwanger war. Beispielsweise berichtete 2001  eine psychologisch/psychoanalytische Zeitschrift die Fallgeschichte eines Mannes, der mit 42 alleinerziehender Vater wurde. Bemerkenswert ist in diesem Bericht, dass immer wieder betont wird, wie männlich sich der Mann in der (oder: trotz?) Schwangerschaft fühle, wodurch es auch zu einigen interessanten Umdeutungen kommt. Er berichtet: „I kept very active, and performed work like a man obsessed with nestbuilding. I built a 20 by 25 foot redwook desk.“

Hier die Literatur dazu: Ruiz, P. (2001). An Evolved Male. Gender and Psychoanalysis, 6(2), 169-181.

Als fiktionale Figur ist der Trans*mann Max aus die L-Word bekannt. (Nebenbemerkung: Überraschend sind die Informationen im Link zu der Figur Max, die in der Serie auch mit Männern schläft. Hier wird zur sexuellen Orientierung nur „steht auf Frauen“ angegeben. Hat da die L-Word-Seite die eigene Serie nicht geschaut? Oder ist das ein weiteres Zeichen der Angst vor Bisexualität/ sexueller Ambivalenz/ trans*Identitäten?). Auffällig ist, dass Max im Narrativ der Serie gleich mehrfach von Hormonen gebeutelt wird: erst von den ‚männlichen‘ Hormonen via Tabletten, die ihn zum Mann aber auch gleichzeitig so ‚aggressiv‘ machen. Und dann von den Schwangerschaftshormonen, die ihn ’sensibel‘ machen und immer wieder zum weinen bringen. Leider bricht die Serie mit der 6. Staffel, in der sich auch Max’s Schwangerschaft vollzieht, ab – es wäre interessant gewesen zu sehen, wie die Figur und seine Vaterschaft weiter erzählt worden wären.

Die Betonung stereotyper geschlechtlicher Eigenschaften taucht auch in anderen Berichten über schwangere Trans*männer auf. Etwa wurde mehrfach erwähnt, Beatie habe sich in der Schwangerschaft weiterhin männlich gefühlt – und nicht plötzlich angefangen, seine Beine zu rasieren. Well … warum sollte er das auch tun?

Naja, trotzdem muss dabei wohl der Kontext dieser Darstellungen berücksichtigt werden: Zum einen gilt Schwangerschaft eben heute oft als ‚weiblichster Zustand‘ überhaupt. Zum anderen verlangen viele so genannte ‚Transsexuellengesetze‘, dass sich andersgeschlechtlich fühlende Menschen erst einer Geschlechtsumwandlung unterziehen dürfen, wenn sie sich absolut stereotyp verhalten (= Beine rasieren, Make-Up, etc. bei Frauen). Bis zu einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts 2011 durfte ein Mann auch in der deutschen Gesetzgebung seine Gebärmutter nicht behalten: erst nach einer unfruchtbar-machenden Operation war hier eine vollständige legale Geschlechtsanpassung möglich. Momentan wird das Gesetz neu entworfen.

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